der Begrünung, der Artenvielfalt. 7 Prozent werden als Biodiversitätsflächen und Naturschutzflächen bewirtschaftet, und 26 Prozent der Betriebe werden biologisch bewirtschaftet.
Eben weil wir diesen anderen erfolgreichen Weg gehen – weil die österreichische Agrarpolitik mit Anreizen und nicht mit Verboten arbeitet –, ist sie erfolgreich. Wichtig ist: Die freiwilligen Leistungen und der Beitrag der Bäuerinnen und Bauern zum Umweltschutz dürfen nicht selbstverständlich sein. Sie bedeuten einen Mehraufwand, der am Ende nicht für Schleuderpreise und Lebensmittelaktionen gemacht werden kann, sondern von der gesamten Volkswirtschaft geschätzt und auch abgegolten werden muss. Die österreichischen Bäuerinnen und Bauern gehen mit dem Biodiversitäts- und Klimaprogramm 2030 in die Offensive: Ja, wir sind betroffen, aber wir sind nicht das Problem, sondern wir sind Teil der Lösung.
Geschätzte Frau Bundesministerin, eine nationale Biodiversitätsstrategie muss im breiten Dialog und Konsens aller Beteiligten ausgearbeitet und umgesetzt werden. Eine nachhaltige und vielfältige Landwirtschaft und somit Biodiversität in Österreich entsteht vor allem durch Bewirtschaftung und nicht allein durch Stilllegung oder Außernutzenstellung. Was haben wir davon, wenn wir die Landwirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes in Schönheit sterben lassen, Familien auf ihren Höfen zum Aufgeben zwingen und klimaschädliche Billigimporte auf unseren Tellern landen?
Kämpfen wir nicht gegen das Artensterben, denn in einem Kampf gibt es immer Verlierer! Artenschutz und Naturschutz brauchen Hausverstand. Ziele und Maßnahmen dürfen durchaus ambitioniert sein, aber sie müssen realistisch bleiben. Ja, eine gesunde Biodiversität und Artenvielfalt sind die Basis unserer Volkswirtschaft. Sie bedeutet Lebensgrundlage, Lebensmittelsicherheit und Lebensqualität für alle Menschen.
Dieser Schutz der Lebensgrundlagen ist eben nicht nur Aufgabe der Land- und Forstwirtschaft, er ist Auftrag aller Lebens- und Wirtschaftsbereiche, vom Kleingarten bis zur Industrie – auch dort können wir wirksame Maßnahmen für die Biodiversität setzen. (Vizepräsident Novak gibt das Glockenzeichen.) Wir müssen auch unser Konsumverhalten ändern. (Zwischenruf des Bundesrates Steiner.) Wir müssen möglicherweise unsere Lebensweise ändern und vielleicht auch auf manche Dinge verzichten. Es ist auf jeden Fall eine gemeinsame Verantwortung.
Abschließend möchte ich sagen: Wir sind in Österreich sicher auf einem guten Weg, und wir müssen diesen gemeinsam konsequent weitergehen. – Vielen Dank. (Beifall bei ÖVP und Grünen.)
11.55
Vizepräsident Günther Novak: Danke, Frau Bundesrätin.
Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Bundesrätin Andrea Kahofer. Ich erteile ihr dieses.
Bundesrätin Andrea Kahofer (SPÖ, Niederösterreich): Herr Präsident! Hohes Präsidium! Werte Frau Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher hier und zu Hause vor den Bildschirmen! Mein Redekonzept kann ich jetzt ad acta legen. Es wurde vieles bereits gesagt, und ich glaube, es bringt auch nicht wirklich etwas, wenn ich jetzt noch einmal die Ergebnisse des Weltbiodiversitätsberichtes 2019 präsentiere. In Wahrheit brauchen wir alle nur die Augen und Ohren aufzumachen, denn es brummt nicht mehr, es summt nicht mehr, es fliegen keine Schmetterlinge mehr, und wenn man auf der Decke in der Wiese liegt, wird man nicht von Heuschrecken überfallen. Wir alle wissen: Die Biodiversität, die Artenvielfalt, sie gehen zurück.
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