Die Fußballbundesliga oder – Kollege Wanner hat es schon gesagt – die Formel 1 haben vorgezeigt, wie es gehen könnte, wenn eine starke Lobby und eine starke Interessenvertretung Stimmung in diesem Land machen. (Bundesrat Schennach: Das sind die Grünen!) – Nein, es war Kollege Wanner. (Bundesrat Schennach: Das ist ein Widerspruch in sich!)
Kunst und Kultur sind aber ebenso ein wichtiger gesellschaftlicher Faktor, und so wie im Fußball darf man aber nicht nur auf die Bundesliga schauen, sondern muss vielmehr das besondere Augenmerk auf die darunter liegenden Ligen richten. Da bin ich wieder bei den vielen Kulturvereinen, Musikkapellen, Chören und so weiter, die ebenso oder gerade besonders unter den Einschränkungen gelitten haben und noch leiden werden. Unzählige Trainer, Übungsleiter, Kapellmeister, Chorleiter sind davon betroffen. Viele Veranstaltungen, Feste werden heuer nicht stattfinden können, aber gerade diese Veranstaltungen sind es, die den Vereinen die finanzielle Basis geben, um die gesellschaftlich wichtige Kulturarbeit zu ermöglichen.
Zur EU-Jahresvorschau des Jahres 2020 kann man eigentlich nur sagen, dass man die darin enthaltenen Vorhaben seitens der Europäischen Kommission sicher vor der Zeit von Corona niedergeschrieben hat. Es hat sich aber herausgestellt, wie wichtig eine im Jahr 2011 begonnene Digitalisierung kultureller Materialien aus den Beständen der Bibliotheken, Archive und vor allem Museen eigentlich ist. In Zeiten, in denen Museen geschlossen waren, konnte man diese, manche zumindest, digital besuchen. Ob der ambitionierte Zeitplan für die Vervollständigung jedoch eingehalten wird, ist mehr als fraglich.
Die Ziele im Jahresprogramm 2020 sind auch sehr interessant formuliert: Europa für das digitale Zeitalter zu rüsten, das hat sich, wie gesagt, in Zeiten von Corona schon bewährt. Europa soll in der Welt gestärkt und die europäische Lebensweise gefördert werden. – Das ist ein schöner Ansatz, ich glaube aber kaum, dass unter den Parteien oder auch unter den Ländern Einigkeit darüber besteht, was man mit europäischer Lebensweise eigentlich meint. Ich hoffe jedenfalls, es ist die demokratische abendländische Kultur, die dabei gemeint ist. (Zwischenruf des Bundesrates Schennach.) – Na, wenigstens eine Zustimmung.
Beim Ziel, der Demokratie in Europa neuen Schwung zu geben, habe ich ebenso meine Bedenken, ob da alle das Gleiche meinen. Ist damit jetzt gemeint, die direkte Demokratie zu stärken, so wie wir es wollen, oder ist damit gemeint, vom Einstimmigkeitsprinzip abzugehen, was genau das Gegenteil bedeuten würde?
Von weiten Teilen der Bevölkerung coronabedingt völlig unbemerkt hatte Kroatien, ein Land, das nicht nur touristisch, sondern auch kulturell viel zu bieten hat, den EU-Ratsvorsitz im ersten Halbjahr 2020. Einer der Schwerpunkte des kroatischen Ratsvorsitzes war das Risikomanagement im Bereich des Kulturerbes. Wir haben heute schon einiges dazu gehört; es ist ein Thema, das auch uns sehr wichtig ist.
Mit 1. Juli übernimmt dann Deutschland den Vorsitz. Das Programm Kreatives Europa soll dabei fortgesetzt werden und ja, ich glaube, Kreativität wird es brauchen, um den Kulturbetrieb wieder auf ein entsprechendes Niveau zu bringen.
In dem Bericht, sehr geehrte Damen und Herren, sind viele gute Ansätze, viele gute Ideen, wenig Konkretes, was angesichts der momentanen Situation, in der es bei Künstlerinnen und Künstlern ums wirtschaftliche Überleben geht, ja auch nicht verwundert.
Ich wünsche der neuen Staatssekretärin und neuen Schatzhüterin in Österreich jedenfalls alles Gute, viel Erfolg für ihr künftiges Betätigungsfeld, für ihr jetziges Betätigungsfeld. Die Kulturschaffenden in diesem Land haben es sich verdient. (Beifall bei der FPÖ und bei BundesrätInnen der SPÖ.)
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