BundesratStenographisches Protokoll853. Sitzung / Seite 94

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

2017. (Zwischenruf des Bundesrates Schennach.) Nein, wir haben in unterschied­lichen Branchen unterschiedlich viel Zeit.

Ich bemühe nun doch das Beispiel, das ich vorhin bemühen wollte, nämlich die Automobilindustrie. Ich darf in die Runde der Bundesrätinnen und Bundesräte inklusive des Präsidenten eine Schätzfrage stellen: Was, glauben Sie, zahlt die durchschnittliche europäische Familie für das durchschnittliche europäische Auto pro Monat, wenn man die Anschaffungskosten mit hineinrechnet; Anschaffungskosten auf das Monat herun­tergerechnet, inklusive Benzin/Diesel, Versicherung, Garagengebühr? (Die Bun­des­rätinnen und Bundesräte geben ihre unterschiedlichen Schätzungen bekannt.) – Ich habe es einmal gehört: Es sind 400 € im Durchschnitt – gut geschätzt!

Wir wissen – die Zahlen sind bei mehreren Veranstaltungen, Diskussionen, kleineren Treffen und großen Konferenzen transparent gemacht worden –: Google plant, das um zirka 200 € pro Monat anzubieten, selbstfahrend, elektrisch, und sagt noch froh­lockend, man könne noch um 200 € Services dazukaufen.

Wenn Sie sich aber die Bilder dieser Gefährte anschauen, die in ungefähr sieben bis zehn Jahren kommen sollen, dann sehen Sie, das hat nichts mehr mit der Idee des Autos des 20. Jahrhunderts zu tun – nach dem Zweiten Weltkrieg, die Idee des sozialen Aufstiegs; man kann sich ein eigenes Auto leisten und hat damit große persönliche Freiheit und Mobilität –, sondern das sind Transportmittel einer neuen Generation, eines neuen Zeitalters, für eine Person oder für vier – das sind dann so Lounge-artige Sessel –; es gibt da jede Menge Designs. Es gibt keinen Rückspiegel mehr, keinen Seitenspiegel, kein Lenkrad und keinen fetten Kühlergrill. Kennen Sie die Geschichte? – Ein fetter Kühlergrill dient dazu, dass man, wenn man ihn im Rück­spiegel sieht, auf die Seite fährt. Das sind neue Transportmittel, die vollauto­matisch fahren und Fahrslots zugewiesen bekommen werden – so wie heute im Übri­gen schon der Flugverkehr und der Bahnverkehr weitestgehend vollautomatisch funktionieren. Die Vielzahl der Autos kann das heute schon.

Überlegen wir uns nur theoretisch: Wenn 50 Prozent weniger solcher Gefährte in Euro­pa abgesetzt werden – da kommen Sie zur Ernsthaftigkeit der Frage –, wenn wir wissen, dass die Automobilindustrie und Zulieferindustrie ein industrielles Rückgrat nicht nur der deutschen, sondern auch der österreichischen Wirtschaft ist, dann sind wir natürlich angehalten, in den nächsten zehn bis 15 Jahren diesbezüglich Strategien zu entwickeln.

Noch einmal: Ich rede von hoch- und höchstwertigen Jobs, von sehr gut bezahlten Facharbeiterinnen und Facharbeitern, Ingenieurinnen und Ingenieuren in Zulieferbe­trieben, den produzierenden Betrieben und in der Forschung, die möglicherweise nicht mehr in diesem Bereich arbeiten werden. Wir reden also nicht von den berühmten Niedriglohnjobs oder Jobs mit einer geringen Ausbildungsnotwendigkeit, sondern wir reden wirklich von den Jobs, die heute gut bezahlt sind, wo man im Mittelstand gut verdient und auch mehr ins Sozialsystem einzahlt.

Ich glaube, das ist der entscheidende Punkt der Debatte, die wir intensiv führen sollten – Arbeitnehmervertretung, Arbeitgebervertretung und alle politischen Kräfte –: Rahmenbedingungen zu schaffen, um diesen strukturellen Wandel herbeizuführen.

Ich wollte noch einmal darauf hinweisen: Ich glaube, wir meinen alle dasselbe, aber wir sollten ein positives Bild erzeugen und kein Bedrohungsbild und Angstszenario. Wir wollen die Leute ja begleiten.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal davor warnen, dass wir in eine Situation verfallen, in der wir eine Regulatorik erfinden und versuchen, einen Wandel aufzu­halten, anstatt ein Ermöglichungsrahmenbedingungsszenario zu entwickeln, in dem wir


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite