Sie sind jemand, der immer wieder darauf verweist, dass es ja wichtig ist, auf Experten zu hören, aber gerade im Bereich der Kinderbetreuungseinrichtungen, gerade im Bereich der Schulen hören Sie nicht auf die Expertise der Pädagogen und der Fachleute auf diesem Gebiet! Ich kann Ihnen eines versichern, ich kriege es in meinem Bundesland, der Steiermark, mit: Da gibt es irrsinnig viele engagierte Lehrer, Direktoren, die sich wirklich den Kopf zerbrochen haben, wie sie ihren Schützlingen, denn so bezeichnen sie ihre Kinder, in dieser Coronakrise helfen und wieder Präsenzunterricht ermöglichen können. Was machen Sie? – Sie negieren diese Konzepte, obwohl das gute Konzepte sind. (Beifall bei der FPÖ.)
Ich muss Ihnen jetzt wirklich unterstellen, dass Sie absolut keine Ahnung haben, was Ihre Maßnahmen für jedes Kind in Österreich und die Eltern bedeuten. Ich sage Ihnen ein paar Beispiele. Eine sehr liebe Freundin von mir hat zwei Kinder, die eine Tochter ist schon in der Oberstufe, schon eine junge Dame, für die ist das Distancelearning, das Organisieren kein Problem. Ihr Sohn ist zwölf Jahre alt und im heurigen Schuljahr von der Volksschule in die Unterstufe gewechselt – allein, wie sich ein Zwölfjähriger einmal zurechtfinden und organisieren muss, woher welche Information für welche Aufgabe kommt. Dieses Kind hat aber das große Glück, in eine Familie geboren worden zu sein, in der die Eltern Akademiker sind, eine hervorragende Infrastruktur der Digitalisierung vorhanden ist, die entsprechenden Geräte, die Räumlichkeiten vorhanden sind.
Was so schlimm ist, ist, dass Sie eigentlich bereit sind, eine ganze Generation wirklich für Ihre Maßnahmen – ich unterstelle Ihnen das – im Interesse der Wirtschaft zu opfern. Ich finde das ganz, ganz, ganz schlimm, das muss ich Ihnen wirklich sagen.
Es ist so schwierig! Zum Beispiel: Dieser Zwölfjährige hat einen Klassenkollegen, der nicht diese Möglichkeit hat; der hat zu Hause keine digitale Möglichkeit, hat keinen Laptop und wird auch zur Betreuung in die Schule geschickt. Dann bekommt meine Freundin mit, wie der Klassenvorstand in der Videokonferenz diesem Mitschüler erklärt, dass es für ihn mit einer positiven Benotung im Halbjahreszeugnis sehr schlecht ausschauen wird, weil er die ihm gestellten Aufgaben nicht erfüllt hat. Wie kann es passieren, dass ein Kind diese Aufgaben nicht erfüllt, obwohl es zur Betreuung in die Schule geschickt wird? Warum machen jene Kinder, die zur Betreuung in den Volksschulen sind, nicht die gleichen Aufgabenblätter wie jene Kinder, die das Glück haben, Eltern zu haben, die sich ernsthaft bemühen? Warum ist das alles so unterschiedlich? (Beifall bei der FPÖ.)
Man hört es immer wieder gebetsmühlenartig, man erklärt jedem jungen Menschen, der in das Ausbildungsleben eintritt: Bildung ist der Schlüssel zur Selbstbestimmtheit, zur Freiheit, zu einem gesunden und erfolgreichen Leben. Und dann gehen Sie her, nehmen unserer Jugend die Zukunft und begründen eigentlich eine Generation Corona? Sie nehmen so vielen Kindern die Möglichkeit der Chancengleichheit, und zwar deshalb, weil wir auch in Zeiten, als es diese Pandemie nicht gegeben hat, schon ganz, ganz viele Lücken in unserem Bildungssystem hatten. Damals war schon sichtbar, dass es sehr wohl Unterschiede gibt, dass es darauf ankommt, in welche Familie ein Kind hineingeboren wird, in welchem Bundesland es lebt, ob es in der Stadt oder im ländlichen Raum aufwächst.
In Belgien wurde extra eine Studie gemacht, um herauszufinden, welchen Unterschied Distancelearning – von der Bildungsqualität, vom Bildungsinhalt – zum Präsenzunterricht macht. Neun Monate Heimunterricht bedeuten ein halbes Jahr Verlust an Präsenzunterricht. Bitte, wie wollen Sie das jemals aufholen, vor allem bei Volksschülern? Wir wissen von unseren Kinder, als sie in die erste Klasse gekommen sind, wie enorm wichtig das gerade für die Erstklässler ist. Wie sollen die das halbe Jahr aufholen? Das ist ein Verlust, der ihnen die ganze Bildungszeit nachhängen wird.
Es gibt keine Konzepte, das verstehe ich nicht. Sie als Bundeskanzler haben sicherlich das letzte Wort, denn deshalb sind Sie der Bundeskanzler, aber warum haben Sie diese
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