Beispiel. In der Getreidegasse kann man etwa kein zweites Stockwerk einziehen; das betrifft auch den 1. Bezirk in Wien. Wenn in der Vier-, Fünfsternekategorie tatsächlich alles gebaut wird, wofür es Kapazitäten gibt, wird es eng werden im 1. Bezirk, und das wird es auch jetzt schon teilweise. Wenn man dann ein Stadium erreicht, in dem der Tourist den Touristen stört, dann ist das eine Situation, mit der umzugehen ist. Das ist eine Wachstumsgrenze. Venedig laboriert schon lange an dieser Wachstumsgrenze, und es kann keine Lösung sein, unsere Städte in Potemkinsche Dörfer oder Disneylands zu verwandeln. Das hilft dem Tourismus nicht wirklich weiter.
Zu den Investitionen: Im Bericht wird angemerkt, dass der Niedrigzins bei den Betrieben noch nicht wirklich angekommen ist; die durchschnittliche Zinsbelastung ist trotz intensiver Bemühungen gerade auch der Tourismusbank, die ja auch Haftungen übernimmt, eigentlich noch immer relativ hoch. Derzeit kooperieren nur drei Bundesländer entsprechend, und das ist ein Punkt, den man ansprechen sollte: In manchen Bereichen besteht nach wie vor zu viel Kirchturmdenken und zu wenig Kooperation. Gerade der weiter entfernt lebende Gast differenziert nicht zwischen Tirol, Kärnten und so weiter. Die Kooperation könnte da noch wesentlich besser sein, und das gilt auch für die Ausarbeitung von Richtlinien, nach denen gefördert wird.
Trotz des blinkenden Lichts auf dem Rednerpult noch ein paar Worte zum Arbeitsmarkt: Das ist ein ganz wesentlicher Bereich, der in Zukunft über Erfolg und Misserfolg entscheiden wird. Der Tourismus ist eine Niedriglohnbranche. Das stellt Länder wie Salzburg vor große Probleme, weil dort die Lebenshaltungskosten sehr hoch sind und sich sehr viele Beschäftigte mit dem, was sie verdienen, das Leben schlicht und einfach nicht leisten können. Das bedeutet, dass die Mindestsicherung auch an Beschäftigte dieser Branche fließt, und zwar gar nicht wenig. Es gibt einen enormen Druck auf die Beschäftigten im Tourismus, Lohndruck und auch was das Arbeitsausmaß und so weiter betrifft. Es ist die Frage, wie wir mit Dienstleistungen und dem Dienstleistungsbereich insgesamt wirklich umgehen wollen, ohne Ausbeutung und ähnliche Entwicklungen.
Wir haben in der Branche zwar einen hohen Frauenanteil, einen hohen Ausländeranteil, aber wir müssen uns vorstellen, dass weniger als die Hälfte – weniger als die Hälfte! – übers Jahr hinweg durchgehend beschäftigt sind. Es gibt überhaupt nur ein Viertel ganzjährig Kernbeschäftigte. Ein Viertel! Die anderen sind nur saisonal kernbeschäftigt. Was heißt das für die vielen Menschen, die in dieser Branche arbeiten, sozial, für die Lebensplanung und -gestaltung und so weiter? Das sind sehr gravierende Zahlen und Ziffern.
Die Lehre wurde schon angesprochen. Etwas, das auch im Bericht drinnen ist, möchte ich aber noch ganz positiv hervorheben: die EXPO 2015 in Mailand, bei der im Österreich-Pavillon das Lebensmittel Luft präsentiert wurde. Die Bundesforste wurden schon angesprochen, und dort wurde ein österreichischer Wald gepflanzt und präsentiert, was zur Folge hatte, dass es der einzige Pavillon ohne Klimaanlage war, in dem die Temperatur trotzdem 5 Grad unter jener der Umgebung lag. Es war ein energieneutraler Pavillon mit Solarpanelen und so weiter. Er hat auch Preise gewonnen. 2,4 Millionen Besucher haben ihn gesehen, und ich denke, es war eine großartige Präsentation eines ökologischen, nachhaltigen, besuchenswerten Österreich. Das wollte ich hier auf alle Fälle noch einmal erwähnen.
Der österreichische Tourismus ist international gut vernetzt und bringt seine Expertise ausgezeichnet international in verschiedensten Gremien ein; auch das ist äußerst positiv.
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