Ich darf an dieser Stelle die Homepage der Med-Uni Innsbruck zitieren, da steht, und das sollte uns zu denken geben: „Der Kontakt mit Freundinnen und Freunden, der soziale Austausch mit Gleichaltrigen und der regelmäßige Schulbesuch sind wichtige Elemente des kindlichen Alltags und der psychischen wie psychosozialen Gesundheit von jungen Menschen.“ Weiter heißt es: „Ein längerer Ausschluss aus diesen Lern- und Erfahrungsräumen schädigt Kinder und Jugendliche in ihrer kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung und hinterlässt Spuren, die schon jetzt sichtbar sind und sich auch für längere Zeit nach der Aufhebung der Restriktionen zeigen werden“. – Ich glaube, das sollte uns zu denken geben.
Ganz brandaktuell: Gestern habe ich in der „ZIB 2“ mitverfolgt – Sie vielleicht auch –, wie die Präsidentin der Vereinigung der Kinder- und Jugendfachärzte Daniela Karall dort gesprochen hat. Sie widerspricht der These, dass die einzig wahre Maßnahme eine Schulschließung ist. Sie bestätigt nämlich, auch auf zahlreiche Studien gestützt, dass die Zahl der Infektionen durch die Schulschließungen in Wahrheit gar nicht in einem merklichen Ausmaß zurückgegangen ist.
Sie bestätigt uns auch, dass Kinder eigentlich gar nicht die Superspreader und Treiber der Infektion sind, als die sie oft bezeichnet werden. Zudem betont sie, und das ist auch mir persönlich ganz wichtig: Ja, natürlich müssen wir sowohl die Kinder als auch die Lehrer und alle anderen Personen im Schulumfeld vor Infektionen schützen!, aber es geht da ganz klar – auch wenn mir der Begriff nicht gefällt, sagt er deutlich aus, was damit gemeint ist – um eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Es geht um eine Nutzen-Risiko-Abwägung. Es geht um eine Folgenabschätzung: Mit welchen Folgen haben wir zu kämpfen, wenn die Schulen noch weiter geschlossen sind?
Die Folgen sind, wie wir gerade gehört haben, ganz, ganz enorm. Das heißt also für uns als Sozialdemokratie: Öffnen wir die Schulen? – Ja, aber sicher. Das heißt, wir müssen alles dafür tun, dass alle im Schulleben befindlichen Personen von jeglicher Infektion möglichst ausgeschlossen werden können. Das heißt also: Sorgen wir dafür, dass genügend Masken vorhanden sind! Da habe ich meine Zweifel, wenn ich an die vergangenen Monate denke: Wir haben Monate auf die erste Tranche an FFP2-Masken gewartet; auch da sind wieder die Gemeinden, die Schulleiter und Schulleiterinnen eingesprungen und haben diese aus ihrem Budget finanziert und ausgeholfen, weil das Bildungsministerium das in dieser Form nicht geschafft hat.
Wir müssen dafür sorgen, dass Impfungen stattfinden können, dass Lehrerinnen und Lehrer bei den Impfungen priorisiert werden, denn ich glaube schon, dass Pädagoginnen und Pädagogen zum Schlüsselpersonal gehören und dass Sie, Herr Minister, als, ich würde einmal sagen, fürsorgepflichtiger Arbeitgeber da sozusagen Ihrer Pflicht nachkommen und im Ministerium darauf drängen sollten, dass das passieren kann. Natürlich müssen wir verschiedenste Maßnahmen setzen, damit in der Schule wieder ein halbwegs geregelter Unterricht stattfinden kann – denn ein normaler Unterricht, wie wir ihn kennen, wird in dieser Form so schnell wahrscheinlich nicht mehr stattfinden können. Das muss unser Ziel sein, mit allen Maßnahmen, die es dazu braucht. (Beifall bei der SPÖ.)
Ich habe gerade über Masken und Testkits gesprochen. Ich glaube, wir haben es heute auch schon einmal gehört: Das Chaos, das es bei den Testkits-Auslieferungen gegeben hat, verdeutlicht noch einmal mehr, wo es hapert, nämlich eigentlich auf allen Ebenen und in allen Aspekten, die man sich nur vorstellen kann. Ich bin, wie gesagt, skeptisch, hoffe aber doch, dass nun die Lieferungen regelmäßig und verlässlich stattfinden, sodass die Direktorinnen und Direktoren auch eine Sicherheit haben, um die ihnen anvertrauten Pädagoginnen und Pädagogen, aber auch die Schülerinnen und Schüler entsprechend testen zu können.
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