BundesratStenographisches Protokoll937. Sitzung, 937. Sitzung des Bundesrates am 3. Februar 2022 / Seite 24

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in dieser schwierigen Zeit der Pandemiebewältigung, sondern auch darüber hinaus. Und dass die Vorarlberger in der Vergangenheit durchaus schon gezeigt haben, dass sie Verantwortung durch ein wirklich konstruktives und gemeinsames Zusammenspiel ver­schiedenster Akteure übernehmen können, das zeigen auch einige Beispiele.

Vorarlberg zählt nämlich zu den stärksten Wirtschaftsregionen Europas; die Basis für unsere starke Wirtschaftskraft ist eine überdurchschnittlich starke Industrie. Wir haben wettbewerbsfähige Gewerbe- und Handwerksbetriebe und eine starke Tourismuswirt­schaft. Die Region Arlberg ist als die Skiregion wahrscheinlich jedem von euch ein Begriff.

Vorarlberg ist darüber hinaus Exportchampion. Wir haben heute schon gehört, erfolgrei­che Regionen sind immer auch erfolgreich im Exportieren: 76 Prozent der in Vorarlberg produzierten Waren werden jenseits der Landesgrenzen verkauft. Damit liegt Vorarlberg weit über den Exportländern Deutschland und Schweiz.

Diese hohe Exportquote ist auch das Ergebnis einer besonderen Innovationskraft. Vor­arlberg belegt Platz sieben der innovativsten Regionen weltweit. Die OECD sagt, wir liegen auch nur ganz wenig hinter der Region Massachusetts; Vorarlberg – Massachu­setts, das ist also schon ein ordentlicher Vergleich, denke ich. (Heiterkeit der Bundesrä­tInnen Zwazl und Kornhäusl.) Diese große Innovationskraft zeigt sich aber beispiels­weise auch in der Patentstatistik. Das Bundesland Vorarlberg gehört bei Patentanmel­dungen beim Europäischen Patentamt regelmäßig zu den top fünf in Europa.

Ein weiterer Wesenszug und auch Erfolgsfaktor der Vorarlberger Wirtschaftslandschaft sind die zahlreichen Familienbetriebe: 93 Prozent aller Unternehmen in Vorarlberg sind in Familienhand. Das begünstigt auch ein loyales Miteinander zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber; gemeinsam wird mit viel Fleiß und einer hohen Produktivität an Lösun­gen gearbeitet.

Wir haben es schon gehört: Die höchste Lehrlingsquote im Bundesländervergleich unter­streicht auch den Stellenwert der Lehre, den wir ihr beimessen. An die 50 Prozent aller 15-Jährigen in Vorarlberg entscheiden sich auch für eine hochqualitative Lehre.

Als einzigem Bundesland in Österreich mit einer Bevölkerung vorwiegend alemanni­scher Abstammung werden uns auch gewisse Charaktereigenschaften zugeschrieben (Heiterkeit der Bundesrätin Zwazl): Fleiß, Heimatverbundenheit, Sparsamkeit, aber auch Hartnäckigkeit.

Dass Vorarlberg durchaus hartnäckig eigene Wege beschreiten kann, das zeigen auch zwei Beispiele aus jüngster und älterer Geschichte. Vielleicht zuerst die ältere Ge­schichte, nämlich die Schiffstaufe 1964: Die Taufe eines Bodenseeschiffes brachte or­dentlich Aufruhr ins Ländle, weil das Schiff nach dem Willen des Bundes nach Karl Renner benannt werden sollte. Die Vorarlberger waren darüber ganz erzürnt, weil sie das Schiff Vorarlberg nennen wollten, und am Tag der Schiffstaufe verhinderten dann Tausende Demonstranten die Schiffstaufe, indem sie die Ehrengäste mit faulen Eiern und Tomaten bewarfen. Der damalige Verkehrsminister Probst musste umdrehen, da die Polizei nicht mehr für seine Sicherheit sorgen konnte. Das führte im Nationalrat na­türlich zu heftigen Debatten, die große Koalition zwischen SPÖ und ÖVP wurde infrage gestellt. Fast ein halbes Jahr später ließ sich aber der Bund erweichen und das Schiff durfte tatsächlich auf den Namen Vorarlberg getauft werden. Das war ein wirklich starkes Symbol für Föderalismus und für die Eigenständigkeit Vorarlbergs. (Zwischenruf des Bundesrates Spanring.)

Ein weiteres Beispiel für die Eigenständigkeit Vorarlbergs gibt es in der ganz aktuellen Geschichte zu finden. Nach intensiven Verhandlungen unseres Landeshauptmanns Markus Wallner – er hat es heute schon erwähnt – und seines Teams konnte Vorarlberg als Modellregion einen weiteren Lockdown im Frühling 2021 umgehen.

 


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