BundesratStenographisches Protokoll856. Sitzung / Seite 134

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

das, glaube ich, beide – Sie aus der ärztlichen Sicht (Bundesministerin Oberhauser: Mhm!), ich aus der Pflegesicht –: Aufgrund gesetzlicher Graubereiche sind oft wirklich lähmende Diskussionen entstanden. (Bundesministerin Oberhauser: Richtig!) Ich weiß das auch aus der Krankenhauszeit, wenn es darum gegangen ist: Dürfen wir jetzt Blut abnehmen oder nicht? Dürfen wir die Infusionen für die Ärzte herrichten oder nicht? Da­für, dass das jetzt einmal vom Tisch ist, bin ich sehr dankbar.

In Bezug auf die Anhebung der Kompetenzen möchte ich einen Aspekt anführen, der meiner Ansicht nach wichtig ist: Wir können nicht das Niveau einer Pflegeausbildung anheben und ihnen dann nicht mehr Kompetenz geben. Aber – weil das ja auch immer wieder zu Diskussionen führt, auch aufseiten der Ärzteschaft – eines ist ganz klar: Die Pfleger wollen nicht die besseren Ärzte oder Mini-Ärzte sein. Vielmehr kann gerade die Pflege sehr wohl einschätzen: Wo habe ich meine Verantwortung? Wo liegen meine Kompetenzen? Was ist der rechtliche Rahmen, den ich ausschöpfen und vertreten kann? Letztendlich ist es und soll es meiner Meinung nach wirklich das Ziel sein, dass die Ärz­teschaft gut mit der Pflege zusammenarbeitet, um gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Zusätzlich zur Dreistufigkeit möchte ich noch einen weiteren Punkt erwähnen, den ich auch wichtig finde, nämlich die Spezialisierungen. Es wird etwa zehn Spezialisierungen geben, die für die Pflege sehr wichtig sind, wie das Wundmanagement, die Palliativ­pflege, die psychogeriatrische Pflege – insbesondere die letzten zwei sind meiner Mei­nung nach von großer Bedeutung, gerade auch in Bezug auf die Herausforderungen in der Zukunft –, und vor allem ist es am Schluss auch noch gelungen, den Behinderten­bereich speziell zu berücksichtigen.

Zu den Ausführungen von Herrn Krusche möchte ich jetzt noch eine Korrektur anbrin­gen und mich auf die genannten E-Mails beziehen. Zur Korrektur: Die Pflegefachas­sistenz ist die zweijährige Ausbildung, nicht die Pflegeassistenz, man sollte die beiden Begrifflichkeiten nicht vermischen. Zudem möchte ich in Bezug auf diese E-Mails noch etwas erwähnen: In vielen Mails wurde nämlich, auch von Betriebsräten – was mich wirklich erschüttert oder eigentlich total geärgert hat (Bundesministerin Oberhauser: Mich auch!) –, die Ausbildung der Pflegeassistenz salopp (Bundesministerin Oberhau­ser: Mit Tierpflegern!) mit der Ausbildung von Tierpflegern verglichen. Dagegen möch­te ich mich wirklich entschieden verwahren! (Beifall der Bundesministerin Oberhauser.)

Mir ist es daher ein Anliegen, eine Lanze für diesen Bereich zu brechen: Die Pflegehilfe war und ist ein ganz essenzieller Teil der Pflege. Ich habe immer gesagt, das ist für mich das Herz der Pflege. (Bundesministerin Oberhauser: Bei den Patienten!) Sie sind es nämlich, die die meiste Zeit bei den Patienten und den zu Betreuenden ver­bringen und die sich auf die unglaublich wichtige Basispflege konzentrieren können. Ich habe sie nicht selten darum beneidet – muss ich auch zugeben – und, wenn ich als Diplomierte mit Visitendiensten und Ähnlichem eingedeckt war, gesagt: Die können ein­fach die Pflege leben in einer Form, die unglaublich wichtig ist. Ich glaube, das sollte auch in Zukunft ein fixer Bestandteil der Pflege sein, gerade im Langzeitpflegebereich.

Es gibt noch einen zweiten Grund, warum ich die Pflegeassistenz so wichtig finde und warum es diese kürzere Ausbildung geben soll: Man gibt dadurch vielen Menschen und in erster Linie auch Frauen eine Chance. Bei mir im Heim kam es nicht selten vor, dass Frauen vielleicht zuerst im Servicebereich gearbeitet haben, dann durch den Kon­takt mit den Menschen eigentlich die Liebe zu diesem Beruf entdeckt haben, ihnen aber aufgrund der finanziellen oder vielleicht familiären Situation nur eine kurze Ausbildung möglich war. Genau da birgt auch diese einjährige Ausbildung wirklich eine große Chan­ce für Wiedereinsteiger oder jene, die es sich beruflich verbessern wollen. Das ist für mich der zweite Grund, warum das so wichtig ist.

 


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite