Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was heißt das? – Das heißt, dass diese Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher, das kann man aber natürlich auch auf ganz Österreich beziehen, aufstocken, weil sie mit dem, was sie verdienen, und dem, was ihnen zur Verfügung steht, gar nicht die Möglichkeit haben auszukommen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich glaube schon, dass es gut wäre, wenn wir hier nicht Folgendes tun würden: nach unten treten und dann nach oben hin, beim Lohn- und Sozialdumping, da, wo es um die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geht, die Augen zumachen und wegschauen.
Ich sage nur eines dazu: Die EZB gibt bekannt, dass jährlich 100 000 Milliarden € in irgendwelchen Steueroasen flöten gehen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich will mir gar nicht vorstellen, was 100 000 Milliarden € an Infrastrukturmöglichkeiten in Europa bieten würden. Ich will mir gar nicht vorstellen, was 100 000 Milliarden € an Steuern, die dort irgendwo verschwinden, für die Sozialsysteme bedeuten würden. (Zwischenruf der Bundesrätin Mühlwerth.) – Dafür sage ich es auch. Auch da haben wir Handlungsbedarf. (Neuerlicher Zwischenruf der Bundesrätin Mühlwerth.) Ich glaube, dass die Bundesregierung mit dem Finanzminister da einen Handlungsbedarf hat.
Man kann auf der anderen Seite nicht nur sagen, dass wir denen, die unten sind, den Mindestsicherungsbezieherinnen und -beziehern, die nichts besitzen dürfen – kein Barvermögen, keine Sparbücher, kein Auto –, die gar nichts haben dürfen, auch noch alles wegnehmen und sie an den Rand der Gesellschaft drängen. (Beifall bei SPÖ und Grünen.)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte meine Ausführungen jetzt nur noch untermauern: Ich war letzte Woche dienstlich in Spanien. Das hört sich schön an – schönes Land, warm, wenn die Sonne scheint. (Bundesrat Mayer: Costa del Sol?) – Nein, dort war ich nicht, sondern auf einer kleinen Insel. (Zwischenruf bei den Grünen.) Die Arbeitslosenrate in Spanien … (Ruf bei der FPÖ: Warst du mit dem Strache auf Ibiza?) – Nein, mit Strache war ich nicht auf Ibiza. (Allgemeine Heiterkeit.) Das fällt mir gar nicht ein, da brauchst du dir keine Sorgen zu machen, Gerhard.
Was ich damit sagen will, ist, dass mich das schon sehr nachdenklich stimmt, wenn man dort mit Jugendlichen spricht, die eine Möglichkeit suchen, eine Ausbildung zu machen. Spanien hat eine Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen zwischen 18 und 25 Jahren von sage und schreibe fast 40 Prozent, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Das ist nicht irgendwo im Pazifik oder irgendwo weit weg, sondern in Europa, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, dass wir genau dorthin schauen sollen, nämlich auf diese Beispiele – das ist nur ein Beispiel aus Spanien –, dass wir danach trachten müssen, den Jugendlichen auch Perspektiven zu bieten.
Das haben meine Vorredner auch schon gesagt: Wenn es um Bestbieterprinzipien geht, sollten wir uns nicht immer nur anschauen, wo es billiger ist, wo man die günstigste Möglichkeit hat – natürlich, Geiz ist geil –, sondern wir sollten ganz klare Regeln aufstellen. Diese Möglichkeit haben wir, die haben wir da alle. Man kann das Bestbieterprinzip hernehmen, ganz klare Kriterien vorgeben und sagen: Erfüllst du diese und jene Vorgaben wie Lehrlingsausbildung und alles, was dazugehört, dann bist du dabei. Erfüllst du das nicht, dann bekommst du anhand eines Punktekatalogs einfach diese Punkte nicht und kommst vielleicht nicht zum Zug.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, es liegt an uns, da nicht nach unten zu treten und die Mindestsicherungsbezieher schlecht zu machen und zu diffamieren. (Zwischenruf der Bundesrätin Mühlwerth.) Es liegt an uns, liebe Kolleginnen und Kollegen, hier ein Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz zu beschließen und dies nicht in weiterer Folge zu beschneiden. Diese Regelungen, so gut wir sie im Gesetz verankert haben, gehören dann auch kontrolliert und überprüft.
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