BundesratStenographisches Protokoll929. Sitzung, 929. Sitzung des Bundesrates am 15. Juli 2021 / Seite 51

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Gesamtinteresse über Einzelinteressen zu stellen. – Danke. (Beifall bei den Grünen so­wie bei BundesrätInnen von ÖVP und SPÖ.)

11.48


Vizepräsident Günther Novak: Danke, Herr Bundesrat.

Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Johanna Miesenberger. Ich erteile ihr dieses.


11.48.48

Bundesrätin Johanna Miesenberger (ÖVP, Oberösterreich): Geschätzter Herr Prä­sident! Geschätzte Frau Bundesministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geschätz­tes Hohes Haus! Um es kurz zusammenzufassen: Acht Millionen Tier- und Pflanzen­arten, zu Land und zu Wasser, gibt es weltweit. Laut Umweltbundesamt gibt es Schät­zun­gen von zweieinhalb bis zu 30 Millionen Arten weltweit, und davon sind nur 1,7 Millionen wissenschaftlich erfasst. Die Schöpfung ist also selbst für uns Menschen kaum begreifbar und erfassbar.

In den Tropen – in den Tropenwäldern – sind 50 bis 70 Prozent der Tier- und Pflan­zen­arten beheimatet, manche Schätzungen ergeben sogar bis zu 90 Prozent. Der Ama­zonasregenwald hat somit nicht nur die Funktion der grünen Lunge inne, sondern ist auch ein Reservat der Artenvielfalt und der Biodiversität.

Über eine immense Artenfülle von Flora und Fauna verfügen auch die Korallenriffe, die nicht umsonst als Regenwald der Meere bezeichnet werden. Der Weltbiodiversitätsrat der Vereinten Nationen sieht in seinem Bericht von 2019 eine Million Tier- und Pflanzen­arten als gefährdet und vom Aussterben bedroht.

Die Gründe sind schon vielfach angeführt worden – sie sind komplex –, und die Folgen davon sind auch global weitreichend. Durch das Wachstum der Weltbevölkerung seit den Siebzigerjahren um fast 100 Prozent und eine weitere Urbanisierung seit 1992 sind die Städte um 100 Prozent gewachsen. Unser Konsum, unsere Wohlstandsentwicklung und der Ressourcenverbrauch steigen. Der globale Temperaturanstieg und die Klima­veränderung allgemein sind massive Bedrohungen für viele Tier- und Pflanzenarten.

Wie sieht es mit der Artenvielfalt, mit der Biodiversität in Österreich aus? – Mit über 60 000 Tier- und Pflanzenarten ist Österreich nicht gerade mit dem Regenwald ver­gleichbar, dennoch stellt der Sustainable Development Report Österreich ein sehr gutes Zeugnis aus, was die Erfüllung der Nachhaltigkeitsziele betrifft. Österreich liegt beinahe an der Weltspitze und hat sich seit dem letzten Bericht auf Platz sechs der 193 Mit­gliedstaaten der Vereinten Nationen geschoben. Wie schon erwähnt: Im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist Österreich ein artenreiches Land und bekannt für seine Arten­vielfalt.

Die Land- und Forstwirtschaft in Österreich, die Bäuerinnen und Bauern, die heute schon einige Male erwähnt worden sind, die das Land in Österreich bewirtschaften, sind einer der Faktoren für eine große Biodiversität. Die bäuerlichen Familienbetriebe in Österreich sind sehr kleinstrukturiert, auch aufgrund von natürlichen Bewirtschaftungsnachteilen. Sie müssen sich vom globalen Markt abheben. Um überhaupt überleben zu können, liegt für viele Betriebe eine Chance in der Diversifizierung, in der Ökologisierung und eben in dieser Vielfalt. Durch die nachhaltige Bewirtschaftung sind die Lebensräume für Flora und Fauna, für Pflanzen und Tiere, wie wir sie kennen und schätzen, erst entstanden. Genau diese Lebensräume würde es ohne Landwirtschaft nicht geben.

In der Gemeinsamen Agrarpolitik hat Österreich eine Vorbildfunktion. Wir sind führend bei Umwelt- und Biodiversitätsprogrammen, und das nicht erst seit einigen Jahren. 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe, der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind bei Umweltprogrammen dabei. Sie haben besondere Auflagen im Bereich der Fruchtfolge,


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