Zweiter Punkt: Infektionsgeschehen an den Schulen ist insofern genauso irreführend, denn es ist keine Aussage darüber, ob an den Schulen Ansteckungen stattfinden. Man hat vielmehr Schülerinnen und Schüler beziehungsweise Pädagoginnen und Pädagogen untersucht, und das eben, weil es sehr praktisch ist, am Ort ihrer beruflichen Tätigkeit oder am Ort ihrer Ausbildung und nicht zu Hause oder in einer Teststraße. (Beifall bei der FPÖ.)
Es gibt jetzt Daten über Ansteckungen an Schulen in einem sehr aktuellen Policy Brief des Complexity Science Hub Vienna und der Ages gemeinsam mit der Med-Uni Wien und der TU Graz vom 20. Jänner 2021. Nach Schultypen aufgliedert findet sich da, ob Clusterbildungen, die tatsächlich an Schulen erfolgt sind, von Lehrerinnen und Lehrern beziehungsweise Schülerinnen und Schülern ausgegangen sind, woraus man erkennen kann, dass man sehr stark zwischen den Schultypen beziehungsweise nach dem Alter der Schülerinnen und Schüler differenzieren muss. An Volksschulen haben Cluster ihren Ursprung fast ausschließlich bei Lehrerinnen und Lehrern, während hingegen an den Oberstufen fast 80 Prozent der Cluster von Schülerinnen und Schülern ausgehen. Was lernen wir daraus? – Dass man, wenn man Maßnahmen an Schulen setzt, altersmäßig differenzieren muss und kann, was ja teilweise ohnehin schon passiert. Die Frage, die sich daher politisch stellen sollte, ist: Wie schaffen wir es, Präsenzunterricht zu ermöglichen? Welche Maßnahmen sind dazu notwendig?
Davor möchte ich auch noch auf eine Inkonsistenz eingehen, die mir aufstößt: Am Arbeitsplatz dürfen sich Personen aus mehreren Haushalten den ganzen Tag im selben Raum aufhalten, wenn nur Trennwände oder Plexiglaswände aufgestellt werden. An den Schulen, wo sich auch Personen aus mehreren Haushalten zumindest den halben Tag aufhalten, sind offenbar ganz andere Standards erforderlich.
Ich möchte jetzt nicht in die Richtung gehen, dass man sagt, man kann Schulen bedenkenlos öffnen, wenn man nur Plexiglastrennwände zwischen den Schülerinnen und Schülern aufstellt, sondern eigentlich in die andere Richtung. Wenn man tatsächlich etwas zur Verminderung der Infektionszahl tun möchte, dann muss man am Arbeitsplatz ansetzen und dort davon abgehen, dass man suggeriert, Plexiglastrennwände zwischen Arbeitsplätzen in Großraumbüros wären geeignete Maßnahmen zur Infektionsreduktion.
Um noch konkret auf den Entschließungsantrag der FPÖ einzugehen: Da steht drinnen: „Sicherstellung eines regulären Unterrichts“. Jetzt werde ich dem zwar zustimmen, aber ich glaube, ich verstehe nicht genau das Gleiche wie Sie unter regulärem Unterricht. Deswegen möchte ich das noch erläutern, damit es da keine Missverständnisse gibt.
Ich verstehe unter regulärem Unterricht nach den Semesterferien nicht den regulären Unterricht, wie er zum Beispiel vor zwei Jahren in Schulen stattgefunden hat. (Die BundesrätInnen Schumann und Schennach: Das ist das Problem!) – Na ja, die SPÖ hat offenbar auch mit dem Wort „regulär“ ein Problem. Wenn man das vielleicht vorher abgestimmt hätte, wäre eine breitere Zustimmung möglich gewesen.
Welche Maßnahmen sind notwendig, um Präsenzunterricht an den Schulen nach den Semesterferien zu ermöglichen? – Ausgehend von dieser Studie der Ages und des CSH gibt es wunderschöne Handlungsempfehlungen, die nach Schultypen und nach Altersklassen der Schülerinnen und Schüler differenzieren. Da die Infektiosität altersabhängig ist, genügen an Volksschulen geringere Interventionen als in der Sekundarstufe I oder gar in der Sekundarstufe II. Das sind Maßnahmen wie Lüften, also Frischluftzufuhr, wöchentliche Testung der PädagogInnen, Schülerinnen und Schüler, Maskenpflicht zumindest in der Sekundarstufe – wobei man da auch noch genauer differenzieren könnte, was den Schutzgrad der Masken betrifft, zum Beispiel: FFP2-Masken in der Sekundarstufe II ab 14, darunter Mund-Nasen-Schutz oder Stoffmaske ‑, halbierte Klassen oder eine Entzerrung der Besucherströme, wobei das in den Schulen nicht das richtige Wort
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