BundesratStenographisches Protokoll906. Sitzung, 906. Sitzung des Bundesrates am 4. Mai 2020 / Seite 72

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Sag Gutes und sag es laut, ja! (Bundesrat Seeber: Das erinnert mich an den Jörgi!) Ja, die Sachen, die gut sind, soll man auch verbreiten! (Beifall bei der FPÖ. – Zwischenruf der Bundesrätin Zwazl.)

Interessant war das schon, weil du (in Richtung Bundesrat Buchmann) in deinem Dank über die Schlüsse für die Zukunft und so weiter gesprochen hast. Also – ich habe auf­gepasst – ich habe da keine Schlüsse für die Zukunft gesehen. Die wirtschaftlichen Fragen jetzt zu beantworten ist natürlich auch schwierig (Bundesrätin Zwazl: Das glaub’ ich auch!) und vieles ist Kaffeesudleserei (Bundesrätin Zwazl: Ja!), wenn man es heute machen möchte. Man muss einmal schauen, dass man stabilisiert, man muss einmal wissen: Wo ist denn der Boden? Wo sind denn die wissenschaftlichen Daten?

Ich habe vorhin bei den Ausführungen des Herrn Minister aufgepasst, er hat gesagt: Später werden wir über die evidenzbasierten Daten reden! – Also wenn das pro 100 000 sieben in Österreich waren und 20 in Schweden, wenn das die evidenz­basierten Daten waren (Ruf bei der ÖVP: 27!) – oder 27 –, dann muss ich das jetzt glauben. Ich kann aber natürlich auch sagen, dass pro 10 000 über 80-Jährigen im­merhin 1 200 an anderen Krankheiten versterben – 1 200, man muss das immer in Relation sehen – und 120 an Atemwegserkrankungen.

Wenn man diese Relation sieht, dann sieht man, dass Covid ernst zu nehmen ist, weil es eine Krankheit ist – niemand will, sage ich jetzt, an irgendeiner Krankheit sterben, auch nicht an Covid oder Grippe oder egal, wie die Krankheit heißt –; natürlich muss man schauen, dass man das Mögliche tun kann, aber trotzdem: Es ist und bleibt ganz einfach kein solches Horrorszenario, das es rechtfertigt, eine ganze Wirtschaft so lahmzulegen, nämlich auch psychisch so lahmzulegen, dass man von 100 000 Toten spricht, die Särge und so weiter bemüht (Bundesrätin Zwazl: „Die Särge ... bemüht“!), zu sagen: Jeder wird jemanden kennen und wird schuld sein an sonst irgendetwas, an Toten, an dem Coronavirus und so weiter!, die Leute absichtlich hinunterzuziehen, die Leute an die Kandare zu nehmen, Angst so zu schüren, dass man sagt: Wir können es aber richten, wir wissen, wie es geht!

In Wirklichkeit habt ihr es genauso wenig gewusst wie viele andere, und natürlich hat man sich bemüht, das Beste zu tun – diese Redlichkeit spreche ich vielleicht nicht ab –, aber natürlich ist es so, dass wir erst wieder Fahrt aufnehmen können, wenn wir auch zur Ehrlichkeit dieser Krise kommen und sagen: Was bedeutet denn diese Krise für uns und wie können wir mit diesem Virus leben, bis wir einen Impfstoff haben? – Wir können ja nicht einfach warten und nichts tun (Bundesrätin Zwazl: Medikamente!), sondern das jetzige Hochfahren und so weiter ist ja dem geschuldet, dass man irgend­wann einmal gesehen hat: Hoppla, die Kurve hat sich ja, bevor wir die Maßnahmen gesetzt haben, auch schon etwas beruhigt (Zwischenbemerkung von Bundesminister Anschober) – aber ja sicher –, und in Deutschland war es genauso, da ist das Gleiche zu sehen.

Dann gibt es jene Experten, die sich trauen, aufzutreten und zu reden – Universitäts­professoren in verschiedenen Teilen der Welt und auch, erkennbar, wenn man nach Amerika schaut, Ioannidis mit seinen Metastudien, der Nobelpreise gekriegt hat –, die das alle irgendwie auch so weit relativieren, dass man sagt: Okay, Krankheit ist auch ein Teil des Lebens. Wir müssen wirklich das Beste tun, dass niemand daran stirbt, und da müssen wir natürlich an die Risikogruppen denken. Wenn wir die Risiko­grup­pen abgeschirmt und geschützt haben, müssen wir ihnen aber auch Lebensqualität geben, denn was nutzt mir ein Leben, wenn es frei und würdelos ist?

Das ist das, was da angesprochen worden ist, als man gesagt hat, dass man den Menschen die mobile Fußfessel mitgeben möchte – praktisch: wenn sie nicht brav sind, schaut man in die Wohnungen und in die Häuser hinein! –, und man hat da Angst


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