BundesratStenographisches Protokoll844. Sitzung / Seite 28

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Wenn wir den Blick nach Österreich richten, dann sehen wir, dass wir viele Institutio­nen haben. Wir haben Altersheime, wir haben viele Kindergärten. Und eines ist immer überall zu beobachten: Die Menschen in den Seniorenheimen haben viel Zeit, haben viel Erfahrung und wären froh, wenn sie sich irgendwo einbringen könnten. (Bundesrat Stadler: In den Kindergärten?) Und die jungen Eltern und Kindergarten-PädagogInnen bei einem Betreuungsschlüssel von 1 : 25 wären froh, wenn sie eine Entlastung be­kom­men würden. Das, was es meiner Meinung nach in Österreich braucht, ist, diese brachliegenden Ressourcen besser miteinander zu verzahnen, die positiven Effekte zu koppeln, damit beide Seite etwas davon haben. Das wäre aus meiner Sicht auch eine vorausschauende Politik und eine aktivierende Politik. – Das ist der eine Punkt.

Der andere Punkt wird deutlich ersichtlich, wenn wir uns die IHS-Studien anschauen, und da teile ich, geschätzter Kollege Todt, deine Ansicht nicht, die da heißt: Je älter, umso mehr arbeitslos! Das stimmt so nicht. Die Arbeitslosigkeit haben wir in dem Bereich, wo es ArbeitnehmerInnen gibt, da ist die Arbeitslosigkeit bis zu 70 Prozent höher. Das hat nicht damit zu tun, dass die ArbeitnehmerInnen automatisch durch die Biennal-Sprünge – das gibt es ja bei den ArbeitnehmerInnen nicht, dass sie auto­matisch durch die Biennal-Sprünge mehr verdienen – den Firmen zu teuer kommen würden und nicht mehr von den Firmen mitgetragen werden. (Bundesrat Mayer: Kollektivvertrag!) Genau!

Wenn man sich die Kollektivverträge untereinander anschaut und vergleicht, erkennt man, dass jene ArbeitnehmerInnen, die eine niedrigere Entlohnung haben, sogar von mehr Arbeitslosigkeit betroffen sind, dass ArbeitnehmerInnen, die wenig bis kaum eine Qualifizierung vorweisen, überdimensional von Arbeitslosigkeit betroffen sind und dass es nicht automatisch so ist, dass ein älterer Arbeitnehmer, weil er mehr verdient, den Firmen zu teuer ist. Diese „Logik“ hat die IHS-Studie widerlegt. Das stimmt so nicht laut den Ergebnissen. (Bundesrat Todt: So kann man es interpretieren! Das ist eine Möglichkeit!)

Der Herr Minister hat vor diesem Hintergrund mit der Ausweitung der Unterstützung älterer Arbeitnehmer, etwa durch Beschäftigungsförderung und Bildungsmaßnahmen, Arbeitsstiftungen, spezielle Beratung und Betreuung für Arbeit suchende ältere Men­schen und Qualifizierungsförderung, versucht zu entlasten. Dafür werden von 2015 bis 2017 insgesamt 720 Millionen € zur Verfügung gestellt. Also da gibt es auch ernsthafte Bemühungen, das zu verbessern und zu verändern.

Aber dieses Thema ist eines, das man nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Arbeits­plätze betrachten darf, sondern das man in einem breiteren Kontext sehen muss. Eine älter werdende Gesellschaft stellt viele Bereiche vor Herausforderungen. Wir müssen uns im Bereich des Wohnbaues Gedanken machen: Wie können wir dafür sorgen, dass möglichst viele Wohnräume geschaffen werden, die barrierefrei sind? Wie können wir eine Wohnumgebung schaffen, die es möglich macht, dass die Menschen, auch dann, wenn sie älter werden oder Beeinträchtigungen haben, in ihren vertrauten vier Wänden so lang wie möglich bleiben können und nicht in Heime gehen müssen, denn das ist ja das Kostenintensivere.

Wir müssen uns anschauen – das ist ein ganz wesentlicher Punkt –, wie wir lebens­langes Lernen, Fort- und Weiterbildung viel mehr forcieren und unterstützen können. Es gibt ein Gebäude weiter, im Palais Epstein, die „Demokratiewerkstatt“ für Jugend­liche; auch hier könnten wir neue Akzente vom Parlament aus setzen, indem man zum Beispiel auch die Türen für Kinder und Jugendliche mit ihren Großeltern öffnet und entsprechende Angebote anbietet. Das wäre ein aktives und schönes Zeichen des Hohen Hauses.

 


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