BundesratStenographisches Protokoll856. Sitzung / Seite 39

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auf den alten EU-Klimazielen, die Klimaerwärmung auf höchstens 2 Grad Celsius zu beschränken, während das Übereinkommen von Paris einen Stopp bei einer Erwär­mung von 1,5°Grad Celsius vorsieht. Es stellt sich allerdings ohnedies die Frage, ob die EU aufgrund der gelebten Philosophie des Wirtschaftens – so ist etwa der freie Wa­renverkehr unantastbar – dazu imstande ist, Klimaschutzweltmeister zu werden.

Die Fragen, die sich in diesem Zusammenhang aufdrängen, lauten: Müsste im Sinne des Umwelt- und des Klimaschutzes nicht nachhaltiges, ressourcenschonendes Wirt­schaften die oberste Prämisse darstellen und zum Beispiel das Herumführen von Wa­ren in ganz Europa obsolet machen? Müssten nicht eigentlich Verträge wie TTIP oder CETA zuallererst auf ihre Klimaschutztauglichkeit überprüft werden?

Wirtschaft wäre, nimmt man Umwelt- und Klimaschutz wirklich ernst, in vielen Berei­chen radikal anders zu sehen, und damit ist nicht bloß der Ausbau der Produktion so­wie des Betriebs von Sonnenkollektoren, Elektroautos und Windrädern gemeint.

Im Umweltausschuss hat meine Kollegin Blatnik in die Runde hinein gefragt, ob man den Menschen nicht gerade aufgrund dessen, dass in Zukunft wohl nicht alle Klima­ziele umsetzbar sind, erklären kann, wie und was man dazu beitragen kann. Mallnitz, eine Nationalparkgemeinde in den Hohen Tauern, deren Bürgermeister ich bin, ist schon lange Mitglied beim Klima-Bündnis und versucht, das zu leben. Wir haben in Mallnitz die erste Klimaschule Österreichs gegründet, eröffnet von unserem damaligen Bundespräsidenten Fischer, und wir haben auch die erste Wasserschule Österreichs gegründet, in Zusammenarbeit mit Swarovski, die nicht nur in der Schule in Mallnitz in Kärnten, sondern weltweit agieren, um den Kindern und Erwachsenen zu erklären, was die Ressource Wasser, dieser wertvolle Rohstoff, für uns im Leben bedeutet.

Ich glaube, dass wir uns in Österreich oft über die Qualität und über die Verfügbarkeit des Wassers keine Gedanken machen. Ganz anders ist die Situation ja, wie wir wis­sen, weltweit. Von 7,4 Milliarden Menschen haben 783 Millionen keinen Zugang zu sau­berem Trinkwasser.

Wer weiß denn schon, wenn wir vom blauen Planeten reden, dass von dem Wasser­massen auf der Erde rund 97,5 Prozent Salzwasser sind und nur 2,5 Prozent Süßwas­ser, und davon sind noch zwei Drittel im Polareis gebunden. Die Ressource Wasser wird also in Zukunft eine wesentliche Rolle in unserem Leben spielen, und wir alle wis­sen, dass es Kriege auf dieser Welt schon wegen kleinerer Dinge gegeben hat.

Ich habe da noch einen Bericht über Österreich, und darüber müssen wir uns, glaube ich, auch Gedanken machen. Wir müssen feststellen, dass jeden Tag Flächen in einer Größenordnung von 31 Fußballfeldern verbaut werden. Unser Land ist mittlerweile Eu­ropameister im Zubetonieren und Zerstören von fruchtbaren Böden, und schon jetzt gibt es nicht mehr genügend Äcker, um alle Bürger im Notfall mit Lebensmitteln zu ver­sorgen. Auch darüber müssen wir uns Gedanken machen. Das alles sollte mit einflie­ßen, um Menschen darauf hinzuweisen oder auch zu schulen, in der Zukunft anders zu denken und anders zu handeln.

Dieses Abkommen ist nicht der Schlusspunkt der internationalen Klimabemühungen, sondern es ist erst der Beginn. Rechtlich verpflichtet der Vertrag zu keiner einzigen Tonne Emissionsreduktion, außer man ratifiziert ihn. Die Zusagen basieren auf Freiwil­ligkeit, Verweigerern drohen keine Konsequenzen. Ein Regierungswechsel in Amerika könnte zum Beispiel die Republikaner an die Macht bringen, diese haben zu diesem Thema überhaupt keine Einstellung. Amerika und China zusammen produzieren 40 Pro­zent des CO2-Ausstoßes – wenn die nicht dabei sind, haben wir ja so oder so schon das größte Problem.

Das heißt, die Kruste, die sich über der internationalen Klimapolitik gebildet hat, ist erst einmal aufgebrochen. Auftrieb und Optimismus sind im Grunde genommen wieder spür-


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