BundesratStenographisches Protokoll921. Sitzung, 921. Sitzung des Bundesrates am 28. Jänner 2021 / Seite 130

HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite

Ich darf Sie noch einmal daran erinnern, weil das, glaube ich, nicht immer so bewusst ist: Schulen und Bildungseinrichtungen ganz allgemein – in Wahrheit vom Kindergarten bis zur Universität – sind lebende Organismen. Das heißt, da geht es nicht nur um das reine Erlernen von fachlichen Skills, da geht es nicht nur um das Rechnen, Schreiben, Lesen und eben auch die digitalen Skills, die wir heute auch schon angesprochen haben. Da geht es auch um das soziale Lernen, um Sozialkompetenzen, um den Austausch unter den Gleichaltrigen, ja manchmal auch um den Wettbewerb untereinander, um das Lernen voneinander und vieles mehr. Das alles braucht natürlich die besten Vorausset­zungen und die entsprechenden Ressourcen, gerade jetzt in der Krise und nach der Krise.

Wir haben jetzt gehört, es wird 200 Millionen Euro für zusätzliche Förderstunden geben. Das ist schön, das ist wichtig, aber aus meiner Sicht leider viel, viel zu wenig, eigentlich ein Tropfen auf den heißen Stein. Vergleichen wir noch einmal: Das PR-Budget beträgt ja 210 Millionen Euro, also gibt man in Wahrheit mehr für Public Relations als für die Förderung unserer Jugend aus; aber gut. Ich darf noch einmal daran erinnern, dass wir erst vor wenigen Jahren unter Schwarz-Blau beispielsweise immerhin 40 Millionen Euro weniger für Sprachförderung bekommen haben. Das heißt, wenn ich das alles gegen­rechne, bleibt unterm Strich in Wahrheit ein Nullsummenspiel übrig. Jetzt sozusagen noch Förderstunden: Da kann ich mir schwer vorstellen, dass das in Summe eine wirklich nachhaltige Aufstockung bringt.

Wir wissen um die Personalsituation, wir wissen, dass der drohende Pensionierungs­schub kommen wird, dass wir Personal brauchen werden. Jetzt soll es Studierende mit Sonderverträgen geben, aber ich frage mich, wo die Perspektive für die nächsten Jahre ist. Ich glaube, wir brauchen keine kurzfristigen Förderstunden, sondern wir brauchen ganz generell ein Konzept, wie wir dauerhaft möglichst in Kleingruppen unterrichten kön­nen, denn wir wissen, dass das sehr viel gebracht hat. Wir brauchen Doppelbesetzungen dort, wo es notwendig ist, nämlich auch in den sogenannten Brennpunktschulen, und vieles mehr.

Abschließend darf ich noch eines anmerken, bevor das Lämpchen dann leuchtet. Ich habe in den vergangenen elf Monaten den Eindruck bekommen, dass die Zuständigkeit nicht immer so klar war, dass eigentlich auf einige Schulformen, auf einige Bildungsein­richtungen gänzlich vergessen wurde: Das waren zum einen die Kindergärten, die ele­mentarpädagogischen Einrichtungen, und das waren zum anderen die Berufsschulen. Auf die Berufsschülerinnen und Berufsschüler wurde in jeglicher Form vergessen, sei es betreffend Masken, Testkits und vieles andere mehr.

Ich möchte dahin gehend, weil mir auch die Berufsschüler in diesem Zusammenhang ganz, ganz wichtig sind, folgenden Entschließungsantrag einbringen:

Entschließungsantrag

der BundesrätInnen Doris Hahn, MEd MA, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Berufs­schulen nicht vergessen“

Der Bundesrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung, wird aufgefordert, den 8-Punkte-Plan für Digitalisierung auf die Berufsschu­len auszuweiten. Die konkreten Fördermaßnahmen und -töpfe für das Aufholen der Co­rona-Defizite sollen entsprechend erhöht werden, damit auch BerufsschülerInnen profi­tieren.“

*****

 


HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite