BundesratStenographisches Protokoll856. Sitzung / Seite 97

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erhalten wollen. Dass das trotzdem über längere Zeit belastet, ist ja klar. Wenn man eine 30-jährige Laufzeit für einen Kredit macht, muss man halt 30 Jahre zurückzahlen. Nur: Bei der jetzigen Zinssituation ist es sogar noch eine Riesenchance, die wir ver­wirklichen wollen. Der Zerobond kann gezogen werden, muss aber nicht gezogen wer­den.

Daher ist es so, dass wir zuerst einmal danach zu trachten haben, dass über jene Gläubiger, die dem Memorandum of Understanding beigetreten sind, weitere Gläubiger das akzeptieren. Das werden die österreichischen Gläubiger sein. Ich bitte auch noch einmal, kurz darüber zu diskutieren, was denn Spekulanten auf dieser Welt sind. Ich würde jetzt zum Beispiel die Vienna Insurance Group oder andere nicht als Spekulan­ten bezeichnen. Ich würde auch die Weltbank nicht als Spekulant bezeichnen. Sie alle haben übrigens Anleihen der Kärntner Hypo.

Daher sollten wir, glaube ich, vorsichtig sein, wenn wir sagen, das waren irgendwelche Haie. Da sind Veranlagungen auf Basis einer Denkstruktur gemacht worden, nämlich: Ein Land kann nicht pleitegehen, sie werden immer zurückzahlen. – Ich habe den Gläu­bigern in meinen Verhandlungen immer gesagt, ich hätte schon irgendwie erwartet, dass irgendjemand einmal einen Blick auf das Kärntner Budget wirft und sagt: Wie kann man mit einem Budget von 2 Milliarden – das hatten wir damals, jetzt haben wir 2,4 Mil­liarden – für 25 Milliarden haften?

Ich kann sie auch nicht herausnehmen aus der Geschichte, und deshalb haben wir mit den Gläubigern diese Vereinbarung zustande gebracht. Ich glaube, dass das ein guter und richtiger Weg ist.

Der Bund benötigt nun dieses Ermächtigungsgesetz, damit, wenn 100 Prozent kom­men, wir auch im Rahmen dessen, was die Bundeshaftungsobergrenzen sind und was die Finanzmarktstabilität ist, die Mittel zur Verfügung stellen können.

Die Vorgangsweise wird so sein, dass der Kärntner Landtag die notwendigen Be­schlüsse fasst. Ich gehe davon aus, dass das erfolgt. Dann wird Kärnten ein Angebot an die Gläubiger legen, das genau diesen Inhalt hat, den wir vereinbart haben, und das den Vorteil hat, dass kein Gläubiger danach mehr mit uns weiterverhandeln kann. Die Gläubiger haben zugesagt, wenn dieses Angebot mit 75 gelegt wird, dann stimmen sie zu. Das ist wichtig, weil sie ja sonst ständig in einer Basar-Mentalität sagen, na viel­leicht könnten noch 76 herauskommen oder irgendetwas. Nein, wir haben mit ihnen ver­einbart, wenn das kommt, wird das akzeptiert.

Daher wird das Angebot vermutlich Anfang September kommen, es wird eine Laufzeit von zirka sechs Wochen haben. In dieser Zeit können alle Gläubiger dieses Angebot annehmen, und anschließend erfolgt die Abwicklung, sodass wir bis Jahresende hof­fentlich viele, aber zumindest die meisten der Gläubiger aus dem Geschehen heraus­nehmen können.

Das wird das sein, was Kärnten wieder die notwendige Luft verschafft. Und ich schlie­ße auch nicht aus, dass es Gläubiger geben wird, die das tun, was Sie vorschlagen, nämlich prozessieren. Auch das wird es noch geben. Dann wird man am Schluss des Tages sehen, ob das richtig oder nicht richtig ist.

International betrachtet sind zwischenzeitlich die Kapitalmärkte sozusagen wieder be­ruhigt. Das heißt, die österreichischen Bundesländer können zum Beispiel wieder mit Deutschland finanzieren – denn viele der deutschen Banken haben gesagt, solange das mit Kärnten nicht gelöst ist, streichen wir die Kreditlinien.

Es kann nicht sein, dass wir anderen Bundesländern auch noch Schaden zufügen. Da­her halte ich den Weg, den wir jetzt beschritten haben, mit dem Moratorium, mit der jet­zigen Abwicklung, für richtig. Ich hoffe, dass der Weg gelingt. Und wenn der Weg ge-


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