BundesratStenographisches Protokoll853. Sitzung / Seite 129

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Und bei vielen Diskussionen kam es gerade bei diesem Gesetz oft zu großen Emo-tionen.

Es wurde gerade von meinem Vorredner angesprochen, und wenn man nachliest, sieht man, dass es seitens der FPÖ immer um die Wirtshäuser geht: Es wird sehr häufig erwähnt, dass es um eine Wirtshauskultur geht. Ich finde das dramatisch, dass Kultur etwas mit Zigarettenrauchen zu tun hat, wie es sehr häufig in Aussendungen der Freiheitlichen erwähnt wird, und dass Menschen dann nicht mehr in ein Gasthaus gehen, nur weil man nicht mehr rauchen kann.

Herr Schererbauer hat es selbst jetzt eben erwähnt, dass die Menschen zu uns ge­kommen sind, als in Bayern das Rauchverbot eingeführt wurde. Ich glaube, auch das ist ein Grund, ebenfalls dieses Rauchverbot einzusetzen, dann können nämlich die Bayern auch nicht zu uns rauchen kommen. Ich gehe davon aus, dass der gesund­heitliche Aspekt bei all dem immer im Vordergrund stehen soll.

Es wurden auch die Trafikanten und Trafikantinnen erwähnt. Ich frage mich, wer laut aufgeschrien hat, als die Zeitungen begonnen haben, immer mehr online zu sein. Das heißt, auch die Trafikanten und Trafikantinnen haben eine Einbuße, weil wahrschein­lich nur mehr sehr wenige von uns die Zeitung in Papierform kaufen, da wir sie online kaufen. Das ist ein Problem, das ist richtig, aber ich glaube nicht, dass man das mit dem Zigarettenkauf argumentieren kann.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Egal, von welcher Seite wir es betrachten: Es geht bei diesem Gesetz vor allem darum, dass Maßnahmen gesetzt werden, damit Men-schen bis ins hohe Alter gesund bleiben. Ich finde, das ist unsere Verantwortung. Die negativen gesellschaftlichen wie auch individuellen Auswirkungen des Tabak-konsums sind uns – davon gehe ich jetzt aus, das wurde auch von meinem Vorredner ange­sprochen – bekannt und sind belegt, deswegen ist gesundheitspolitisch jede Ein­schränkung der Abgabe von Tabakerzeugnissen begrüßenswert.

Unterhält man sich mit Experten und Expertinnen, dann hört man immer wieder, dass über ein Drittel aller Krebserkrankungen als Ursache das passive und aktive Tabak­rauchen haben. Das sind die Ursachen für diese Krankheiten. Mir ist schon bewusst, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass vielleicht nicht jeder diese gesundheitliche Beeinträchtigung erfährt, aber die Wahrscheinlichkeit, aufgrund des Tabakkonsums zu erkranken, ist natürlich sehr hoch.

Wir dürfen auch nicht die Augen davor verschließen, dass in Österreich rund 14 000 Menschen pro Jahr an den Folgen des Tabakkonsums sterben; in ganz Europa, sagen uns die Zahlen, sind es ungefähr 800 000 Menschen. Experten fürchten aber, dass es nicht dabei bleibt, sondern dass es zu einer weiteren Zunahme der Todesfälle kommt, wenn wir nicht Maßnahmen setzen, um den Zigarettenkonsum beträchtlich einzu­schränken. Nach Untersuchungen der WHO resultieren bis zu 90 Prozent der Lungen­erkran­kungen und fast ein Drittel aller Herzerkrankungen aus dem Tabakkonsum.

Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Ich stehe hier und gehöre nicht zu den militanten Nichtrauchern. Ich kenne das, wenn man raucht. Aber ich kenne es auch, wenn man – und das sage ich an dieser Stelle – in eineinhalb Jahren drei gute Freunde verliert, alle an Lungenkrebs. Das ist dramatisch. Das ist schlimm. Das ist wahrscheinlich genauso dramatisch wie die Schockbilder auf den Zigarettenpackungen. Ich stehe hier und habe es miterlebt, sie waren alle in meinem Alter. Jetzt können wir diskutieren: jung oder alt?, aber alle sind an dieser Krankheit gestorben, und zwar in relativ kurzer Zeit. Und es war ganz klar ersichtlich, dass es bei ihnen von diesem Konsum von Tabak, vom Rauchen kommt.

 


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