mehr am Markt sein. Online sein bedeutet aber, man hat bis zu 30 Prozent Provisionen zu zahlen, was letztendlich vielen Betrieben vom Deckungsbeitrag abgeht. Das heißt, man ist zwar im Markt, aber die Wettbewerbssituation im Onlinetourismus ist eine äußerst scharfe. Das trägt auch dazu bei, dass eben die Kostenstrukturen im Tourismus nicht einfach sind.
Genauso auch die Aufenthaltsdauer: Kürzere Aufenthaltszeiten bedeuten schnelleren Bettenwechsel, und das bedeutet natürlich auch wesentlich mehr Aufwand. Demgegenüber steht aber, wie wir feststellen müssen, ein geringerer Ertrag pro Nacht.
Man muss sich auch die Einnahmen, Marktanteile im internationalen europäischen Tourismus anschauen. Wir hatten einen Höhepunkt im Jahr 2009 mit 6,35 Prozent, gerechnet im Vergleich der EU-15, und hatten im Jahr 2015 5,8 Prozent. Das schaut mit minus 0,55 Prozent ja nicht dramatisch aus, aber in Prozenten vom Gesamten gerechnet ist es ein Minus von 8,66 Prozent. Das heißt, Österreich hat am internationalen Tourismuskuchen – trotz positiver Zahlen in den letzten zwei Jahren – im Gesamtmarktvergleich verloren.
Österreichischer Nächtigungsmarktanteil am internationalen europäischen Tourismus: Da hatten wir zum Beispiel im Jahr 2009 einen Anteil von 8,51 Prozent, im Jahr 2015 von 7,11 Prozent. Wieder nur 1,4 Prozentpunkte, aber in Summe sind es 16,45 Prozent, die wir – in sechs Jahren Nächtigungsmarktanteil – auch am europäischen Markt verloren haben.
Das ist jetzt keine Schwarzmalerei, ich will einfach die Zahlen ausleuchten und hinterfragen, was man insgesamt tun kann, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit im Tourismus wieder alten Erfolgszahlen annähert. Das muss unser gemeinsames Ziel sein.
Marktanteilsgewinner im internationalen Tourismus: die USA, Japan, China, Mexiko, Großbritannien, Neuseeland, Indien, Island. Island wird jetzt nach dieser Fußball-Europameisterschaft wahrscheinlich noch mehr zulegen, denn jetzt wissen ja alle, wo dieses kleine Wikingerland, dieses erfolgreiche Fußballland liegt.
Tourismus in Österreich: Die Nächtigungen beziehungsweise die Statistik der Aufenthaltsdauer, das ist ein Problem, das der Tourismus hat, wobei man sagen muss, wir sind am Pauschalreisemarkt, so wie sich uns die Zahlen darstellen, nicht wirklich wettbewerbsfähig, warum auch immer. Natürlich heißt mit dem Auto auf Urlaub fahren flexibler sein, mehr Kurzurlaube machen, aber in Summe ist die Aufenthaltsdauer von vier Tagen im Jahr 2006 auf 3,4 Tage im Jahr 2015 gesunken, was wieder eine Rücknahme der Aufenthaltsdauer von 15 Prozent bedeutet.
Die Situation am Arbeitsmarkt ist erstaunlich. Wir haben zirka 44 000 oder 3 157 mehr Arbeitslose im Tourismus, dem stehen aber 4 390 offene Stellen gegenüber. Da ist die Schellhorn-Story – wenn ich das so sagen darf – doch auch bezeichnend, der erzählt hat, dass es ein Mitarbeiter im Tourismus vorzieht, der Mindestsicherung in Wien mit seiner Familie nachzuwandern, anstatt in Salzburg bei einem sehr renommierten Touristiker zu arbeiten. Das ist natürlich schon auch eine Arbeitsmarktpolitik oder eine politische Maßnahme, die nicht wirklich erfreulich ist: dass jemand, der einen Arbeitsplatz hat, der bei Schellhorn auch einen Integrationsarbeitsplatz hat, lieber der Mindestsicherung nachfährt und die Hängematte in Wien sucht, anstatt in Salzburg einer touristischen Arbeit nachzugehen.
Lehrlinge und Tourismus: 9 075 Lehrlinge gab es im Jahr 2014, im Jahr 2015 um 571 weniger, das heißt, der Arbeitsplatz, der Lehrplatz im Tourismus ist im Gegensatz von vor 20 Jahren nicht mehr so attraktiv. Damals war er noch hoch attraktiv, da war eine Karriere als Koch oder Kellner noch erstrebenswert, verbunden mit gutem Verdienst,
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