BundesratStenographisches Protokoll883. Sitzung, 883. Sitzung des Bundesrates am 12. Juli 2018 / Seite 164

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brauchen ihre Geschichte somit nicht an verschiedenen Stellen mehrmals vorzubrin­gen und müssen somit ihre Entwürdigung nicht immer wieder in der Erzählung neu er­fahren.

Meine Damen und Herren! Die Gefahr einer Retraumatisierung, die durch das oftmali­ge Befragen und das wiederholte Erzählen der Erniedrigungen gegeben ist, wird damit verringert. Dies ist ein wichtiger Punkt, obwohl die Arbeit der Kommission dadurch nicht eben erleichtert wird. Die Achtung der Würde rechtfertigt aber diesen Mehrauf­wand.

Weiters ist als positiv anzuführen, dass nunmehr auch Beziehern einer mit der Invalidi­tätspension vergleichbaren Leistung oder Personen, die aufgrund einer Behinderung arbeitsunfähig sind, diese Zusatzpension zugestanden wird.

Mit dieser Zusatzpension und mit dem Geld ist es aber nicht schon getan. Meine Da­men und Herren, so ist es wichtig, wie wir mit den Betroffenen umgehen: vielleicht zweifelnd, ob es wirklich so arg war, vielleicht sogar abschätzig und mit dem Vorwurf, die wollen sich doch nur etwas herausholen – was man verschiedentlich auch in den Medien gehört hat. Ich möchte deshalb besonders betonen: Es handelt sich um Men­schen, denen größtes Unrecht zugefügt worden ist, Menschen, denen ein wichtiger Teil der Zukunft genommen wurde (Beifall bei BundesrätInnen von ÖVP und SPÖ sowie bei der FPÖ), die Einschränkungen ihrer Entwicklungsmöglichkeiten schon in frühester Jugend erfahren haben. Es sind Menschen, meine Damen und Herren, deren Start ins Leben einem Fehlstart – und dies nicht aus eigenem Verschulden – gleichkommt. Es ist wichtig, diesen Menschen wenigstens symbolisch einen Teil dessen, was ihnen ge­nommen worden ist, zurückzugeben: einen Teil ihrer Würde – in der Anerkennung des­sen, was ihnen zugefügt wurde, und in der symbolischen Geste des Ausgleichs des Unrechts. (Beifall bei ÖVP und FPÖ sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Mit dem Allparteienantrag – ich danke dafür – ist auch sym­bolisch dokumentiert, dass das Parlament geschlossen hinter dem Gesetz und dem jet­zigen Abänderungsantrag steht. Mit dieser Einigkeit wird zum Ausdruck gebracht, dass es das Anliegen aller ist, unser aller Anliegen, einen Beitrag zur Wiedergutmachung zu leisten, einer Wiedergutmachung, die nie zur Gänze möglich ist.

Meine Damen und Herren, mit dieser Geste muss zugleich die Bereitschaft verbunden sein, alles zu tun, damit sich diese Erniedrigungen und Entwürdigungen von Menschen nicht wiederholen. Die Achtung der Menschenwürde fordert unsere ganze Aufmerk­samkeit. Nehmen wir alle diese Herausforderung an! – Danke schön. (Allgemeiner Bei­fall.)

19.20


Präsidentin Inge Posch-Gruska: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Günther Novak. – Bitte.


19.20.25

Bundesrat Günther Novak (SPÖ, Kärnten): Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Es wurde schon viel gesagt, aber die zwei Vorredner waren damals – vielleicht irre ich mich – bei diesem emotionalen und aufwühlenden Staatsakt im historischen Sitzungssaal des Parlaments, der im November 2016 stattge­funden hat, als Politik und Kirche ein symbolisches Zeichen gesetzt haben, um das Lei­den jener ehemaligen Heimkinder anzuerkennen, die unter staatlicher beziehungswei­se kirchlicher Obhut Opfer von Gewalt wurden.

Diese Geste der Verantwortung bot vielen Opfern die Möglichkeit, über das Unrecht, das ihnen angetan wurde, vor dem offiziellen Österreich und der Kirche zu berichten. Einige von Ihnen waren sicher dabei. Ja, was soll man dazu sagen? – Es ist einem nur


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