Ja, die Werbung hat damals ganze Arbeit geleistet, aber dann, Jahrzehnte später, kam bei vielen ein böses Erwachen: Lungenkarzinome, Herzinfarkte, COPD – darunter versteht man die chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen. Letztendlich folgten dann die Hilferufe in Arztpraxen: Hätte ich das gewusst! Warum war ich damals so dumm? Warum habe ich mit dem Rauchen begonnen? Ich möchte noch nicht sterben! – Wer raucht, stirbt im Schnitt acht Jahre früher. 30 Prozent aller Krebserkrankungen sind durch Rauchen bedingt, 90 Prozent der Lungenkrebserkrankungen sind durch Zigaretten bedingt.
Jeder Mensch ist seines eigenen Glückes Schmied, jeder ist für seine Gesundheit selbst verantwortlich. Wir können jetzt über das Kulturgut Rauchen, dem schon die Urvölker huldigten, lange diskutieren. Natürlich werfen Kritiker gern Bevormundung durch den Staat vor und fragen: Wo sind die Grenzen? – Ich frage mich in diesem Zusammenhang immer: Wie sieht es mit jenen aus, die passiv mitrauchen müssen, mit Kindern, ob ungeboren oder bereits selbst die Giftstoffe einatmend? Wie können wir heute die Jugendlichen davon überzeugen, dass Rauchen uncool ist?
Die uns vorliegende und zu beschließende Novelle ist ein weiterer Schritt, um den Risikofaktor Rauchen zurückzudrängen. Es ist zwar die Entscheidung eines jeden Einzelnen, zu rauchen, aber die Gesundheit des Gegenübers ist schützenswerter. Wenn die nunmehrigen Schockbilder auf den Zigarettenverpackungen zum Nachdenken bewegen, dann hat das Gesetz seine Wirkung erzielt.
Ganz generell muss ich in diesem Zusammenhang auch ein Anliegen, eine Anregung einbringen, die zwar nicht Gegenstand dieser Novelle ist, aber einen Konnex aufweist und mir thematisch absolut wichtig ist. Es gibt im Handel noch immer diese Schoko- und Kaugummizigaretten in täuschend echt imitierten Zigarettenschachteln – sogar mit nachgeahmter Steuerbanderole. Sie imitieren sogar die Marken mit Namen und Logo von Zigarettensorten. Frau Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich denke, da haben wir im Bereich der Prävention bei Kindern noch eine Herausforderung zu meistern.
Abschließend zum vorliegenden Gesetzesantrag: Tabakkonsum ist die größte vermeidbare Ursache für chronische Erkrankungen. Die Novelle soll eine nachhaltige Reduktion von Erkrankungen, die durch das Rauchen bedingt sind, bringen, und zwar durch Verringerung der Attraktivität von Tabakerzeugnissen und auch verwandten Erzeugnissen. Prävention ist für mich das Schlagwort und der Ansatz.
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Noch einmal: Es geht nicht darum, dem lustvollen Raucher das Rauchen zu verbieten, es geht um keine Verbotskultur, wie es die Kolleginnen und Kollegen der FPÖ sehen. Es gilt, jenen zu helfen, die mit dem Rauchen aufhören wollen. Es gilt, jenen zur Seite zu stehen, die durch Passivrauchen geschädigt werden oder sich nur gestört fühlen, und es geht vor allem um Prävention im Allgemeinen, aber umso mehr bei Kindern und Jugendlichen. Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie durch diese Gesetzesnovelle ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung gesetzt worden.
Wir werden dem Antrag der FPÖ nicht zustimmen, da die Begründungen nicht stichhaltig sind. Es ist eine einseitige wirtschaftliche Sichtweise, der gesundheitliche Aspekt wird nicht berücksichtigt, und das sage ich nicht nur in meiner Funktion als Bundesrätin, sondern auch in meiner Funktion als Physiotherapeutin. Ich habe während meiner Ausbildung ein Praktikum auf der Pulmologie gemacht und einige Lungenkarzinom-Patienten behandelt. Ich kann nur sagen: Das sind schreckliche Schicksale.
Für mich gilt: Prävention ist das Schlagwort und der Ansatz. Die Gesundheit ist unser höchstes Gut. – Danke. (Beifall bei ÖVP und SPÖ sowie des Bundesrates Schmittner.)
15.58
HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite