Man muß den Menschen aber auch sagen: Die Umstellung kostet etwas, nämlich Anstrengung. Die Österreicher werden es aber genauso leisten und Erfolg haben, wie das bisher der Fall gewesen ist. Es gibt immer wieder welche, die sagen: Wir können das nicht, wir schaffen das nicht; sie sehen alles negativ. Der Geist, der alles verneint!, der wohnt teilweise zu stark in uns. – Wir haben aber auch starke Seiten. Lassen wir das nirgendwo in Europa aufkommen. Hier geht es um mehr, als daß irgendeiner Wahlen gewinnt. Es geht um die existenzielle Frage, ob wir gleichberechtigt in Europa mittun, ob wir den Frieden sichern – oder ob wir da nebenbei mitlaufen und dann betteln gehen müssen, um mit den Großen wieder zu verhandeln. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Mag. Stadler: Wir sind ja drinnen!) Ja, und wir sollen das nützen, Kollege Stadler! (Abg. Mag. Stadler: Wir machen das beste daraus! Das haben wir gerade gesagt!) Dann nützen wir es doch.
Die Österreicher haben gezeigt, was sie können! Sie haben die Voraussetzungen auch für künftige Erfolge aufgebaut. Ich zitiere nicht die Voraussagen, die Sie vor dem 12. Juni 1994 gemacht haben, wie katastrophal das alles sein wird. Von diesen Dingen redet man nicht mehr. Wir sind in der EU; nützen wir daher die Chancen! Ich glaube, wenn wir mit der positiven Einstellung, mit der wir vor dem 12. Juni 1994 agiert haben, auch jetzt an die Sache gehen, werden wir es auch wieder schaffen. Ich habe einen unglaublich großen Glauben an unser Land. Der wird sich auch im Bereich der Europäischen Integration bewahrheiten.
Meine Damen und Herren! Ich möchte noch kurz zwei Bemerkungen machen, da die Umwelt diese Gemeinsamkeit unbedingt benötigt. Es ist ja nicht so, daß alles nach Glorie und Verständnis aussieht:
Es gibt mehr Konflikte als vor zehn Jahren: Balkan, Tschetschenien, Kaukasusgebiet und auch latent in den Donauländern. Wenn man sich anhört, was diese Nachbarn gelegentlich sagen, was die Mehrheit über die Minderheit sagt, was die Minderheit über die Mehrheit sagt, dann ist das teilweise eine Sprache der dreißiger Jahre. Es ist daher alles zu tun, damit die Europäische Union Kristallisationspunkt der europäischen Sicherheit bleibt und noch stärker wird. Es gibt keine Alternative zum geeinten Europa als die neuer Konflikte und neuen Chaos. (Beifall bei der ÖVP, SPÖ, dem Liberalen Forum sowie Beifall der Abg. Ing. Langthaler. )
Bereiten wir uns besser vor. Man kann immer alles noch besser machen, auch das, was vor dem 12. Juni 1994 gemacht wurde und was jetzt gemacht wird. Man kann aber auch Gelegenheiten verspielen und versäumen. Ich darf daran erinnern, daß wir Glück gehabt haben und daß die Regierung ein Gespür dafür im Jahr 1955 gehabt hat, als der Staatsvertrag unterzeichnet und die Neutralität beschlossen wurde. Es war das ein Glücksfall, die Menschen hatten ein Gespür dafür gehabt; ein Jahr später wäre es nicht mehr gegangen. Wir hätten nach dem Aufstand in Ungarn nie mehr den Staatsvertrag bekommen, als die Russen, die Sowjets entdeckt haben, daß 2 Millionen Bürger in ein freies Land laufen können, daß die Demokraten von Ungarn weg können. Wir hätten ihn nicht mehr bekommen.
Wir haben auch bei Südtirol Glück gehabt. Am 27. Mai 1992 ist die Zustimmung gegeben worden, am 17. Juli ist die italienische Regierung ohne Andreotti, ohne Gianni De Michelis angetreten; es hätte keine Chance mehr für das Paket gegeben.
Bei Europa hätte es ebenfalls so sein können.
Die Erweiterung wird aber von uns allen sehr unterstützt. Auch Sie haben sich positiv dazu geäußert, die Regierung äußert sich positiv, und ich kann das nur massiv unterstützen. Aber die Fairneß verlangt zu sagen, es mag vielleicht länger dauern, als wir es uns wünschen, als es unsere Nachbarn wünschen. Hätten wir vielleicht erst im Jahr 2020 dazukommen sollen und den Beitritt mit den Schwierigkeiten, die diese Länder aufgrund ihres kommunistischen Erbes bewältigen müssen, zustande bringen sollen?
Ich sage Ihnen: Keine Schwierigkeit hätte so groß sein können, daß ich das Ziel nicht für richtig gehalten hätte. Wegen dieses überragenden Zieles, des Respektes voreinander und des Friedens in Europa bin ich positiv eingestellt.