BundesratStenographisches Protokoll921. Sitzung, 921. Sitzung des Bundesrates am 28. Jänner 2021 / Seite 128

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ganz immense Anstrengung – den Schülerinnen und Schülern an dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön und meinen Applaus für ihre Leistung. (Beifall bei der SPÖ.)

Da war also dann vor dem 7. Jänner die freudige Erwartung: Ja, wir dürfen in wenigen Tagen endlich wieder in die Schule, unsere Freunde treffen, endlich wieder ein bisschen soziales Leben spüren, soweit das natürlich möglich ist.

Es gab dann allerdings zwei wirklich große Punkte, die mich auch heute noch fassungs­los zurücklassen, nämlich erstens: Bis heute – und inzwischen haben wir, wie gesagt, elf Monate in dieser Krise verbracht – gibt es in Wahrheit keine wirkliche Kommunikation mit den betroffenen Lehrerinnen, Lehrern, Direktorinnen und Direktoren, die gibt es schlicht und einfach nicht. Mit uns wird wie kommuniziert? – Mit 210 Pressekonferenzen.

Sie werden es nicht wissen, aber es gibt so eine nette Kommunikationsplattform, School­fox nennt sie sich. Wenn man am Tag 30 Schoolfox-Nachrichten von Eltern bekommt, die endlich wissen wollen, was Sache ist, und man als Lehrerin oder Lehrer dann dasteht und sagt: Es tut mir leid, aber ich weiß es nicht!, und die Eltern dann damit kommen, dass dieses und jenes aber schon in „Heute“ und in sonstigen kleinformatigen Zeitungen gestanden ist, dann zeugt das nicht unbedingt von Wertschätzung. Das ist keine Wert­schätzung der betroffenen und der handelnden Personen im Bildungsbereich, wenn die Presse mehr weiß als wir. (Beifall bei der SPÖ und bei BundesrätInnen der FPÖ.)

Dann kam erst in den letzten Tagen tagtäglich eine neue Schlagzeile: ein Skilehrer­cluster in Flachau, ein Skilehrercluster in St. Johann, am Arlberg und so weiter und so fort. Irgendwann hat es heute schon geheißen: Das ist alles kein Problem, da steckt man sich nicht an – Schulen sind die großen Virenschleudern. Ja, gut, jetzt kenne ich mich dann ganz ehrlich nicht mehr aus. Es zeigt aber offensichtlich die Priorität, die es in der Bundesregierung gibt, nämlich: Seilbahnlobby vor Bildung und Skiliftbetreiber vor Kin­dern und Jugendlichen. Das ist für mich eine unfassbare Tatsache. (Beifall bei der SPÖ.)

Es stimmt schon: Die Schulschließungen zeigen Wirkungen, das ist richtig – allerdings wage ich zu bezweifeln, dass das die richtigen Wirkungen sind. Wir haben heute schon von etlichen Studien gehört, auch aus der Richtung der FPÖ, ich darf Ihnen nun noch einige weitere Studien präsentieren. Das ist beispielsweise eine ganz aktuelle Studie der OECD (eine Kopie der Studie in die Höhe haltend), die Jugendliche zu den Folgen der Krise befragt hat. So wurden Jugendliche gebeten, drei Aspekte zu nennen, die für sie am herausforderndsten und sozusagen am schwierigsten zu kompensieren sind. Da nennen immerhin 55 Prozent ihre psychische Gesundheit, 50 Prozent – also die Hälfte aller Jugendlichen, und an der Befragung waren immerhin 48 Länder beteiligt – haben genannt, dass sie sich um ihren künftigen Arbeitsplatz Sorgen machen. Sie wissen nicht, ob sie eine Anstellung oder einen Ausbildungsplatz bekommen, was auch immer. Immer­hin über 40 Prozent machen sich auch Sorgen um ihr späteres verfügbares Einkommen und noch einmal so viele, nämlich ebenso 40 Prozent, ganz grundsätzlich um ihre Bil­dung.

Alles in allem machen sich Jugendliche ganz, ganz, ganz große Sorgen: Sorgen um ihre berufliche Zukunft, aber auch Sorgen, was ihre Kontaktmöglichkeiten betrifft, um das soziale Gefüge, um Kontakte zu Freunden, aber auch zu ihren Familienmitgliedern, die ja oft sehr weit entfernt leben. Sie haben, und das haben wir heute auch schon gehört, natürlich aber auch Sorge, wenn es ältere Verwandte gibt, zum Beispiel um die Gesund­heit der Großeltern – und das ist oft psychologisch ein großer innerer Widerspruch, den sie da zu erleiden haben. Dazu kommt, dass sie natürlich im Alltag die Sorgen und Ängste ihrer Eltern miterleben und sogar mitleben, gerade in Fällen von Arbeitslosigkeit, gerade in Fällen von Eltern, bei denen mittlerweile nicht mehr genügend Geld vorhanden ist.

 


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