BundesratStenographisches Protokoll854. Sitzung / Seite 109

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

schicht“, „19 Cent in Deutschland: Milchkrise spitzt sich zu“, „Milchwirtschaft in der Kri­se“. – Auch Bio-Milch ist unter Druck, vom Schweinepreis rede ich ja gar nicht.

Jetzt schauen wir uns einmal die Entwicklung der letzten Jahre an. Ich hätte gerne über den Wein gesprochen, das ist das positive Beispiel, das funktioniert, aber die Land­wirtschaft im Milchbereich ist wirklich ein Sorgenkind, das zeigen die Zahlen und Fak­ten. Erzeugerpreis pro Kilo Milch: Da hatten wir im Jahr 1980 27 Cent pro Kilo, im Jahr 1993, vor dem EU-Beitritt, 42 Cent. Dann kam der EU-Beitritt: Absturz auf 27 Cent. Der Milchpreis ist 2007/08 auf 39 Cent geklettert, dann ist er, nach einem Absturz auf 29 Cent, wieder auf 40 Cent geklettert, und jetzt sind wir sozusagen wieder voll in der Krise.

Wie hat sich die Milchlieferung in Österreich entwickelt? – 1980 hatten wir 2,24 Millio­nen Tonnen, 1995 war mit etwa 2,29 Millionen Tonnen gleich, und 2015 3,10 Millionen Tonnen. – Das ist eine Steigerung von 39,5 Prozent. Wenn wir uns dagegen die Ent­wicklung bei den Milchbauern anschauen: Wir hatten 1980 134 000 Milchbauern, 1995 hatten wir 84 000 Milchbauern, jetzt sind es 30 000 Milchbauern. Das heißt, von 1980 bis 2015 gab es einen Rückbau, Rückfall, einen Absturz von 77 Prozent der Milchbau­ernbetriebe in Österreich. Das ist dramatisch. Das ist nicht so zum Lachen, Herr Kol­lege Mayer! (Bundesrat Mayer: Ich habe nichts gesagt!) – Du hast ziemlich höhnisch gegrinst, das möchte ich schon festhalten. (Bundesrat Mayer: Ich habe jetzt gar nicht gelacht!)

Zu den Milchkühen: 1980 hat es 974 000 Kühe gegeben, 1995 638 000 und 2015 529 000. – Das ist ein Rückgang von 17 Prozent.

Wenn man diese Zahlen ein bisschen Revue passieren lässt, dann sieht man, dass quasi ein Tier, eine Milchkuh, zu einer Hochleistungstankstelle degradiert wurde. Das heißt, man erhöht die Mengen zulasten der Tierqualität. Der Industriebauer ist der, der ein Tier sozusagen als technisches Gerät irgendwo stehen hat, das sozusagen Nutzen bringen soll. – 6 000 Kilo Milch pro Kuh, in Deutschland sind es circa 12 000 Kilo.

Was auch noch interessant ist, ein aktueller Bericht: Gestern war Tag der Milch. Das ist ja sowieso betrüblich, ein schwarzer Tag, kein weißer Tag, würde ich einmal behaup­ten. Österreich exportiert Milchprodukte im Wert von 1,16 Milliarden und importiert im Wert von 697 Millionen. Was aber schon erstaunlich ist: Im Buttersektor dominieren al­lerdings die Einfuhren, da vor allem die Lebensmittelketten und die verarbeitende In­dustrie sehr viel importieren. Das heißt, wir haben in Österreich einen Milchsee und gleichzeitig importieren wir Butter. (Bundesrat Todt: Irische Butter!) Diese Marktme­chanismen sind ja wirklich unglaublich.

Die Produktionskapazität Europas ist vielleicht auch noch interessant. Die ersten zwei Monate 2016: Rohmilch plus 7,4 Prozent, Butter plus 10,1 Prozent, Vollmilchpulver plus 22 Prozent, Trinkmilch 0,7 Prozent, 4,8 Prozent Käse.

Jetzt komme ich zu einer Entwicklung, wie die Leistungskuh sozusagen funktioniert, zu einem Bericht aus der „Süddeutschen Zeitung“, und da muss es ja jedem Menschen, der Respekt vor einem Tier hat, und jedem redlichen Bauern den Magen umdrehen. Es ist nämlich so, dass aufgrund der Preissituation Sojafutter schon zu teuer ist, deshalb mischt man jetzt Harnstoffe bei. Das heißt, in Deutschland gibt es Futtermittel, mit de­nen man die Milchproduktion noch einmal um 2 000 Kilo pro Jahr pro Kuh erhöht, in­dem man diese Hochleistungstankstellen sozusagen mit Harnstoff füttert.

Wie weit haben wir es denn gebracht? Das muss man jedem Konsumenten sagen, und da muss man unsere Bauern vor diesem schrecklichen Wettbewerb zulasten der Tiere schützen. Das ist eine Diskussion, die auch zu führen ist: Wir müssen einerseits den Konsumenten, andererseits den Handel und letztendlich auch den Bauern auf diesem


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite