Wir haben da zum Teil eine tatsächliche europäische Erfolgsgeschichte: Alles, was wir unter Erasmus, Leonardo in Europa geschaffen haben, bedeutet Mobilität – die Mobilität der jungen Menschen hinauszugehen, irgendwo ein Semester zu verbringen, und die Mobilität anderer, die zu uns kommen. Das ist eine gegenseitige Befruchtung.
Ich sehe das in meiner Fachhochschule, wenn die Studierenden zu mir kommen und sagen: Nächstes Semester bin ich in Amsterdam! Ich bin in Barcelona! – Das öffnet und gibt ganz andere Perspektiven. Immerhin ist das Programm Erasmus+ mit 14,8 Milliarden € dotiert; zusätzlich stehen noch 1,7 Milliarden € zur Verfügung.
Wir haben dabei die Bereiche Incoming und Outgoing, und wenn wir sehen, dass allein im Studienjahr 2014/15 6 600 junge Menschen in Österreich das in Anspruch genommen haben, dann muss man sagen: 6 600 glückliche junge Menschen, die verstehen, was Europa ist. Wer einmal ein halbes Jahr an so etwas teilgenommen hat, der ist immunisiert, auch gegen nationalistische Tendenzen.
Gut ist auch, dass 70 Staaten außerhalb Europas teilnehmen und dass Österreich, die Schweiz – allerdings in Klammer – und das Vereinigte Königreich beziehungsweise deren Universitäten zu den attraktivsten innereuropäischen Incoming-Staaten gehören. Prag hingegen gehört, was ich immer ganz lustig finde, zu einem der stärksten Incoming-Staaten von außerhalb Europas. Das finde ich interessant. Die Schweiz habe ich in Klammer gesetzt, denn durch eine äußerst unglückliche Volksabstimmung nimmt die Schweiz zwar teil, aber muss jetzt alles selbst finanzieren. Wenn man sozusagen aus dem Populismus heraus eine Entscheidung trifft, die der eigenen Jugend die Chancen, nach Europa zu gehen, kappt, dann muss ein Staat dafür eben die Verantwortung tragen, auch wenn es der Staat selbst wahrscheinlich gar nicht gewollt hat.
Ich halte mich jetzt hier sehr kurz, möchte aber einen Punkt, den Kollegin Junker zum Schluss gesagt hat, noch einmal deutlich unterstreichen – ich glaube, ich habe hier diesbezüglich schon 20 Reden gehalten –: Es ist toll, dass unsere jungen Leute, die studieren, diese Mobilität haben. Ich wünschte, ich wäre noch einmal 20, ich würde ebenfalls sofort teilnehmen. Aber wir müssen auch an die Lehrlinge denken.
Es ist toll, dass mittlerweile 3 400 Lehrlinge von einem Praktikum Gebrauch gemacht haben, und dabei funktioniert es genau so, dass ein Lehrling, beispielsweise ein Mechanikerlehrling, in Amsterdam in einer Mechanikerwerkstatt vielleicht eine ganz andere Technologie sieht, dann in seinen Meisterbetrieb zurückkommt und sagt: In Amsterdam haben wir das aber viel geiler oder besser gemacht!, und außerdem lernt er auch noch eine andere Sprache. (Heiterkeit der Bundesräte Mayer und Köll.) – Man kann dieses Wort für Kollegen Mayer auch durch „interessant“ ersetzen; ich habe versucht, eine jugendliche Sprache als Retourbotschaft anzubringen. (Bundesrat Mayer: … nichts gesagt!)
Umgesetzt wird das aber noch zu wenig, und ich denke, Frau Kollegin Junker, dass wir irgendwann ein verpflichtendes Auslandspraktikum im Berufsschullehrplan unterbringen müssen. Ich weiß, das geht nicht sofort, aber wir sollten es zumindest einmal branchenweise starten.
Ein zweiter Punkt, der mir ein sehr großes Anliegen ist, richtet sich an alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die hier vielfach versammelt sind: Ihr alle habt Lehrlinge, manche haben viele, aber die Gemeinden und Städte machen dabei nicht mit, und das ist bitter. Bitte, Städte und Gemeinden, lasst eure Lehrlinge ein halbes Jahr – ein halbes Jahr – an diesem Programm partizipieren!
Ihr werdet dafür glückliche, junge Lehrlinge bekommen, die noch einen Vorteil haben: Sie können auch eine andere Sprache als nur Deutsch. Schauen wir deshalb, dass wir
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