Ich will gar nicht wissen, wie viele Fälle es wirklich sind, in denen Kinder und Jugendliche aufgefordert werden, Nacktfotos, Nacktvideos zu verschicken, oder in denen sie im Internet mit diesen dann gemobbt, verhöhnt oder sogar erpresst werden.
Eines hat die Statistik auch aufgezeigt, und das war auch für mich etwas Neues: Die Täter sind nicht nur die typischen pädophilen Männer zu Hause, wie man es sich vorstellt, sondern sehr viele, nämlich ein Drittel davon, sind auch Gleichaltrige, die Jugendlichen diese Fotos abgroomen und diese jungen Menschen dann im Internet oder sonst wo damit erpressen. Dafür sind die neuen digitalen Medien natürlich ein optimales Medium, sei es WhatsApp, sei es Instagram, sei es Snapchat, seien es auch Dating Apps. Bei all den neuen digitalen Medien geht es um den schnellen Bildversand und teils anonyme Kontaktaufnahme. (Bundesrätin Mühlwerth: Wir sind beim Privatschulgesetz! Ich will es dir nur sagen!)
Hier braucht es Bildung. Unser Ziel soll es sein, dass unsere Kinder zu kritischen Usern heranwachsen und wissen, dass sie mit den heutigen digitalen Medien und ihren persönlichen Daten und Fotos gewissenhaft umgehen müssen.
Der Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf, Christian Moser, hat es erst letzte Woche bei einem Vortrag ganz gut gesagt: Wir reden hier von Technik. Wir setzen ja auch nicht die 14-jährige Tochter einfach in ein Auto und sagen: Jetzt fahr los!, sondern es braucht Schulung und Training, es braucht Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, die sie lehren, mit dieser Technik umzugehen.
Genau das ist es auch, was es in der Technik, im Internet, mit WhatsApp, mit Snapchat, mit Instagram braucht: Es braucht Technik, es braucht Aufklärung, es braucht Information, und diese Information und Aufklärung braucht es auch für die Eltern, das ist nämlich auch ganz wichtig; beispielsweise die Behandlung der Fragen: Wie gehe ich überhaupt mit den neuen digitalen Medien um? Wie bringe ich meinen Kindern überhaupt bei, was Cybergrooming oder Cybermobbing ist, und an wen muss ich mich wenden, wenn ich davon betroffen bin? (Bundesrat Mayer: Wir sind beim Privatschulgesetz! Privatschulgesetz!)
Das ist natürlich eine immense Herausforderung auch für die Eltern, die neben einer 60-Stunden-Woche auch noch das nebenbei erledigen müssen; aber mindestens genauso wichtig – und da kommen Sie, Herr Minister Hofer, und sehr wohl auch das Bildungsministerium ins Spiel – ist das Erlernen von digitaler Kompetenz. (Bundesrätin Mühlwerth: Du, wir sind jetzt beim Privatschulgesetz! – Bundesrat Mayer: Das Privatschulgesetz!) Wir brauchen ein eigenes Schulfach für digitale Medienkompetenz; ich glaube wirklich, daran werden wir nicht vorbeikommen! Die Kinder von heute wachsen komplett in die digitale Welt hinein, diese Entwicklung wegzuleugnen wird den Kindern leider nichts helfen. Meiner Meinung nach sind wir eh schon eine Generation zu spät dran.
Wie Sie jetzt planen, in allen Unterrichtsfächern Medienkompetenz zu implementieren, liest sich am Papier gut und schön, aber seien wir doch ehrlich: Viele Pädagoginnen und Pädagogen wissen gar nicht, was Instagram, geschweige denn Snapchat überhaupt ist und wie das funktioniert. Bis zum nächsten Schuljahr sind diese Trends schon wieder verflogen, und es gibt neue Apps und neue Phänomene im Internet und bei den Social Media.
Es braucht PädagogInnen, die sich genau dieser digitalen Medien annehmen, betreffend die digitale Medienlandschaft am Puls der Zeit sind und auch ein Verständnis für diese Medien und Medienethik haben, um SchülerInnen den Umgang damit auch wirklich zu lehren. Auch verpflichtende Fortbildung für Pädagoginnen und Pädagogen in den Bereichen digitale Medienkompetenz und Ethik ist notwendig – daran wird leider kein Weg vorbeiführen.
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