BundesratStenographisches Protokoll856. Sitzung / Seite 138

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getan. Bei den anderen gehobenen medizinischen Berufen fand eine Akademisierung bereits 2006 statt und hat sich auch bewährt. Da spreche ich aus eigener Erfahrung in meiner Funktion als Physiotherapeutin. Die Ausbildung hat sich von einer Schulausbil­dung über eine Akademieausbildung bis hin zu einem FH-Studium entwickelt. – Warum nicht auch bei der Pflege?

Vieles ist schon gesagt worden, ich möchte nicht näher auf die verschiedenen Aus­bildungsvarianten eingehen. Es ist mir aber ein persönliches Herzensanliegen, zu die­ser Novelle sprechen zu dürfen. Ich arbeite neben meiner Tätigkeit im Bundesrat seit 1997 im Landespflegeheim Mödling und erlebe seither die hervorragende Arbeit des dor­tigen Pflegepersonals mit. Der Bewohner steht bei unseren Tätigkeiten immer im Mit­telpunkt. Empathie, Wertschätzung, Einfühlungsvermögen, Geduld, Humor, fachliche Kompetenz und Weiterbildung sind nur einige der Werte, die unseren Alltag im Pfle­geheim prägen. Egal, ob auf der Hospiz- und Schwerstpflegestation, auf der Übergangs­pflege, Kurzzeitpflege, Langzeitpflege, in unserem Heim wird mit Herz gearbeitet, da kann ich meiner Kollegin nur zustimmen. Ich kann Sie nur einladen: Kommen Sie zu uns, ma­chen Sie sich ein Bild von der hervorragenden Arbeit des Pflegepersonals!

Mit der heute zu beschließenden Novelle wird die Ausbildung im Pflegebereich endlich attraktiver gestaltet, ja sie wird sogar ausgeweitet. Die Krankenpflege zählt zum größ­ten Beschäftigungsbereich im Gesundheitswesen, wir sprechen da von 90 000 Be­schäftigten. Wir wissen, die Lebenserwartung steigt, die Menschen werden immer äl­ter, und die Nachfrage nach gut ausgebildetem Pflegepersonal wird immer größer. Mit dieser Novelle schaffen wir jetzt endlich eine Akademisierung, eine Mehrstufigkeit in der Ausbildung. Wichtig für mich ist, dass die dreistufige Ausbildung auch eine gewisse Durchlässigkeit hat, denn es soll Aufstiegsmöglichkeiten geben. Das bringt Chancen auf Karrieren in dem noch immer sehr frauenlastigen Beruf.

Nun auch zum Argument seitens der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, dass der Pflege nicht mehr Verantwortung übergestülpt werden kann: Gerade aus obigem Grund muss ich das dementieren. Pflege hat ganz besonders mit Verantwortung zu tun, und umso mehr Verantwortung die Pflege erhält, umso wichtiger wird sie aus der Perspektive un­serer Gesellschaft. Unsere Gesellschaft neigt ja dazu, sozial Unangenehmes – das Al­ter, das Leid, das Kranksein – zu verdrängen und beiseitezuschieben. Ist es nicht schön, Verantwortung zu übernehmen, Kompetenzen übertragen zu bekommen? Unterstreicht das nicht die Bedeutung?

Die Ausweitung der Kompetenzen wurde übrigens von den Ländern gefordert – Gott sei Dank! Und wie sagte schon Molière? – „Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.“ – Besonders gilt das für den Pfle­gebereich, und umso mehr soll es eine qualitätsvolle, mehrstufige Ausbildung geben.

Die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst forderte auch die Abschaffung der Pflegehilfe, al­so der Pflegeassistenz, Herr Kollege. Für mich ist das wenig nachvollziehbar. Geschätz­te Kolleginnen und Kollegen, gerade ein modularer Aufbau bietet Aufstiegs- und Um­schulungsmöglichkeiten. Es gibt, wie meine Kollegin schon gemeint hat, viele Bewer­ber, die Interesse an einer kurzen Einstiegsausbildung haben. Ich denke da an junge Interessenten, mitunter Orientierungssuchende, an Wiedereinsteiger, Berufsumsteiger, Personen mit Migrationshintergrund – übrigens allesamt zum überwiegenden Teil Frauen.

Neben der gewerkschaftlichen Kritik gibt es aber auch die Nicht-Akzeptanz der Ärztekam­mer aufgrund der Übernahme von quasi ärztlichen Tätigkeiten durch die Pflege. Da müss­te die Ärztekammer vom hohen Ross heruntersteigen und von der „Gott-in-Weiß“-Poli­tik Abstand nehmen. Mit diesem Gesetz erreichen wir nämlich ein besseres Zusam­menwirken innerhalb eines multiprofessionellen Teams auf hohem Niveau am Kran­kenbett. Die Pflege bekommt zwar extra ausgewiesene Kompetenzen, aber es wer­den – ich betone – keine Mini-Ärzte ausgebildet. Wir wollen eigenständige Pflegeper-


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