BundesratStenographisches Protokoll843. Sitzung / Seite 174

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Die Österreich Werbung – und da darf ich auch meinen Respekt aussprechen – weiß genau, welche Aktiva Österreich international zu bieten hat. (Der Redner hält ein Bild vom Tourismusbericht in die Höhe.) Das sieht man gleich auf den ersten drei Sujets, auf den ersten drei Bildern dieses Tourismusberichts: das ist die Sommerlandschaft, das ist die Winterlandschaft, und das ist das kulturelle Erbe, das ist die Bundeshaupt­stadt Wien. Und als Wiener Bundesrat darf ich darüber sprechen.

Das Bild ist vielleicht etwas zu klein, dass es jeder sieht. (Der Redner zeigt ein Bild aus dem Tourismusbericht.) Das ist in einem Katalog wirklich ein ganz tolles Sujet, wie ein junges Paar den Blick auf das Kunsthistorische Museum richtend am Maria-Theresien-Platz entlang stolziert, 200 Meter von hier entfernt.

Im Hintergrund ist nicht die Kaiserin, sondern Erzherzogin Maria Theresia, Königin von Ungarn, Kaiser war ihr Ehemann, Franz von Lothringen, deswegen hat sie ja diesen Na­men: Habsburg-Lothringen. Er war der Kaiser, ihm ist dieses Naturhistorische Museum zu verdanken, in erster Linie die Sammlung, die heute nach wie vor – obwohl schon 200 Jahre später – das Herz dieses österreichischen Kulturschatzes darstellt. Und das – dieses kulturelle Erbe! – ist das Herz des Tourismus hier in Wien; das darf man nicht vergessen.

Ich feiere ja lieber aktive, positive Erinnerungskultur, anstelle von irgendwelchen Trüm­mertagen, wie 70 Jahre Krieg oder was weiß ich was, und das ist, finde ich, sicherlich 150 Jahre Wiener Ringstraße. Das ist unser kulturelles Gedächtnis hier in Wien, das ist unsere Erinnerungskultur, und darauf besinnen sich auch die internationalen Gäste, die nach Österreich kommen. Diese Dynamik muss man ausnützen, und vor allem – das hat sich auch in der Diskussion gezeigt – die Russen, die ja reich sind und ein gewis­ses monetäres Potenzial haben, auslassen, und stattdessen sollten die Amerikaner ein­springen.

Vergleicht man Wien mit anderen europäischen Städten, ist der Schatz, der kulturelle Schatz Österreichs, sicherlich nicht geringer als der anderer Länder, zum Beispiel Ita­lien. Aber der Amerikaner ist in Wien kaum anzutreffen, und um den sollte man sich wesentlich mehr kümmern, denn er liebt erstens die Musik und zweitens das kulturelle Erbe Wiens.

Vor diesem Hintergrund ist es verwunderlich, dass die rot-grüne Wiener Stadtregie­rung – aber das ist ja nicht nur seit der Beteiligung von Grün, es gibt die rote Stadtre­gierung schon über 70 Jahre lang – auf dieses kulturelle Erbe wenig bis gar keine Rücksicht nimmt. Es gibt fast kein neues Bauobjekt in Wien, das nicht auf Missmut der Bevölkerung stößt, das nicht Skepsis und eine Bürgerbewegung auslöst.

Ganz zum Schluss, als Letztes, etwas ganz Aktuelles: Der Verbau des Eislaufvereins in Wien mit einem Hochhaus, direkt in der Sichtachse des Konzerthauses. Das heißt, wenn man auf der Ringstraße fährt, wird man das Konzerthaus nicht mehr sehen kön­nen. Es wird verbaut von einem Hochhaus, von einem Hochhausturm. Und die lieben Kinder, die dort eislaufen, müssen vor einem Betonwall eislaufen. – Nein, das kann es nicht sein, das lehnen wir ab!

Und ganz interessant ist, dass vor diesem Hintergrund im ersten Bezirk, und da feder­führend durch die FPÖ, von unserem Bundesratsreferenten und Klubobmann des ers­ten Bezirks, Georg Fürnkranz, ein einstimmiger Beschluss gefasst worden ist, wo sich alle Fraktionen gegen dieses Hochhausprojekt aussprechen.

Ich frage mich schon: Was ist so interessant für die rot-grüne Stadtregierung, dass sie permanent mit Bauspekulanten zusammenarbeitet? Es ist ja nicht das erste Projekt. Der Untergang der Copa Cagrana ist ausschließlich durch die viel zu dichte Verbauung an der Donauplatte zu verantworten, wo mittlerweile mehr Leute auswandern als ein­ziehen. Das muss auch einmal gesagt werden.

 


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