BundesratStenographisches Protokoll907. Sitzung, 907. Sitzung des Bundesrates am 4. Juni 2020 / Seite 69

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möchte sie gar nicht erwähnen –, Verbauung jeglicher Gärten, Verbetonierung Wiens. Alles wird ignoriert! Das heißt, das kollektive Gedächtnis – um mit Maurice Halbwachs zu sprechen, um in seinem Sinne zu argumentieren – wird einfach ignoriert und missachtet.

Ich möchte nicht darüber sprechen, dass es jedes Mal ein Kampf und ein Krampf ist, diesen Canaletto-Blick, aufgrund dessen Basis wir den Unesco-Weltkulturerbestatus be­kommen haben, zu erhalten. Es müsste doch eine Ehre für eine Wiener Stadtregierung sein, dieses international präsentieren zu können und zu dürfen – für den Kulturtouris­mus. Der Städtetourismus ist ansteigend, das ist das wahre Asset, das Wien hätte, er wird immer stärker. (Zwischenruf des Bundesrates Beer.) Es müsste doch ein Anreiz und eine Intention sein (Zwischenruf bei der FPÖ), dieses Kulturerbe zu erhalten, zu präsentieren und zu zeigen – und darauf stolz zu sein. (Beifall bei der FPÖ.)

Frau Kollegin Schumann, Sie haben gesagt, wir Wiener – um auch für dich zu spre­chen –, wir Wienerinnen wollen nicht haben, dass unser Wien schlechtgemacht wird. (Bundesrätin Schumann: Na das hoffe ich auch!) Ich, wir – um für die FPÖ zu spre­chen – wollen nicht haben, dass unser historisches Wien sukzessive ruiniert wird. (Beifall bei der FPÖ. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Ich möchte noch etwas bezüglich Unesco sagen, weil dieses Weltkulturerbe ja ein gro­ßes Thema ist. Der Vorsitzende war Anfang der 2000er-Jahre in Wien und war über­rascht davon, wie Wien mit diesem Erbe umgeht. Was hat er gesagt? – Wien wird von kulturellen Barbaren regiert. – Das hat damals große Aufregung verursacht; aber das Wort wurde gesprochen. (Zwischenruf der Bundesrätin Schumann.) Fazit: Das Kultur­erbe muss besser verwaltet werden. Das kulturelle Erbe, so wie es die EU in ihren Be­richten auch vorsieht, muss hervorgehoben, präsentiert werden. (Zwischenruf des Bun­desrates Novak.)

Es ist tausendmal billiger, denn es ist schon längst geschaffen, es ist ein Aufregen (Zwi­schenruf der Bundesrätin Grimling) – wie du, Frau Kollegin Schumann, es hier machst – nicht mehr notwendig, denn es ist passiert, es ist Geschichte, es hat stattgefunden, es kostet nichts mehr (Zwischenruf der Bundesrätin Schumann), man braucht es nur her­zuzeigen. Man hat – das ist das Wichtigste, weil es immer ums Geld geht, es immer ums Kapital geht – einen tausendfach höheren Return on Investment bei diesen historischen Symbolwerten, die ein Milliardenvermögen wert sind. (Vizepräsidentin Eder-Gitschtha­ler übernimmt den Vorsitz.)

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin, Sie haben genügend Arbeit. Diese wartet auf Sie. Es gibt ein hohes Potenzial kultureller Objekte, Artefakte, kulturellen Wissens, das geho­ben und dargestellt werden kann. Die Menschen im In- und Ausland warten darauf, dass dieses gezeigt wird. Wir Wiener sind stolz auf das, was unsere Vorfahren geleistet ha­ben. Nehmen Sie sich Zeit, präsentieren Sie es und zeigen Sie es unserer eigenen Be­völkerung und vor allem der Weltbevölkerung! – Danke. (Beifall bei der FPÖ.)

11.59


Vizepräsidentin Dr. Andrea Eder-Gitschthaler: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundesrat Marco Schreuder. – Herr Bundesrat, ich erteile es Ihnen.


11.59.49

Bundesrat Marco Schreuder (Grüne, Wien): Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegin­nen und Kollegen! Sehr geehrte MinisterInnen auf der Regierungsbank! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Ich möchte ganz kurz zu mei­nem Vorredner, Herrn Kollegen Pisec, sagen, dass ich seinen Einsatz für das kulturelle Erbe tatsächlich sehr schätze. Ich glaube, dass wir da auch eine sehr spannende Dis­kussion, eine sehr interessante Auseinandersetzung haben könnten. Ob dieser Saal ei­nem gefällt oder nicht, darüber können wir gerne treffend streiten. Ich glaube, Josef Mikl hat es mit seiner Kunst hier nicht verdient, dass wir ihn so abtun – das möchte ich auch ganz ehrlich sagen. (Beifall bei Grünen und SPÖ sowie bei BundesrätInnen der ÖVP.)

 


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