BundesratStenographisches Protokoll843. Sitzung / Seite 103

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nister, und auch bei Ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sehr herzlich bedanken möchte. Dieser Bericht ist eine sehr interessante und aufschlussreiche Lektüre, weil da­rin sehr viele grundlegende Definitionen, aber auch Studienergebnisse und Tendenzen für die Zukunft enthalten sind.

Sehr beeindruckend ist für mich die unglaublich große Breite der Betätigungsfelder im Freiwilligenbereich, die es in Österreich gibt. Die freiwillige und ehrenamtliche Arbeit in Österreich ist meiner Meinung nach eine der wesentlichen gesellschaftlichen Stützen. Dieses Engagement nützt einerseits der Allgemeinheit, sie gibt aber auch den einzel­nen Menschen eine sinnerfüllte Betätigung und bietet Gemeinschaft, die auch sehr not­wendig ist.

Besonders erfreulich finde ich die Tatsache, dass der Anteil der freiwillig Engagierten insgesamt im Steigen begriffen ist. Insgesamt sind rund 46 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahren in Österreich freiwillig tätig. Das ist beeindruckend. Im formellen Sek­tor – das sind Organisationen und Vereine – sind es rund 28 Prozent der Bevölkerung. Das ist ein Bereich, der konstant ist. Im informellen Bereich, nämlich in der Nachbar­schaftshilfe und so weiter, sind es rund 31 Prozent. Dort ist die Tendenz sogar stei­gend.

Erfreulich dabei ist, dass in diesem Freiwilligenbereich alle Altersgruppen vertreten sind und sich engagieren. Am aktivsten sind hier wiederum die 50- bis 59-Jährigen; die 50-Jäh­rigen waren heute schon einmal ein Thema. Ich bin mir sicher, dass das auch damit zu­sammenhängt, dass man in diesem Alter einfach mehr Zeit hat – die eigenen Kinder sind schon erwachsen –, sich außerfamiliär zu betätigen und einzubringen.

Apropos Zeitfaktor: Es ist sehr interessant, dass Frauen in repräsentativen Funktionen, also wenn es um Ehrenamt, wenn es um Prestige geht, immer noch unterrepräsentiert sind. In diesem 2. Freiwilligenbericht wird gemutmaßt, dass dann, wenn es um Prestige geht, öfter Männer zum Zug kommen, und dass Frauen eher im informellen Bereich über­durchschnittlich vertreten sind. Das hat meiner Meinung nach auch mit der nach wie vor bestehenden Mehrfachbelastung der Frauen zu tun. Es ist angesichts der vielen Tä­tigkeiten, die Frauen nach wie vor verrichten, für diese einfach oft nicht möglich, viel Zeit in Sitzungen oder Gremien oder mit Vereinsstrukturen zu verbringen, was schade ist, denn dieses Engagement gehört gefördert. Ich habe aber den starken Eindruck, dass es sehr wohl eine Frage ist, ob man sich ehrenamtliches Engagement zeitlich leisten kann – speziell dann, wenn Frauen sich engagieren –, dass es aber auch eine finan­zielle Frage ist, nämlich ob man es sich finanziell leisten kann, freiwillig tätig zu sein.

Ein Studienergebnis in diesem Bericht sagt auch, dass der Anteil an Freiwilligen mit dem Grad des Bildungsabschlusses steigt. Das deutet meiner Meinung nach darauf hin, dass es eine gewisse finanzielle Basis braucht, um sich freiwillig engagieren zu können.

Sehr bemerkenswert erscheint mir in diesem Bericht, dass vor allem BürgerInnen mit Migrationshintergrund angeblich eine hohe Bereitschaft zeigen, sich zu engagieren. Ich meine, gerade da sind die traditionellen österreichischen Verbände und Vereine gefor­dert, sich zu öffnen, diesen BürgerInnen die Möglichkeit zu geben, in den Vereinen tä­tig zu werden. Ziel müsste sein, dass sich die reale Bevölkerungssituation auch in den Verbandsstrukturen widerspiegelt. Auch das wäre ein wesentlicher Beitrag zur Integra­tion.

Überhaupt scheint es laut diesem Bericht so zu sein, dass es noch einige Menschen mehr gäbe, die bereit wären, sich freiwillig zu engagieren. Viele sagen in Befragungen, man müsste sie nur ansprechen oder ihnen Anknüpfungspunkte geben. Ich denke, wir alle sind gefordert, im Ehrenamtsbereich noch bessere Kommunikationswege zu fin­den, Anknüpfungspunkte für diese Menschen zu schaffen, die offensichtlich nur darauf warten, abgeholt zu werden.

 


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