BundesratStenographisches Protokoll921. Sitzung, 921. Sitzung des Bundesrates am 28. Jänner 2021 / Seite 120

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Zeitpunkt infiziert waren. Das sind nicht viel weniger als in der Gesamtbevölkerung. Na­türlich – auch wenn es so verlockend nach einer Lösung klingen würde, um ältere Men­schen zu schützen – kann man die Bevölkerung nie so auseinanderdividieren, dass die Generationen keinen Kontakt zueinander haben. Das heißt, die Rechnung ist ganz ein­fach: Stecken sich Jüngere an, stecken sich ihre Eltern an. Stecken sich Jüngere an, stecken sich ihre Großeltern an. Kinder sollen unbeschwert aufwachsen – ja! –, aber dazu gehört auch, dass möglichst viele Omas und Opas dieses Jahr überleben, sehr geehrter Herr Bundesrat! (Beifall bei ÖVP und Grünen. – Ruf bei der FPÖ: Das ist pole­misch!)

Sosehr ich mir wünsche, dass unser Leben möglichst normal stattfinden kann – inklusive offener Schulen, Geschäfte, Hotels und Restaurants –, so sehr haben wir alle auch die Verantwortung, diese Pandemie bestmöglich zu bekämpfen, um zu verhindern, dass die Kapazitäten der Intensivstationen überlastet werden, und um zu verhindern (Zwischenruf der Bundesrätin Steiner-Wieser), dass sich zu viele ältere Menschen anstecken, die massiven gesundheitlichen Schaden nehmen können. Der Prozentsatz der Omas und Opas, die sterben, wenn sie sich anstecken, ist dramatisch hoch. (Zwischenruf des Bun­desrates Ofner.) Bei den über 80-, über 85-Jährigen sterben über 10 Prozent der Men­schen, die sich anstecken. Überlegen Sie sich das einmal! Das ist nichts, über das man sagen kann: Das ist ja kein Problem, das gibt es nicht! (Neuerlicher Zwischenruf des Bundesrates Ofner.)

Insofern gilt: Ja, Kinder sollen unbeschwert leben können, aber dazu gehört auch, dass wir in diesem schwierigen Jahr zusammenhelfen und versuchen, all das, was uns wichtig ist, bestmöglich in Einklang zu bringen. Da gehört eine gute Ausbildung dazu, und ich bin dem Bildungsminister für all die Anstrengungen dankbar, die unternommen werden, dass das Distancelearning trotz dieser schwierigen Situation bestmöglich funktioniert. Ich bin froh, dass die Schulen für diejenigen offen sind, die Betreuung brauchen, weil es halt nicht anders funktioniert. Ja, es ist nicht ideal, wie es ist. Ja, es ist für alle Familien, insbesondere für jene, in denen die Eltern berufstätig sind und in denen unter schwie­rigen Bedingungen Homeoffice, Homeschooling und all das in Einklang gebracht werden müssen, schwierig. (Bundesrat Ofner: Es ist schwierig, weil es Chaos gibt!) Wenn Sie aber glauben, die Antwort ist, zu sagen, wir lassen es laufen, weil es Corona ja nicht gibt oder weil sich halt ansteckt, wer sich ansteckt, dann kann ich Ihnen da nur widerspre­chen. Ich glaube auch nicht, dass das dann eine unbeschwerte Zeit für die Kinder in Österreich wäre, sondern – ganz im Gegenteil! – es wäre eine Zeit, die sehr, sehr viele in sehr negativer Erinnerung behalten würden. (Beifall bei der ÖVP und bei BundesrätIn­nen der Grünen.)

Was versuchen wir daher? – Wir beraten regelmäßig in der Bundesregierung – der Bil­dungsminister, der Gesundheitsminister, der Finanzminister, die Wirtschaftsministerin, der Innenminister, der Arbeitsminister und viele andere –, wie wir es schaffen können, auch weiterhin bestmöglich durch diese schwierige Zeit zu kommen, wie wir es schaffen können, die unterschiedlichen Notwendigkeiten und Bedürfnisse einfach auch mit der Realität in Einklang bringen zu können. In einer Zeit der Pandemie können wir leider Gottes nicht weiterleben wie zuvor.

Mich interessiert schön langsam, was in einigen Monaten Ihr Sprechtext sein wird, wenn wir durch die Impfung wieder zur Normalität zurückkehren können und das Leben wieder normal stattfinden kann, der Schulunterricht normal stattfindet, die Restaurants offen sind (Zwischenruf des Bundesrates Steiner) und wir wieder normal leben können. Was werden Sie mir denn dann vorwerfen? (Zwischenruf des Bundesrates Beer.) Da geht Ihnen ja irgendwann der Text aus, Herr Bundesrat! (Beifall bei der ÖVP und bei Bun­desrätInnen der Grünen. – Heiterkeit der Bundesräte Seeber und Steiner.)

 


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