BundesratStenographisches Protokoll855. Sitzung / Seite 14

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Das sind: Wachstum braucht Fachkräfte, Wachstum braucht weniger Bürokratie und Wachstum braucht Anreize. Ich bin überzeugt davon, dass wir für die Lösung dieser Fragen keine Nobelpreisträger sein müssen, sondern dass wir den Mut haben müssen, die Themen anzugehen und sie auch umzusetzen.

Wachstum braucht Fachkräfte: Unser Wachstumspotenzial wird ganz wesentlich von unserem Fachkräftepotenzial bestimmt. Entscheidend bleibt dabei, wie wir die Talente unseres Landes fördern. Und denken wir nur zurück: Wir hatten voriges Jahr einen Zukunftskongress des Bundesrates in St. Pölten, wo wir ganz einfach herausgearbeitet haben: Was können wir tun, um unsere Jugend, unsere zukünftigen Fachkräfte zu unterstützen? Wir haben einen Entschließungsantrag gemacht, um Berufsorientierung verstärkt in unsere Schulen zu bringen. Wir haben dazu einen gemeinsamen Ent­schließungsantrag gemacht, und das hat auch zur Folge gehabt, dass wir derzeit schon in der Pädagogischen Hochschule in Mödling eine Ausbildung, einen Master-Lehrgang für Berufsorientierung für unsere Lehrerinnen und Lehrer haben, weil es ganz wichtig ist, hier wirklich eine fachlich gut fundierte Ausbildung zu bekommen, damit unsere Kinder das bekommen, was sie auch brauchen. Ich freue mich darüber, weil auch das Interesse unserer Lehrer dafür sehr stark ist.

Wir müssen ganz einfach die Talente unserer Jugend heben. Die Talente unserer Jugend sind wichtig für unsere weitere Entwicklung, wir können daher nicht auf die Talente unserer Jugend verzichten. Es ist ganz gleich, welche Schiene jemand einschlägt, ob es die praktische Ausbildung ist, wie der Lehrberuf, oder die akade­mische Ausbildung: Die Vielfalt des Bildungsangebotes und die Durchlässigkeit sind einfach wichtig. Meine sehr geschätzten Kolleginnen und Kollegen, wir brauchen Meister und Master, und das auf einem Niveau und auf Augenhöhe! (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Für uns von der Wirtschaft ist natürlich eine solide Lehrlingsausbildung besonders wichtig. Ich bin davon überzeugt – und ich sehe es auch –, dass nicht jeder für eine Lehrausbildung geeignet ist, weil die Lehre eine hochqualifizierte, herausfordernde Ausbildung ist. Auf der einen Seite reden wir jetzt über die Ausbildungspflicht bis 18 – ich bekenne mich dazu –, wir müssen aber gleichzeitig auch bedenken, dass die Ausbildungspflicht nicht gleichbedeutend damit ist, dass jeder eine Lehre machen kann. Wir müssen für jeden die Möglichkeit schaffen, eine seinem Potenzial ent­sprechende Ausbildung zu machen. Diese Grundsätze sind, denke ich, auch wichtig, wenn wir über die Integration der Asylberechtigten nachdenken.

Unser Bildungssystem hat eine ganz wichtige und wesentliche Aufgabe, und zwar den Bildungshunger zu wecken, weil dieser ganz einfach die Voraussetzung für eine Bereitschaft zur Weiterbildung – lebensbegleitendes Lernen – ist. Und gerade in der Zeit der Digitalisierung und der raschen Veränderung, die stattfindet, ist es wichtig, dass unsere Menschen immer am Puls der Ausbildung sind. Genau das ist wichtig! Und wir müssen auch schauen, dass wir sie länger in unserem Arbeitsprozess haben.

Manches Mal denke ich mir, dass wir da ein bisschen in die Gegenrichtung gehen. Wir müssen hinterfragen: Ist es nicht so, dass wir manches Mal unsere Jugend in der Ausbildung mit – ich sage es jetzt ganz einfach direkt – unnützem Wissen belasten? Ich habe am Wochenende die Gelegenheit gehabt, bei einer Veranstaltung den Philosophen Richard David Precht und seine Ansätze zu den Bildungsthemen zu hören, und ich muss sagen, da war schon sehr, sehr viel drinnen. Ich würde mich freuen, wenn die eine oder andere Anregung, die er da gemacht hat, auch bei uns in den Schulen Eingang fände.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wachstum braucht weniger Bürokratie. Das ist gerade mir als Unternehmerin ein ganz wichtiges Anliegen. Wir reden ja sehr viel


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