BundesratStenographisches Protokoll921. Sitzung, 921. Sitzung des Bundesrates am 28. Jänner 2021 / Seite 127

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TV-Moderator, nämlich von Günther Jauch, starten, der gesagt hat: „Bildung lässt sich nicht downloaden.“

Ich glaube, er hat ganz recht damit, denn Schule, Unterricht, das geht nicht alleine und zu 100 Prozent in Distancelearning und mit Videokonferenzen und in digitaler Form. Ich wage zu behaupten, dass ich mir da ein doch recht gutes Urteil bilden kann, zumal ich selbst auch in der Praxis stehe und die tagtäglichen Herausforderungen in diesem Wech­sel aus Präsenzunterricht und Distancelearning aus nächster Nähe miterfahren habe.

Blicken wir einmal zurück auf die vergangenen elf Monate, also auf fast ein ganzes Jahr! Sie haben damals, am 13. März, den Lockdown ausgerufen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern: Die Aufregung war riesengroß. Wir haben innerhalb von wenigen Minuten alles vorbereitet, alles umgestellt, wirklich den gesamten Schulalltag auf den Kopf ge­stellt, um in irgendeiner Form das Distancelearning zu ermöglichen. Bei dieser Umstel­lung sind uns dann im Laufe der Wochen durchaus die ersten Schwächen in unserem Bildungs-, in unserem Schulsystem ganz bewusst geworden, denn wir haben – und des­sen sind wir uns bewusst, und das habe ich auch an dieser Stelle immer wieder verdeut­licht, und das sagt uns auch der Nationale Bildungsbericht – ein ungerechtes Schulsys­tem.

Nicht alle Kinder können gleichermaßen davon profitieren, weil nicht alle die gleiche Art von technischer Ausstattung zu Hause haben, nicht die gleiche Infrastruktur, die sie in diesem Zusammenhang aber bräuchten. Nicht alle Kinder haben gleichermaßen elterli­che Unterstützung zu Hause beim Lernen. Das heißt, schon in dieser Hinsicht unter­scheiden sich unsere Kinder und Jugendlichen ganz, ganz immens. Wir wissen alle, wie sehr die Schulbildung in Österreich vom sozioökonomischen Hintergrund der Eltern ab­hängt, und ganz klar: Die Krise hat die Bedeutung des sozioökonomischen Hintergrunds jetzt noch um ein Vielfaches verstärkt.

Im zweiten Lockdown hat sich inzwischen vieles eingespielt, wie wir wissen. Es sind auch wirklich ganz wunderbare neue Lernmethoden entstanden: innovative Lernmateria­lien; im Blended-Learning-Modus hat vieles stattgefunden. Vieles war aber nur – und dahin gehend auch meine Hochachtung an meine Kolleginnen und Kollegen da drau­ßen! – mit einem ganz enormen Engagement der Lehrerinnen und Lehrer möglich, und vieles war auch nur mit einem ganz enormen Engagement der Eltern möglich, die ihre Kinder entsprechend unterstützt haben (Beifall bei der SPÖ), und auch nur aufgrund des wirklich ganz enormen Engagements der Gemeinden möglich. Wir hatten heute ja auch schon die Gemeinden am Tapet, die in ganz hohem Maße mit Laptops, mit Tablets, mit der Grundausstattung, wenn sie denn gefehlt hat und nicht rechtzeitig gekommen ist, unterstützt haben.

Im Frühsommer kam dann der Schichtbetrieb. Auch da hat es wieder große Umstellun­gen gegeben. Wieder war alles anders, wieder mussten sich alle ganz, ganz schnell auf neue Herausforderungen und neue Situationen einstellen. Dieses Hin und Her, die Mischform aus Präsenzunterricht und digitalem Unterricht, ging de facto bis heute weiter. Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen, Lehrer, Direktorinnen und Direktoren – die vergisst man, glaube ich, in dieser Debatte auch ganz gerne einmal – tun nach wie vor das Aller­beste, was sie nur können, um dieser Situation gerecht zu werden und um Lernlücken, die natürlich dabei entstehen – gar keine Frage –, möglichst gering zu halten und zu minimieren.

Dann kam zu Weihnachten die von vielen SchülerInnen ja wirklich so herbeigesehnte Ferienzeit. Unter uns gesprochen war diese auch für viele ganz, ganz dringend notwen­dig, denn man kann sich aus Erwachsenensicht wahrscheinlich kaum vorstellen, wie an­strengend es für ein angenommen zehnjähriges Kind ist, 6 oder 8 Stunden am Tag vor dem Computer sitzen zu müssen und digitales Lernen zu bewältigen. Das ist eine ganz,


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