len. Wir haben die Landeshaftungen, die schlagend geworden sind. Ein paar Prozentpunkte haben Sie retten können, keine Frage, aber mehr war nicht drinnen. Das gestehe ich Ihnen schon zu, mehr war da wirklich nicht drinnen in den Verhandlungsspielen, und die Bank wurde richtigerweise in den Konkurs geschickt, aber um Jahre zu spät!
Jetzt interessiert mich die historische Perspektive – das wird sicherlich noch Jahrzehnte später abgearbeitet, da hat man dann einen nüchterneren Blick auf diese ganze Sache –: Was passierte an diesem 13. Dezember 2009?
Wenn Bundeskanzlerin Merkel, die für ihre lange Entscheidungsdauer bekannt ist, am Sonntag zum Telefon greift und hier in Österreich die Bundesregierung aus ihren privaten Gemächern hervorholt, dann ist wirklich Feuer am Dach. Frau Merkel hat unheimlich toll verhandelt, sie hat diesen Bankenskandal zur Chefsache erklärt.
Ich habe mir erlaubt, einen Vergleich mit der deutschen WestLB anzustellen, denn die kann man ungefähr mit der österreichischen Hypo Alpe-Adria vergleichen. Diese WestLB, die deutsche Skandalbank, eine Geschäftsbank im Nobelviertel, im Geschäftsviertel Düsseldorfs in Nordrhein-Westfalen, wo sich praktisch die Reichen die Hand geben, das war wirklich eine Systembank, das war eine systemkritische Bank. Frau Merkel hat gesagt: Nein, ich schicke diese Bank in den Konkurs. Sie ist es nicht wert, erhalten zu werden, geben wir ihr den Sanctus und beerdigen wir sie.
Im Dezember 2009 – parallel zu ihrem Anruf hier in Österreich –, hat sie bereits in Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf die erste Abwicklungsanstalt als Bad Bank gegründet. Zu Österreich hat sie gesagt: Ihr Österreicher müsst sie zurückkaufen, wir tun uns das kein zweites Mal an! Und Österreich, die damalige Bundesregierung, hat sich leider hier ganz gewaltig getäuscht, weil sie die Tendenzen, was sie hier entschieden hat, überhaupt nicht erkannt hat, diese weitreichende Entscheidung, die sie selbst unabhängig in wenigen Stunden getroffen hat, was ihr eigentlich gar nicht zugestanden wäre.
Dazu kommt, dass diese WestLB auch Haftungen gehabt hat, auch Landeshaftungen, zwar nicht so hoch, aber auch 8,2 Milliarden € Landeshaftungen von Nordrhein-Westfalen und zirka 5 Milliarden € von den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen. Auch Frau Merkel hat einen Käufer gesucht, sie hat ihren ehemaligen Parteikollegen Friedrich Merz vorausgeschickt: Verkauf mir, bitte, diese Monsterbank, wir wollen die hier in Deutschland nicht haben. Sie hat Morgan Stanley beauftragt: Verkauft diese Monsterbank, wir wollen sie in Deutschland nicht haben! – Sie hat keinen Käufer gefunden.
Die Österreicher hatten 2007 – warum auch immer; das ist ein anderes Thema – einen Käufer gefunden, die BayernLB, und am 13. Dezember 2009 fällt diesen Herrschaften in Österreich nichts anderes ein, als diese Monsterbank wieder zurückzukaufen. Das ist mir absolut unverständlich, denn die damaligen Argumente, diese Bank zurückzukaufen, eben damit sie nicht geschlossen wird und damit nicht die Landeshaftungen schlagend werden, sind jetzt schlagend geworden, beides ist passiert.
Dazu kommt, dass ich – ich sage es ganz ehrlich – den Deutschen mehr toughes Management zutraue als der österreichischen Bundesregierung. Ich sage es ganz offen: In eine Frau Merkel und einen Herrn Schäuble habe ich bei der Abwicklung von Banken hundert Mal mehr Vertrauen als in Österreich.
Diese WestLB hatte die vierfache Bilanzsumme der österreichischen Hypo Alpe-Adria, der Schaden ist aber nur der doppelte. „Nur“, es ist noch immer genug, der Schaden für die Deutschen, für die WestLB wird sich auf ungefähr 23 Milliarden, 24 Milliarden € beziffern, also zirka das Doppelte von Österreich bei der vierfachen Bilanzsumme.
Bei der Abwicklung einer Bank kann man also auch noch einiges herausholen, da kann man noch einiges machen. Die deutsche Bank, die WestLB, ist in fünf, sechs Jahren abgewickelt, zu Ende, wird geschlossen, ist zerschlagen – Ende der Geschichte. Ich glaube, in Österreich dauert das – soweit ich jetzt gelesen habe – noch 50 Jahre. Das
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