Diese Kritik kommt nicht nur von mir – ich habe jetzt leider das Dokument liegen lassen –, diese Kritik kommt zum Beispiel auch vom Verein TU Austria. Dieser schreibt in einer Stellungnahme: „Eine generelle Zuordnung ohne valides Verfahren ist entschieden abzulehnen.“
Die JKU Linz, die, sage ich jetzt einmal, nicht gerade immer auf unserer Linie ist, schreibt in einer Stellungnahme:
„Ein Stufensprung in der Dimension ‚Kenntnisse‘, insbesondere der Erwerb des für Stufe 6 geforderten ‚kritischen Verständnisses von Theorien und Grundsätzen‘, ist unrealistisch. Deshalb ist sorgfältig darauf zu achten, dass das Fachgespräch schulische und hochschulische Prüfungsrituale nicht imitiert.“
Weiters heißt es, dass ein Stufensprung von EQR 5 auf EQR 6 auf Grundlage einer dreijährigen Berufserfahrung „nicht standardmäßig, sondern nur in günstigen Fällen gelingen“ wird. – Wie Sie also sehen, Herr Staatssekretär, sehr geehrte Damen und Herren, werte Kolleginnen und Kollegen: Wir sind nicht allein mit dieser Kritik, die wir heute äußern.
Für mich auch noch unklar sind die Expertinnen und Experten, die zur Prüfung herangezogen werden, das ist meiner Meinung nach auch ein bisschen schwammig formuliert. Einerseits sind da Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer drinnen, die sich dort hineinreklamieren können. Auch die ExpertInnen, die das wirtschaftliche oder betriebliche Umfeld kennen sollen, sollen das beurteilen können. Dann sitzt da gegebenenfalls auch ein HTL-Lehrer dabei, der dann dieses Fachgespräch führen soll. Für mich ist das Ganze einfach ein bisschen schwammig.
Jetzt aber zu einem anderen Punkt: Warum kommt dieses Gesetz überhaupt? Warum diskutieren wir überhaupt darüber? – Die Regierung sagt, dass die HTL-Abschlüsse offensichtlich bei internationalen Ausschreibungen viel zu niedrig bewertet werden – das ist das eine. Das andere liegt aber auch auf der Hand: Man will wohl ein wenig die Statistik schönen, nämlich mit mehr Akademikerinnen und Akademikern.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit Sie mich jetzt nicht falsch verstehen: Natürlich bin auch ich ein Befürworter der berufsbildenden höheren Schulen. Ich bin ja selbst auch auf eine gegangen, wohl nicht auf eine HTL, sondern auf eine HLT – hört sich ähnlich an, ist aber eine Tourismusschule. Ich bin auch der Überzeugung, dass man auf einer BHS extrem viel lernt und mit einem sehr guten, detaillierten Wissen in die Praxis entlassen wird, aber es ist und bleibt noch lange kein Studium. Auch nicht nach drei Jahren Arbeit, nach drei Jahren Praxis – das ist kein Studium!
In einem Studium muss man wissenschaftlich arbeiten, man muss regelmäßig Prüfungen absolvieren, man muss immer wieder Hausübungen, Laborberichte schreiben und so weiter und so fort. Es gibt einen Studienplan. (Zwischenruf des Bundesrates Rösch.) Das ist also etwas ganz anderes, als wenn man drei Jahre in einem Planungsbüro arbeitet und dann nur mehr ein 45-minütiges Fachgespräch mit irgendwelchen Experten von der HTL, Arbeiterkammer oder Wirtschaftskammer führen muss.
Wir hätten uns ja wirklich eine Prüfung erwartet, bei der Innovationsfähigkeit, Leitungs- und Entscheidungskompetenzen abgeprüft werden und nicht nur ein einfaches Fachgespräch geführt wird.
Was mich auch wundert, ist das gesamte Vorgehen bei diesem Gesetz, das heute hier liegt; mich wundert das ein bisschen. Ich kann mich noch ganz gut erinnern: Im März 2016 haben wir im Bundesrat das NQR-Gesetz beschlossen, damals noch unter Bildungsministerin Heinisch-Hosek. Auch wir Grüne haben damals nicht zugestimmt, weil wir das ganze Konstrukt als sehr aufgebläht empfunden haben.
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