vielen Märkten der Welt ausländische Ministerdelegationen die Hand geben, um politischen Einfluß auszuüben, um bestimmte Bevorzugungen im Markt zu erhalten. Das spielt eine unglaubliche Rolle in Asien, es spielt aber auch eine große Rolle in Lateinamerika. Daher wird es für die nächste Zeit wichtig sein, daß alle in diesem Bereich tätigen politischen Verantwortungsträger in einer koordinierten Betreuungsstrategie keinen einzigen österreichischen Interventionswunsch oder Hilfewunsch von Exportunternehmern unbeantwortet lassen.
Ein vierter Punkt, meine Damen und Herren: Wenn Sie mit Flugzeugen jedweder Art durch die Welt reisen, sehen Sie die wirklichen Helden der österreichischen Ökonomie, nämlich die Exportkaufleute. Wir sehen immer wieder Leute, die wochenlang unterwegs sind, sich fremde Sprachen im Flugzeug noch mühsam aneignen und alle möglichen Krankheiten einfangen. Viele junge Kaufleute sind nicht mehr bereit, sich dieser Mühe zu unterziehen. Die Exportkaufleute haben unregelmäßige Arbeitszeiten, haben unglaubliche Dinge zu bewältigen. Ich würde meinen, daß wir in diesem Sektor ein hohes Arbeitsplatzpotential haben. Wir sollten gemeinsam mit Hochschulen, Wirtschafts- und Berufsförderungsinstituten danach trachten, daß wir die Nachfrage, die wirklich rasant steigt, befriedigen können. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)
Ich bringe noch ein Beispiel: Vor dem EU-Beitritt hatten wir in der Wirtschaftskammer Österreich etwa 8 000 Exporteure, Importeure in unseren Computern. In der Zwischenzeit hat sich die Zahl der Exporteure – im Binnenmarkt "Lieferanten" genannt – fast verdreifacht. Da entsteht ein Arbeitsmarkt, den es mit bestqualifizierten, engagierten Männern und Frauen zu betreuen gilt. – Das zu meinen Exportstrategien.
Meine Damen und Herren! Nun gibt es nicht nur Unternehmen, die sich auf dem Weltmarkt bewährt haben und sich weiter bewähren wollen, sondern wir haben auch sehr viele Unternehmen, die mit den derzeitigen Herausforderungen schlicht und einfach Probleme haben. Ich will nicht sagen, sie sind fußmarod, aber sie haben Schwächen in den verschiedensten Bereichen. Ich glaube daher, daß es, gerade um diese phänomenale Insolvenzwelle einzugrenzen, notwendig ist, ihnen durch eine – ich nenne es so – "Eurofit-Aktion II" in Zusammenarbeit etwa mit den Wirtschaftsförderungsinstituten und anderen Einrichtungen weiterhin Beratungen, eine fast institutionelle Möglichkeit der Frühwarnung zu geben.
Ich war noch Mitautor, als Ghostwriter damals, der Insolvenzrechtsnovelle 1983, bei der wir geglaubt hatten, über die Gleichstellung der Forderungen ein Frühwarnsystem zu etablieren. Daraus ist nichts geworden. Man wird wahrscheinlich doch eher bei den Betrieben als bei jenen, die dann zum Konkursrichter laufen, ansetzen müssen. Das ist aber eine ganz wichtige Aufgabe. Unsere Unternehmen müssen im weitesten Sinn eurofit sein – ich denke an den Bankenbereich –, denn was da an Strukturdruck auf uns zukommt, dem müssen wir rechtzeitig begegnen. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)
Dieses Land hat ein sehr hohes Potential an möglichen Unternehmen – es ist heute mehrmals angesprochen worden, daß wir eine sehr niedrige Selbständigenquote im Vergleich zu anderen OECD-Ländern haben –, wir haben aber relativ viele Hemmnisse zum Selbständigwerden, vom Mentalen über das Institutionelle bis zum Finanziellen. Wenn wir in diesem Bereich etwas entwickeln wollen, dann lassen Sie uns nicht in Euphorie verfallen, denn ohne beinharte Knochenarbeit an Regelungen und Institutionen wird das nicht leicht möglich sein.
Lassen Sie mich ein paar Beispiele bringen.
Ich glaube, es ist nicht wichtig, wieviel Geld ein Jungunternehmer geschenkt erhält – darum geht es nicht; ich bin für Gründersparen –, entscheidend wird es sein, sicherzustellen, daß die Ausstattung mit einer hinreichenden Kapitalbasis gegeben ist, etwa im Haftungswege, begleitet von Managementkontrolle und Beratung über die Schwierigkeiten des Marktes, eventuell durch – wie man im Englischen so schön sagt – senior economic advisers, also durch alte, erfahrene Menschen aus der Wirtschaft – und solche gibt es viele, vor allem auch durch Frühpensionierungen. Auf diese Weise könnten wir den Jungen die Chance geben, erfolgreicher zu sein, als es heutige Insolvenzstatistiken aufzeigen: Nach zwei Jahren ist die Hälfte von ihnen wieder weg! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)