BundesratStenographisches Protokoll856. Sitzung / Seite 44

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weil nämlich die Auswirkungen des Klimawandels gerade in Österreich durch die Topo­grafie, vor allem im Alpenraum, besonders gravierend sind.

In den letzten 130 Jahren ist die Temperatur in Österreich um fast zwei Grad angestie­gen – also deutlich über dem Weltdurchschnitt –, davon ein Grad in den Jahren seit 1980, das ist doppelt so viel wie der Weltdurchschnitt. In den nächsten Jahren wird die Temperatur in Österreich weiter ansteigen, bis 2050 wird mit einem weiteren Anstieg von 1,4 Grad gerechnet. Und an diesem Wert können wir schon gar nicht mehr rütteln, weil die Treibhausgase, die jetzt schon in der Atmosphäre sind, sehr, sehr langlebig sind. Gerade deshalb müssen wir uns extrem darum bemühen, den Klimawandel in Österreich mehr und vehementer einzudämmen, denn das, was wir jetzt tun, entschei­det maßgeblich darüber, wie sich dieser Temperaturanstieg dann auch weiterentwickelt.

Die Auswirkungen sind österreichweit sehr unterschiedlich. Dass alle Gletscher in Ös­terreich deutlich an Fläche und Volumen verlieren, brauche ich nicht mehr zu sagen; ich denke, das weiß mittlerweile jedes Schulkind. Die Niederschläge werden in den jetzt schon sehr trockenen Regionen in Ostösterreich noch weiter abnehmen, da wird ganz besonders unter der Trockenheit gelitten werden. Im Gebirge gibt es mehr Nie­derschlag; in den letzten 150 Jahren hat es schon ein Plus von fast 15 Prozent gege­ben, und es wird auch weiterhin noch ansteigen. In Tirol, bei mir zu Hause, zum Bei­spiel, wird es mehr Niederschlag im Winter geben, allerdings mehr Niederschlag in Form von Regen und weniger in Form von Schnee. Es wird trockenere Sommer geben, Hitzewellen wie vergangenen Sommer oder im Sommer 2013 werden immer häufiger werden.

Die ganz großen Auswirkungen – ich bin jetzt schon bei dem Punkt, was das direkt für uns bedeutet – werden wir vor der Haustür spüren, zum Beispiel im Tourismus. Im Som­mer wird es immer weniger regnen und wärmer werden, der Sommertourismus wird vor allem im Alpenraum also deutlich an Bedeutung gewinnen. Es wird auch im Mittel­meerraum immer wärmer, die Alpen werden ein immer attraktiveres Sommerurlaubs­ziel.

Ganz anders schaut es natürlich beim Wintertourismus aus: Die Schneesicherheit sinkt, die Schneefallgrenze wird in niedrigen Lagen immer noch weiter steigen, die Dauer der Schneebedeckung wird sinken, und das Wettrüsten der Schneekanonen bei den Talabfahrten, die dann immer öfter nicht befahrbar sein werden, nützt dann auch nichts mehr. Das sind einfach die Punkte, wo wir jetzt schon ein Umdenken brauchen.

Es wird vermehrt Muren, Hangrutsche, Steinschlag geben, wie es sie gerade in der vergangenen Woche gab. Das verursacht höhere Kosten für Sicherheit und Infrastruk­tur – die Klimawandelanpassungskosten, von denen wir schon viel gehört haben.

In den Hochwasserschutz wird vermehrt investiert werden müssen. Die Retentionsflä­chen werden immer mehr an Bedeutung gewinnen und die Städte und Dörfer in Öster­reich immer öfter vor Überflutungen schützen müssen.

Bei uns in Tirol wird die Landwirtschaft aus der Klimaerwärmung vielleicht einige Vor­teile ziehen können, im Osten steht sie durch die Trockenheit aber vor einer riesigen Herausforderung, dort wird es für die Landwirtschaft durch den Klimawandel zu einer ganz gravierenden Verschlechterung kommen.

So, jetzt habe ich wirklich weit ausgeholt, aber das ist meiner Meinung nach einfach wichtig, um noch mehr auf die Dringlichkeit der Umsetzung zu pochen. Die Auswir­kungen des Klimawandels werden bei uns in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu spüren sein. Deswegen ist es auch so wichtig, dass der weitere Anstieg der Temperatur durch die Emission von Treibhausgasen unbedingt – und zwar so schnell wie möglich – eingedämmt wird.

 


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