BundesratStenographisches Protokoll855. Sitzung / Seite 78

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Auch die Beschneiung ist bei Weitem nicht ein so großer Energieverbrauchsfaktor, wie das andere Bereiche sind: Sie ist ein umweltfreundlicher Faktor, denn wir haben Trinkwasserqualität. Wenn man den Stromverbrauch mit dem eines mittleren Industrie­betriebs mit zirka 4 000 bis 5 000 Beschäftigten vergleicht, dann ist der in etwa gleich hoch. Der Stromverbrauch der gesamten Beschneiung in Tirol lässt sich auch mit dem einer Stadt von rund 10 000 Einwohnern vergleichen. Was man damit an Wertschöp­fung auslöst, das steht dazu natürlich in keiner Relation, deswegen ist es sehr, sehr wichtig, den Wintertourismus weiter auszubauen. Die österreichischen Seilbahnen erwirtschaften allerdings auch im Sommer 10 Prozent ihres Ertrags.

Ich bin natürlich jemand, der die Nationalpark- und auch die Natura-2000-Entwicklung touristisch positiv bewertet. Man muss sich aber von einer Legende verabschieden, und das ist zwischenzeitlich auch österreichweit bestätigt: Den sogenannten sanften Tourismus gibt es nicht, der ist nämlich so sanft, dass er jenseits der wirtschaftlichen Wahrnehmungsschwelle liegt. Es gibt nur einen umfassenden Qualitätstourismus (Zwischenruf der Bundesrätin Schreyer), in dem natürlich auch die Natur, liebe Kollegin Mag. Schreyer, eine ganz wichtige Rolle spielt.

Wenn wir uns den Nationalpark Hohe Tauern anschauen, dann sehen wir, dass es da drei Bundesländer gibt; er ist bundesländerübergreifend. Dort machen wir die Erfah­rung, dass wir im Sommer innerhalb des Schutzgebiets mit großen Nächtigungsrück­gängen zu kämpfen haben. Das hat mit den Widersprüchen zu tun, wahrscheinlich auch mit unserem eigenen Freizeitverhalten: Jede und jeder von uns fährt gerne in unberührte Naturlandschaften und möchte dort seinen/ihren Urlaub verbringen. Das sagen auch Freizeitforscher wie zum Beispiel Opaschowski oder andere. Über 80 Prozent wünschen sich unverbrauchte Natur. Wer ist jedoch wirklich bereit, in ein Schutzgebiet zu fahren, in dem es keinen Komfort, keine Aufstiegshilfen gibt, was ich ja unter dem Aspekt des Schutzgedankens noch verstehen kann? Man könnte aber auch eine Besucherstromlenkung durch Bergbahnen außerhalb der Schutzgebiete anbieten.

Ich habe mir weltweit schon ein paar Nationalparks angesehen, nicht nur in Europa, sondern auch in Übersee. Dort wird ein Nationalpark als umfassendes Produkt ver­kauft, in dem auch Leistungen angeboten werden. Wenn man diesen 82 Prozent der Gäste, die sich unverbrauchte, unberührte Natur wünschen, jene 4 Prozent der Gäste gegenüberstellt, die wirklich bereit sind, sich den körperlichen Strapazen eines Berg­steigerurlaubs, also einer Wanderung von Schutzhütte zu Schutzhütte oder klassi­schem Bergsteigen, auszusetzen, dann liegt darin ein gewisser Widerspruch, den wir auflösen müssen. Deswegen ist es sinnvoll, wenn es Werbekooperationen gibt, wenn es auch in Österreich Bemühungen gibt, den Marketingauftritt der Nationalparks, der Schutzgebiete zu verbessern.

Wir haben die Erfahrung gemacht, und die ist in Kärnten genau gleich wie in Salzburg oder bei uns in Osttirol: Dort, wo wir die Skigebiete außerhalb des Nationalparks aus­ge­baut haben, gibt es eine positive Nächtigungsentwicklung im Sinne eines funktionsfähigen Ganzjahrestourismus. Wenn wir jedoch nur auf den naturnahen Sommertourismus angewiesen wären, dann hätten wir beispielsweis auch, liebe Kollegin Doktorin Reiter, in den Pinzgauer Tälern Rückgänge von bis zu 70 Prozent, die einfach mit den Einschränkungen durch den Nationalpark zu tun haben. Diese sind im Sinne des Naturschutzes sicherlich sinnvoll, aber sie beleben den Tourismus nicht. Man muss beispielsweise einen siebenstündigen Anstieg zur Hütte auf sich nehmen, um vielleicht von Uttendorf oder, egal, von Neukirchen Richtung Großvenediger auf eine Schutzhütte zu gelangen. Das müssen wir alles miteinbeziehen, wenn wir über Tourismus sprechen.

 


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