BundesratStenographisches Protokoll929. Sitzung, 929. Sitzung des Bundesrates am 15. Juli 2021 / Seite 185

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beginnen, diese auszubilden, sie gut bezahlen, gute Arbeitsbedingungen für sie schaffen und einen attraktiven Beruf daraus machen, denn die Pflege oder die Betreuung ist ja kein leichtes Geschäft, sondern ein sehr, sehr schwieriges. Man hat es mit ver­schie­denen Umständen zu tun, man hat es mit Fällen von Demenz zu tun. All das ist nicht einfach zu handeln, und da braucht man eine gute Ausbildung, da braucht man Be­dingungen, unter denen gesagt wird: Ich möchte in den Job gehen und ich möchte in dem Job bleiben. (Beifall bei der SPÖ.)

Zur Ausbildung ist grundlegend zu sagen: Wenn ich Menschen in diesen Beruf ent­wickeln möchte, gerade aufgrund der Arbeitslosigkeit, dann muss ich schauen: Welche Bedingungen habe ich da für diese Menschen, sind sie geeignet? Und dann: Können sie sich eine längere Ausbildung auch leisten? Da ist es ganz, ganz wichtig, einen Bonus zu geben oder eine Pflegestiftung zu haben, denn mit dem Arbeitslosengeld allein werden sie sich eine längere Ausbildung nicht leisten können. Sie müssen auch die Sicherheit haben, dass sie danach einen Job kriegen können, auch das ist ganz, ganz wesentlich. (Beifall bei der SPÖ.)

Wie gesagt, die Pflege ist nichts Einfaches, und wir wissen jetzt aus den Befragungen auch, dass sich über 40 Prozent der Beschäftigten in der Pflege und Betreuung nicht vor­stellen können, bis zum Regelpensionsalter darin zu arbeiten – und das ist schon sehr bedrückend. Das heißt, da stimmt etwas nicht, und das ist nicht allein die Bezah­lung. Es ist die Wertschätzung, es ist die Überfrachtung mit Verwaltungsaufgaben und es ist natürlich auch die Frage der Arbeitszeit. Dieser Job ist nicht leicht, er ist körperlich anstrengend und er ist psychisch anstrengend, und da muss man wirklich an vielen Schrauben drehen.

Eine weitere Schraube, die natürlich ganz, ganz wichtig ist, ist die Frage der Finan­zie­rung der Pflege. Die Pflege muss dauerhaft finanziert und so abgesichert werden, dass Pflege nicht zum Kostenfaktor für Familien wird, denn wenn ich nicht viel Geld habe und mir dann keine gute Pflege für meine Angehörigen oder für mich selber leisten kann, na bitte, das kann ja wirklich in Österreich nicht der Fall sein! Das wollen wir auf keinen Fall, so kann man mit den Menschen nicht umgehen.

Kollegin Hauschildt-Buschberger hat es schon richtig gesagt: Wir gehen da auf eine Alterskurve zu, die ja nicht ohne ist. 2055 wird der Anteil der Personen über 80 Jahre bei 11,8 Prozent liegen – das ist ja nicht nichts. Wir alle, die wir hier sind, und unsere Ange­hörigen wollen gut betreut und gepflegt sein.

Ich darf schon erwähnen: Das ist ja, auch wenn man zu Hause gepflegt wird wie jetzt 80 Prozent aller Menschen, meistens eine weibliche Tätigkeit. Pflege ist weiblich. Pflege ist weiblich von den Angehörigen her und Pflege ist weiblich von den Beschäftigten her. Das heißt, ich muss schon schauen: Welche Gruppe habe ich da und wie bezahle ich diese Tätigkeit? Das ist eine Frage der Wertigkeit von Arbeit. Auch da muss man auf die Frauen schauen, da bin ich mir ganz, ganz sicher. (Beifall bei der SPÖ.)

Also es braucht eine Pflegeoffensive, es braucht eine ordentliche Finanzierung, es braucht für die Angehörigen die Sicherheit, dass sie mit ihrem Pflegeproblem nicht allein­gelassen werden. Ich freue mich sehr, wenn die Arbeit der Communitynurses greift, keine Frage, aber mit 150 Communitynurses werden wir das Kraut nicht fett machen. (Bundesrat Kornhäusl: Das ist nur ein erster Schritt!) – Ja, eh, das ist ein erster Schritt, aber passen wir auf, dass der erste Schritt nicht danebengeht, denn dann kann der zweite nicht folgen! (Zwischenruf der Bundesrätin Grimling.)

Das Ganze braucht eine gute Vorbereitung, ein gutes Konzept, damit wir es schön in Schwung bringen können. Wir als Sozialdemokratie sind wirklich ganz begeistert davon. Machen wir es gut, machen wir es gescheit und dann hat es wirklich einen Sinn! So sollte man mit der Sache umgehen. Ich hoffe, dass die Pflegereform nicht nur eine Ankündigung


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