Wir haben Betriebe, die sozusagen in die Fassade und ins Angebot investieren, gleichzeitig sind die Betriebe nicht mehr in der Lage, zum Beispiel ihre Energieeffizienz auf den neuesten Stand zu bringen. Viele Betriebe sind in der Situation, dass sie noch funktionieren, aber in Wirklichkeit substanziell große Probleme haben. Und Frau Kollegin Junker, es ist tatsächlich so: In den Regionen ist der touristische Erfolg letztendlich sehr stark damit verbunden, dass auch mittelständische Bau- und Baunebengewerbe davon massiv profitiert haben, aber derzeit nicht so profitieren können, weil die Einkommenssituation sozusagen nicht funktioniert.
Die Tax-free-Umsätze sind in Österreich von 2013 auf 2014 um 8,8 Prozent gesunken. Auch der Handel spürt die geringere Ausgabefreudigkeit unserer Gäste. Bei den Russen hat es übrigens ein Minus von 20,4 Prozent gegeben.
Noch eine Kennzahl, die schon auch Sorge macht, wenn man den Bericht sehr genau studiert: Österreichs Marktanteil am internationalen Tourismus. Da gibt es die EU-15 im Tourismus. Wir hatten 1996 einen Marktanteil von 8,12 Prozent und haben 2014 einen Marktanteil von 5,5 Prozentpunkten. Das heißt, in Prozenten ist es nur ein Minus von 2,62, aber insgesamt, sozusagen brutto gerechnet, ist das ein Verlust von 32,2 Prozent. Das heißt, wir haben tatsächlich von 1996 bis 2014 bei den Tourismusexportländern Europas ein Marktanteilsminus von einem Drittel. Das ist bedenklich. Das zeigt, dass tatsächlich auch die Entwicklung im österreichischen Tourismus im internationalen Vergleich der Tourismusexportländer in Europa schon sehr problematisch ist.
Damit verbunden ist auch eine extreme Verlagerung von Land zu Stadt. Erfreulich: Wien ist der absolute König Österreichs mit seiner touristischen Entwicklung, aber es ist ein Faktum, dass die ländlichen Regionen – das zeigt auch dieser Bericht – massiv verlieren, und das macht Sorge. Die Post geht weg, die Kleinschule wird zugesperrt, die Polizei ist weg, der Greißler sperrt zu, und der Wirt geht auch, und dann haben wir den Gast auch verloren. Das ist eine Entwicklung, die uns tatsächlich Sorge macht.
Ich habe gerade heute auch mit Günther Novak, der ja ein sehr sympathischer Bürgermeister einer Tourismusgemeinde ist, gesprochen, und in Kärnten ist es derzeit so, dass auch im Mölltal ein wichtiges Tourismusprojekt nicht zustande kommt; es gibt qua-si Hemmnisse, neue Gebiete zu erschließen, und zwar (in Richtung der Bundesrätin Junker) wie in Tirol; denn wenn die Grünen mitregieren, dann geht nichts mehr. Auch in Kärnten ist das ein „Spiel“, dass die Grünen sozusagen eine Skipiste mehr verhindern und damit verbunden aber auch eine regionale Entwicklung zerstören.
Der Tourismus hat das Recht, die Landschaft zu nutzen, zu pflegen und zu hegen, nicht abzunutzen. Aber wir müssen – und das ist letztendlich das touristische Kapital – die schönen Bilder auch erleben. Da sind wir uns mit Tirol durchaus einig. Festzuhalten ist, dass diese Entwicklung eine tatsächlich massive weitere Schwächung des ländlichen Raumes ist.
Ich habe mir noch Zahlen angeschaut, das erste Quartal ist der Winter: 1995 hatte Österreich einen Anteil von 14,2 Prozent, 2014 einen solchen von 11,4 Prozent. Das heißt, wir haben wieder nur 2,8 Prozentpunkte, aber in Wirklichkeit 19,7 oder ein Fünftel der Wettbewerbsfähigkeit im Wintertourismus von 1995 bis 2014 eingebüßt.
Noch dramatischer – und das macht wirklich Sorge, das trifft vor allem auch die Sommerdestinationen –: Im Sommer hatten wir 1995 einen Anteil von 7,7 Prozent, 2014 einen solchen von 4,3 Prozent, das bedeutet ein Minus von 3,4 Punkten, aber von 44 Prozent. Das heißt, der österreichische Tourismus hat im dritten Quartal von 1995 auf 2014 ein Minus von 44 Prozent. Also da sollten wir mit unseren erfolgseuphorischen Aussagen etwas zurückhaltend sein. Wir brauchen dringend eine massive Offensive, um dort anzuschließen, wo wir 1995 waren.
Im Vergleich dazu – Griechenland und Kärnten waren ja heute schon mehrfach Thema –: Griechenland hat im dritten Quartal 1995, also im Sommertourismus, einen An-
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