BundesratStenographisches Protokoll854. Sitzung / Seite 35

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

all einen Teil des Kuchens bekommen. Da sieht man, dass man, wenn man es richtig macht und öffentliche Investitionen mit privaten Unternehmen und Sektoren verknüpft, tatsächlich massive Wohlstandseffekte generieren kann.

Wichtig ist uns aber auch, dass wir generell ein Umfeld schaffen, das Investitionen er­möglicht – auch auf der privaten Seite, ich habe es betont. Da haben wir eine Zielgrup­pe ganz besonders im Auge, das sind Start-up-Unternehmen und Neugründungen, die ich für besonders wichtig halte, weil da eine Dynamik entsteht, bei der es um die Frage geht, welche wettbewerbsfähigen Unternehmen wir in Zukunft haben. Diese muss man fördern, denen muss man den Rücken stärken, da wird es auch viele positive Jobent­wicklungen geben. Eines ist aber auch klar: Dort haben wir natürlich ein ganz spezifi­sches Thema, mit dem wir uns auseinanderzusetzen haben – das trifft wieder den Ar­beitsmarkt –, das ist die zunehmende Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen. Das ist etwas, was wir naturgemäß so nicht akzeptieren können, weil die langfristigen Auswir­kungen im sozialen Bereich, wenn jemand permanent in die unfreiwillige Selbstständig­keit gedrängt wird – Pensionsversicherung et cetera –, natürlich erheblich sein werden. Damit müssen wir uns auseinandersetzen.

Wir werden das in einer Art und Weise tun, die möglichst viele Interessengruppen um­schließt. Das betrifft natürlich die Länder in einem ganz besonderen Maß – da sind Sie hier die hervorragendsten Vertreter –, das betrifft aber auch die Oppositionsparteien, wir haben gesagt, diese wollen wir intensiv in diesen Dialog mit einbeziehen, und das wird natürlich auch die Sozialpartner betreffen, die da ja eine Vielzahl von Vorschlägen und Konzepten entwickelt haben. Das ist mir auch deshalb wichtig, weil wir in diesem Land mit Sicherheit nur dann vorankommen können, wenn wir gemeinsam versuchen, Probleme zu lösen, und nicht gegeneinander arbeiten. Wenn man gegeneinander ar­beitet, ist man relativ bald dort, wo unsere französischen Kollegen in diesen Tagen an­gekommen sind.

Neben Arbeitsmarkt und Wirtschaft ist das zweite große Thema Bürokratie, Verwal­tung, Deregulierung, wenn man so will, im weitesten Sinne. Wir haben in diesem Be­reich, glaube ich, viele Möglichkeiten, vor der eigenen Haustür zu kehren, insbesonde­re auch was die Bundesverwaltung betrifft. Ich habe das Beispiel mit Schönbrunn zi­tiert. Das ist an sich eine Erfolgsgeschichte, aber wenn man sich dann ansieht, wie das geführt wird, gibt es doch einige Fragezeichen. Sie wissen, das Finanzministerium ver­waltet die Beteiligung, Kollege Mitterlehner mit dem Wirtschaftsministerium die Gebäu­de, Kollege Rupprechter ist für die Gärten zuständig; und ich habe mit größtem Erstau­nen festgestellt, dass die Wagenburg zum Bundeskanzleramt ressortiert. (Allgemeine Heiterkeit.) Ich würde meinen, da haben wir die Möglichkeit, sozusagen einige Verein­fachungen herbeizuführen – und das ist wahrlich nicht das einzige Beispiel.

Wir sind etwa auch übereingekommen, uns mit der Gewerbeordnung zu beschäftigen und uns auch mit der Frage der Registrierkassenpflicht für Feuerwehrfeste und ge­meinnützige Vereine zu beschäftigen, wo es möglicherweise noch Spielräume gibt, das eine oder andere Ärgernis aus der Welt zu schaffen, und Effizienzsteigerungen in vie­len anderen Bereichen, etwa bei den Sozialversicherungen, auch noch ins Auge zu fas­sen.

Bildung – das dritte Thema, ganz wichtig, das brauche ich Ihnen nicht zu schildern –: Ohne Investitionen in diesem Bereich werden wir unsere Zukunft verspielen. Da geht es natürlich um die Frage unserer mittelfristigen Wohlstandsentwicklung, da geht es aber auch wieder um Gerechtigkeit und Chancengleichheit, weil wir nicht akzeptieren kön­nen, dass Kinder aufgrund ihres Vornamens, des Zufalls, in welchem Bezirk sie gebo­ren wurden, oder des Umstandes, ob ihre Eltern bereit sind, sie zu fördern, die Chance haben, in unserer Gesellschaft etwas zu erreichen, oder nicht.

 


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite