BundesratStenographisches Protokoll844. Sitzung / Seite 45

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Das glaube ich auch. Tun wir nicht so, als ob andere Anlageformen nicht risikobehaftet wären! Diejenigen, die in Meinl European Land oder in die Hypo Alpe-Adria investiert haben, waren ja auch nicht unbedingt abgesicherter. (Bundesrätin Mühlwerth: Doch! – Heiterkeit des Redners.) So gesehen kann man mit ein wenig Ironie sagen: Eine gewisse Eigenverantwortung gibt es ja auch.

Ich glaube ja grundsätzlich, dass es auch an den Banken liegt, wenn Crowdfunding eine solch große Zukunft hat. Wie funktioniert das heutzutage bei Banken? – Man geht hin und sagt: Ich habe ein bisschen Geld, das ich gerne in irgendetwas investieren möchte!, dann geben sie einem irgendein Depot, dann wird man vielleicht noch gefragt, in welche Märkte und mit welchem Risiko man investieren will. Dann sagt man: Na gut, dann gebt die, was weiß ich, 5 000 €, 10 000 € oder irgendetwas in dieses Depot hinein!, und als Anleger hat man keine Ahnung, in welche Produkte investiert wird, welche Firmen da eigentlich unterstützt werden. Man weiß es gar nicht! Das sind irgendwelche anonymen Depots, es wird in irgendwelche Märkte investiert, und man schaut dann einfach nur am Ende des Jahres und sieht, aha, man hat jetzt ein Plus oder ein Minus.

Beim Crowdfunding entscheidet man selbst: Ja, das ist eine neue Idee, ja, da ist ein Unternehmen, dieses Unternehmen ist vielleicht sogar in meiner eigenen Region und tut etwas für meine Region! Frau Kollegin Zwazl hat dieses schöne Beispiel aus dem Semmeringgebiet mit dem Skilift genannt, der über Crowdfunding in Neunkirchen entstanden ist. (Bundesrätin Zwazl: Ternitz! – Bundesrätin Winkler: Bezirk Neun­kirchen!) Bezirk Neunkirchen! Wie heißt der Ort? (Bundesrätin Zwazl: Ternitz!) – Ternitz, danke! Das ist schon wichtig, denn die Frau Kollegin kommt von dort. Es nicht zu wissen wäre ja ein Fauxpas! (Heiterkeit.)

Man sieht, es sind ganz konkrete Investitionen. Da kennt man sogar die Leute! Das ist schon ein großer Unterschied zu einer anonymen Investition in irgendwelche Fonds, bei denen man überhaupt keine Ahnung hat.

Ich kann mir schon vorstellen, dass die Zukunft ganz stark in diesem Bereich liegen wird, weil Leute auch wieder wissen wollen: Worin investiere ich, in wen investiere ich, welchen Nutzen habe ich davon? Und das Schöne an Crowdfunding ist, ich weiß es davor schon.

Viele Popmusikerinnen und -musiker arbeiten sogar schon so: Man will ein Album produzieren und verkauft das Album quasi vorab. Dann braucht man keine Plattenfirma mehr, man hat das über Crowdfunding finanziert. Danach wird das Album gemacht, und man bekommt es, weil man es ja schon im Vorfeld gekauft hat. Bei Büchern zum Beispiel gibt es das auch schon. Ich glaube, dass das in Zukunft ein ganz starker Wirtschaftszweig sein wird.

Ich glaube, dass wir damit tatsächlich Neuland betreten. Aufgrund des digitalen Wan­dels, der ja auch unser Schwerpunkt sein wird – das passt zu diesem Thema –, ist natürlich auch die Kommunikation von solchen Projekten eine ganz andere. Crowdfunding als Marketing-Tool wurde von Magnus richtigerweise angesprochen.

Ich freue mich heute und hoffe, dass wir – obwohl diese Evaluierung für 2019 geplant ist – jetzt schon im Vorfeld laufend öffentlich und transparent evaluieren, auch hier im Parlament, weil die Frage, ob es bei dieser 5 000-€-Beschränkung bleiben soll, wohl eine der größten Fragen ist. (Vizepräsidentin Posch-Gruska übernimmt den Vorsitz.)

Man könnte möglicherweise tatsächlich schon anhand der Evaluierungsprozesse sagen: Nein, seien wir flexibel und verändern wir das – oder auch nicht! Ich lasse mich


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