haben möchte, weiß, dass er Kennzahlen, eine Bilanz oder irgendeine Einnahmen-Ausgabenrechnung liefern muss.
Aber jeder, der beginnt, hat noch keine Bilanz, sondern erst einmal eine zündende Idee. Ein Bankier, Banker oder wie immer die heißen, hört ihm gar nicht mehr zu. Der will nur noch Kennzahlen sehen und vergibt keinen Kredit mehr, weil das einfach nicht mehr en vogue ist und es die Corporate Governance der Banken gar nicht mehr vorsieht. Dem bleibt nichts anderes übrig, als dieses Crowdfunding – obwohl eigentlich ein Crowdinvesting besser ist – zu machen. In den USA ist dies gang und gäbe, weil es dort überhaupt keine Förderungen gibt. Die leben alle nur von solchen Geschichten.
Bleiben wir beim Beispiel Deutschland beziehungsweise Berlin, dem Gründer-Mekka schlechthin, wo es Zalando oder Rocket Internet vorgemacht haben: vor wenigen Jahren erst gegründet, heute milliardenschwere Börseunternehmen! Wie man beginnt: Man holt sich das Geld bei den Freunden, „Family, Friends and Fools“, wie es so schön heißt, dann geht man zum Crowdfunding, Crowdinvesting oder Crowdlending, der zweite Schritt, der jetzt geöffnet worden ist – viel zu gering, aber es ist immerhin ein Anfang –, dann geht man zum Wagniskapital, zum Venture Capital, zu den Fonds, zu den Schattenbanken, die auch einmal nach Österreich kommen sollten – auch da kann sich Wien bemühen, Niederlassungssitz einer dieser riesigen Kapitalfirmen zu werden, die jede Menge Geld haben und nicht Basel III und Basel IV unterliegen, frei entscheiden und auch Jungunternehmer finanzieren können –, dann vorbörsliche Plattformen und letztlich die Königsdisziplin, die Börse, wie es Rocket Internet oder Zalando vorgemacht haben.
Dieser Weg der Willkommenskultur soll in Wien und in Österreich beschritten werden. Da ist noch jede Menge Platz offen, aber wie gesagt: ein guter Anfang. Meine Gratulation zu diesem Gesetz! – Danke. (Beifall bei FPÖ und ÖVP sowie bei Bundesräten der SPÖ.)
10.31
Präsident Gottfried Kneifel: Zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Schreuder. Ich erteile es ihm.
10.31
Bundesrat Marco Schreuder (Grüne, Wien): Herr Präsident! Herr Staatssekretär! Da jetzt so viele lobende Worte gefunden wurden und wir eine lange Tagesordnung haben, werde ich meine Ausführungen kurz halten und mich auf das Wesentliche beschränken. Ich muss aber natürlich meinem Kollegen Magnus Brunner Folgendes sagen: Ja, wir sind dem Herrn Staatssekretär auch sehr dankbar und froh darüber, dass dieses Gesetz gekommen ist.
Ich würde es aber nicht nur an seiner Person festmachen, weil ich glaube, dass der Einsatz von Heini Staudinger erheblich war. Das Thema begleitet uns eigentlich auch hier in diesem Haus schon seit vielen Jahren, und ich erinnere daran, dass die erste parlamentarische Enquete zum Thema Crowdfunding 2013 von den Grünen initiiert worden ist (Bundesrat Brunner: Das stimmt!), wobei es doch schön ist, dass wir in vielen Gesprächen gemeinsame Ideen und gemeinsame Gedanken gefunden und schließlich festgestellt haben: Ja, wir brauchen ein Crowdfunding-Gesetz – und heute haben wir das.
Ich finde, es ist ein Grund zum gemeinsamen Feiern und zur Freude, dass es das jetzt in Österreich gibt, auch wenn es verbesserungswürdige Kleinigkeiten gibt – und ich unterstütze da tatsächlich Kollegen Pisec – und auch wir der Meinung sind, dass die Beschränkung von 5 000 € zu restriktiv ist. Wir hätten uns durchaus höhere Summen vorgestellt, weil die Leute das tatsächlich in Eigenverantwortung entscheiden können.
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