Dieser Künstler hat übrigens während einer schwarz-blauen Koalition 2004 das Goldene Ehrenzeichen der Republik bekommen, weil er diesen Saal gestaltet hat. Ich fühle mich hier sehr wohl. Ich glaube – das ist wirklich die Schwierigkeit, aber da könnten wir wirklich, glaube ich, stundenlang diskutieren –, es ist natürlich immer sehr schwierig, was man in einer Stadt sozusagen wie ein Museum erhält und wie viel zeitgenössisches Leben in einer Metropole wie Wien stattfinden soll. Das ist eine immer wiederkehrende Auseinandersetzung.
Ich persönlich bin sehr froh und finde es auch spannend, dass in einem Saal, in dem einst in der Barockzeit Redouten gefeiert wurden, nun demokratische Prozesse stattfinden. Das finde ich eine sehr lebendige Auseinandersetzung mit Geschichte und auch mit dem, was wir heute tun. Das halte ich eigentlich für einen Zugang, wie ich ihn zumindest sehr spannend finde, wenn wir über Kulturpolitik sprechen.
Eine Sache wollte ich noch sagen, Herr Kollege Pisec: Ich setze mich auch sehr für den Erhalt des jüdischen Friedhofs in Währing ein – auch ein wunderschöner kulturhistorischer Ort. Ich veranstalte dort auch Führungen. Ich würde Sie gerne einmal dazu einladen, wenn Sie mitgehen wollen. Mitte Juli habe ich wieder Termine – jetzt dürfen wir wieder.
Bevor ich nun sozusagen die neue Staatssekretärin begrüße, möchte ich mich persönlich – ich weiß auch, dass sie via Streamingdienst zuschaut, ich habe sie gerade gefragt – nicht nur bei allen Zuschauerinnen und Zuschauern, sondern vor allem natürlich bei Ulrike Lunacek für ihre Arbeit bedanken. Ich möchte mich persönlich bei Ulrike Lunacek bedanken, weil sie für mich wirklich eine ganz besondere Person ist, die mir sehr viel beigebracht und auch sehr viel Mut gemacht hat, und zwar in einer Zeit, in der die Sichtbarkeit von Minderheiten, in diesem Fall von LGBTIQs, noch eine Seltenheit und nicht selbstverständlich war.
Wir haben heute auch schon vom Film „Die Dohnal“ gesprochen, der ja anlässlich der Diagonale im Internetkino gezeigt worden ist, in dem die Lebensgefährtin von Johanna Dohnal erzählt, warum es damals – aus verständlichen Gründen – noch nicht möglich war, öffentlich dazu zu stehen, und welche Entwicklung wir innerhalb von kurzer Zeit gemacht haben.
Ulrike Lunacek hat nicht nur mir, sondern sehr vielen Menschen nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa und auf der ganzen Welt, auch mit ihrem Einsatz im Europaparlament, Mut gemacht. Eines haben wir nämlich gelernt: Sichtbarkeit ist besser als Unsichtbarkeit, weil die Unsichtbarkeit das Problem ist, dadurch werden Vorurteile geschürt und schlechtes Gerede entsteht. (Bundesrat Steiner: Gegen die FPÖ!) Wer eine Lesbe, wer einen Schwulen, wer eine Transgenderperson oder intersexuelle Person kennt und persönlich kennt, wird bestätigen: So baut man Vorurteile ab. Ulrike Lunacek hat einen ganz wesentlichen Beitrag in Österreich dazu geleistet, diese Vorurteile abzubauen. Dafür gebührt ihr ein herzlicher Dank meinerseits. (Beifall bei den Grünen und bei BundesrätInnen der ÖVP.)
Bedeutend ist auch, was sie europapolitisch geschaffen hat – sie war eine ausgezeichnete Europapolitikerin. Es gab einmal eine Umfrage im Kosovo, die ich sehr interessant finde: Sie war im Kosovo die beliebteste Politikerin. – Das, finde ich, ist eine Leistung, die man gar nicht hoch genug schätzen kann. (Bundesrat Steiner: Megaleistung!) In diesem Sinne, liebe Ulrike, wünsche ich dir alles Gute! Vielen Dank für deine Arbeit! (Neuerlicher Zwischenruf des Bundesrates Steiner.)
Nun zur Kulturpolitik: Was macht Kultur? – Kultur reflektiert, schildert die Auseinandersetzungen an den Bruchlinien unserer Gesellschaft, an den Bruchlinien unseres eigenen persönlichen Lebens. Ich bin ja ein gebürtiger Niederländer, und im Niederländischen heißt malen schilderen. Das ist dasselbe Ursprungswort wie für schildern. Ich finde das
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