BundesratStenographisches Protokoll855. Sitzung / Seite 63

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Bericht, sehr viel Positives, auch viel durchaus Kritisches, was ja auch der Herr Vize­kanzler in seinem Vorwort anmerkt. Die Probleme, die er aufzeigt, sind: das Problem Russland, das Problem der zurückgehenden Investitionsbereitschaft. Die Bereitschaft wäre vielleicht schon da, aber die Investitionskraft ist aufgrund der Ertragslage nicht unbedingt einfach im Tourismus.

Bürokratieabbau: Wenn wir gerade jetzt eine Bürokratieabbaumaßnahme im Detail beschlossen haben, dann ist es auch gerade im Bereich Tourismus, Gastronomie notwendig, die Bürokratie zu entrümpeln, den Tourismus und auch die Gastronomie tatsächlich – um einen sehr bekannten ÖVP-Politiker zu zitieren – zu entfesseln.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist im Tourismus sicher auch nicht ganz einfach.

Daher: Danke für den Bericht! Ich danke den vielen Unternehmerinnen und Unter­nehmern, den Mitarbeitern, vor allem den Familienbetrieben, die ja der Leistungsträger im österreichischen Tourismus sind.

Ich möchte nun anhand einiger Zahlen diese touristische Materie Österreich etwas detaillierter beleuchten:

Erstens hat der Tourismus mit einer Wertschöpfung von 36,5 Milliarden € einen Kraft­faktor Österreichs sozusagen, was den Wirtschaftsstandort anlangt. 30,13 Milliarden € sind tourismuscharakteristische Dienstleistungen, auf Beherbergung und Nächtigung fallen 29,4 Milliarden €, und 27,3 Prozent oder gerundet 10 Milliarden € fallen auf Restaurant- und Gaststättenumsätze. Da zeigt sich schon, wie wichtig der Faktor Gastronomie, der ja nicht vom Tourismus zu trennen ist, in diesem Gesamtwertschöp­fungsbereich ist.

Hochinteressant ist, dass auch der Personentransport im Tourismus einen Wertschöp­fungsanteil von 15,9 Prozent hat, das sind immerhin 5,8 Milliarden €. Das splittet sich wie folgt auf: gerundet 1,1 Milliarden € Wertschöpfung aus dem Bahnverkehr, Straßen­verkehr 600 Millionen € – das werden in erster Linie wohl Treibstoff und Mauten sein, die in Österreich bezahlt werden –, Wasserverkehr 46 Millionen € und der Flugverkehr mit 3,756 Milliarden €.

Es ist aber auch so, dass der Tourismus verwandte Wertschöpfungsketten in großer Höhe zusätzlich befruchtet: Waren 2,9 Milliarden €, Dienstleistungen 3,2 Milliarden € und Handelsspannen von 281 Millionen €. Das heißt, dass diese 36,5 Milliarden € ein enormer Wirtschafts- und Arbeitsmarkt und Steuerleistungsbeitrag in der Republik Österreich sind.

Im Detail zu den Zahlen: Wie entwickelt sich der Tourismus? – Man muss festhalten, dass Indikatoren wie Nächtigungszahlen in den letzten zwei Jahren sehr erfolgreich waren, dass es Rekordzahlen gegeben hat. Man muss aber auch die Probleme sehen. Ich meine, dass wir das, was stark und gut ist, zu beleuchten haben und verstärken und ausbauen sollten, wir müssen aber auch die Vergleichbarkeit, die Leistungs­fähigkeit der Ertragssituation hinterfragen.

Wenn wir zum Beispiel den realen Aufwand je Übernachtung in den Jahren 2000 bis 2015 vergleichen, dann sehen wir, dass wir in Österreich einen Höhepunkt im Jahr 2006 mit 184,4 € pro Nächtigung hatten, dann aber einen Tiefpunkt im Jahr 2014, der im Jahr 2015 leicht auf 159 € gestiegen ist. Das heißt, das ist ein Rückgang von 25,4 € oder 13,77 Prozent.

Dem muss man gegenüberstellen, was sich in dieser Zeit, in diesen zehn Jahren, ver­ändert hat: die Warenbeschaffung, die Energiekosten, die Personalkosten, die Wett­bewerbssituation. Zudem hat der Onlinemarkt massiv zugenommen, und damit hat die Ertragssituation im Tourismus einen neuen Kostenfaktor. Nicht online sein heißt nicht


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