BundesratStenographisches Protokoll921. Sitzung, 921. Sitzung des Bundesrates am 28. Jänner 2021 / Seite 110

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Es gibt ja einen wissenschaftlichen Konsens darüber, dass die vorherige Betäubung als bestes Mittel anzusehen ist, um das Leiden des Tieres zum Zeitpunkt seines Todes zu verringern, denn der Tötungsvorgang an sich führt für die Tiere, auch wenn man die besten technischen Mittel verwendet, zu Schmerzen, zu Stress, zu Angst und anderen Formen des Leidens – und beim Schächten ist das noch einmal verschärft, weil es eben ohne Narkose, ohne Betäubung durchgeführt wird.

Sie müssen sich das vorstellen: Man setzt beim Kehlkopf an, führt den Schnitt weiter bis zur Speiseröhre durch, bis man dann zur Halsschlagader kommt. Die Tiere erleiden wäh­rend des Tötungsvorgangs, während sie verenden müssen, höllische Schmerzen, bis sie restlos ausgeblutet sind. Das ist nicht notwendig! (Beifall bei der FPÖ.)

Diese Art von Schächten ist barbarisch, diese Art von Schächten ist bestialisch! Die Tiere erleiden Höllenqualen. Stellen wir uns nur den Stress vor, den die Tiere allein beim Fixie­ren erleiden – das geschieht mit speziellen Geräten, damit sie danach ausbluten kön­nen –; allein das Fixieren bedeutet unnötigen Stress für die Tiere.

Sie erleiden größte Schmerzen! Das muss man sich vorstellen: Setzt euch einmal das Messer an und schneidet durch! Warum macht man das bei einem Mitgeschöpf, bei ei­nem Tier? Warum muss man einem Tier unnötiges Leid zufügen? (Beifall bei der FPÖ.)

Und das alles geschieht ohne Narkose, bei vollem Bewusstsein dieses Geschöpfes! Da entstehen dann Bilder wie diese hier (einen Ausdruck in die Höhe haltend), auf denen man sieht – Sie können gern alle herschauen! –, wie die Tiere leiden müssen.

Schade ist, dass die ÖVP und die Grünen leider – und ich bedaure das sehr – im Aus­schuss diesem Antrag nicht zugestimmt haben. Die Argumentation, warum sie dem An­trag nicht zustimmen, ist für mich ein bissel fragwürdig, ein bissel halbseiden gewesen, aber das Argument, mit dem der ÖVP-Bundesrat Preineder im Ausschuss die Ablehnung begründet hat, ist völlig daneben gewesen. Er hat gegen ein Verbot des Schächtens dahin gehend argumentiert, dass das Schächten einen Wirtschaftsfaktor darstelle.

Ich habe zuerst geglaubt, ich verstehe nicht richtig, und habe noch einmal nachgefragt. Ich fragte: Herr Kollege, was meinen Sie damit? Was hat das Schächten damit zu tun? – Darauf wurde mir zur Antwort gegeben: Wenn wir in Österreich nicht mehr schächten, muss koscheres Fleisch eben importiert werden! – Das ist eine Farce von der ÖVP, von Herrn Kollegen Preineder, dass er den Tierschutz hinter dem schnöden Mammon stellt. Es ist so typisch: nur Geld, Geld, Geld!, und das Dollarzeichen in den Augen – und wie es den Tieren geht, ist euch völlig wurscht. (Beifall bei der FPÖ.)

Aber auch das Argument der Grünen, warum sie dagegenstimmen und somit das Tier­leid verlängern, ist eher fadenscheinig: In Dialog treten, hat es geheißen. – Na, no na net! Ich bin auch mit den Religionsgemeinschaften im Dialog – ihr könnt euch meinen E-Mail-Verkehr anschauen; also das habe ich gemacht –, und als freiheitliche Tierschutz­sprecherin, aber vor allem als Tierliebhaberin ist es mir ein Rätsel, wie es sein kann, dass man in einer säkularen und aufgeklärten Gesellschaft wie der unsrigen dieses mit­telalterliche, rituelle, leidvolle Töten von Tieren überhaupt noch diskutieren muss. Warum kann man das nicht schon a priori verbieten?

In den Landesverfassungen steht es ja teilweise, dass Tiere Mitgeschöpfe sind. Einige Bundesländer, wie zum Beispiel Salzburg, haben das ja schon in die Landesverfassung aufgenommen. Sie können heute unter Beweis stellen, wie wichtig Ihnen der Tierschutz tatsächlich ist, und Sie können diesem Antrag zustimmen und das Tierleid beenden. All jene, die so wie ich das Tierschutzvolksbegehren unterschrieben haben, können heute Nägel mit Köpfen machen – denn nur einfach aufs Gemeindeamt zu gehen, ein Tier­schutzvolksbegehren zu unterschreiben oder zu unterstützen und dann nichts mehr da­zuzutun, das ist nicht in Ordnung.

 


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