BundesratStenographisches Protokoll844. Sitzung / Seite 24

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Was ist das Problem? – Man könnte sagen, dass die Arbeitslosen bei uns in Bezug auf Geld relativ gut abgesichert sind, dass es sowieso erstrebenswert ist, früh in Pension zu gehen. Meine Damen und Herren, Arbeit ist aber nicht nur Last, sondern auch ein wesentlicher Beitrag zur Entfaltung der Menschen in der Gesellschaft. Ich bin der Überzeugung, jeder hat ein Recht auf eine Aufgabe, mit der er einen Beitrag zum Glücken seines Lebens und des Lebens der Gesellschaft leisten kann. Gerade ältere Menschen können mit ihrer Erfahrung einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung unserer Gesellschaft leisten.

Es ist ein falsches Gesellschaftsbild, das den Eindruck vermittelt, es käme nur auf die Jungen an, die allein leistungsfähig wären. Tatkraft und Erfahrung müssen zusammen­kommen, Jung und Alt müssen zusammenwirken, damit Wesentliches geschehen kann. Das gilt, meine Damen und Herren, gerade für die Zukunft. Mit dem Anstieg der Lebenserwartung und dem teilweise sehr starken Anstieg des mittleren Lebensalters in unserer Gesellschaft werden ältere Menschen ein unverzichtbarer Teil der Arbeitswelt in Zukunft sein, denn es geht nicht nur um die Verminderung der Quote der Arbeitslosen bei älteren Menschen, sondern es geht auch um Arbeitskräfte, auf die wir in Zukunft nicht werden verzichten können, weil zu wenig jugendliche Arbeitskräfte vorhanden sind.

Ich denke da etwa an die Geburtenrate in der Steiermark, wo es vor 25 Jahren 28 000 Geburten gab, während wir im Vorjahr nur mehr 12 200 Geburten hatten, wovon über 6 000 Geburten auf den Bereich der Migranten entfielen. Wenn wir diese Zuwanderung nicht hätten, meine Damen und Herren, dann hätten Firmen wie Magna oder ANDRITZ mit 40 000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in den nächsten 15 Jahren, 20 Jahren sicherlich große Probleme. Damit diese Situation nicht eintritt, müssen wir schon heute Vorsorge treffen.

Die Teilpension als Anreiz für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, länger teilweise in der Arbeit zu bleiben, ist ein Punkt, der hier – keine Frage! – positiv zu erwähnen ist. Warum soll mit 65 oder 67 Jahren ein Mensch mit viel Erfahrung, der obendrein noch gebraucht wird, schlagartig aus der Arbeit ausscheiden? Was wir brauchen, sind abgestufte Übergänge. Dazu wird es auch notwendig sein, vermehrt älteren Menschen durch Arbeitsmarktmaßnahmen, wie staatliche Unterstützung – die ja jetzt Gott sei Dank kommt –, und durch spezifische Qualifizierungsmaßnahmen den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu erleichtern.

Meine Damen und Herren! Wir werden aber auch insgesamt umdenken müssen, was den Begriff Arbeit betrifft. Wir haben den Begriff „Arbeit“ auf abhängige bezahlte Arbeit begrenzt. Viele Beiträge in der Gesellschaft werden aber außerhalb dieser abhängigen Arbeitsverhältnisse erbracht. Dies gilt besonders für die ältere Generation, die etwa mit ihrer Arbeit in Vereinen und in kleinen Gemeinschaften das soziale Kapital dafür ist, dass die abhängige Erwerbsarbeit geleistet wird, aber auch, dass unsere Gesellschaft sich entwickeln kann. Denken wir dabei auch an die Pflege!

Meine Damen und Herren! Menschen über 50 Jahre haben es am Arbeitsmarkt nicht leicht. Zwar gelingt es Menschen in diesem Alter zumeist, ihre Arbeit zu behalten, fallen sie allerdings in diesem Alter aus dem Arbeitsmarkt heraus, schaffen sie den Wiedereinstieg schwerer als Jüngere.

Daher: aktivieren statt pensionieren! Mit dem AMS-Paket für Ältere wurde ein wichtiger Teil durchgesetzt. So werden mehr ältere Arbeitnehmer die Chance erhalten, in den Arbeitsmarkt einzusteigen.

Meine Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Die Mindestsicherung bietet wenig Anreize, um Arbeit wieder aufzunehmen. Der Verdienstunterschied zum Verdienst aus der eigenen Arbeit ist zu gering! Im Jahr 2014 hatten wir in Österreich


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