Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 62. Sitzung / Seite 76

Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite

(Zwischenruf des Abg. Meisinger. ) Noch wichtiger aber ist zweifellos die langfristige Behandlung dieses Problems, die meiner Ansicht nach nur darin liegen kann, daß man die Anzahl der Lehrstellen in den neuen Lehrberufen entscheidend erhöht. (Beifall bei der ÖVP.)

Eine Problematik ist meiner Meinung nach bis jetzt zuwenig behandelt worden. Der überwiegende Teil der Jugendlichen ergreift keinen Lehrberuf, nur 40 Prozent eines Jahrgangs gehen in die Lehre, während 60 Prozent Schulen oder andere Formen der Ausbildung wählen. Auch für diese gilt es, ein Arbeitsplatzangebot für die Zukunft bereitzuhalten.

Dafür kann es aber keine Patentlösungen geben. Wir haben beim Großteil der Berufe nicht nur ein überdurchschnittliches Schulniveau zu verzeichnen, sondern sogar eines, das an der Spitze Europas liegt. Wenn wir trotzdem Probleme haben, Beschäftigung für diese Jugendlichen zu finden, so ist das einfach darauf zurückzuführen, daß sie im Vergleich zu jenen, die bereits im Beruf stehen, eben einen Mangel an Praxis aufweisen. Pflicht der Gesellschaft ist es daher, diesen jugendlichen Schulabgängern die Möglichkeit zu geben, ins Berufsleben einzusteigen, damit sie nicht einfach zu Hause sitzen und darauf warten müssen, bis sie endlich nach zahllosen Vorsprachen auch tatsächlich irgendwo in einem Betrieb aufgenommen werden. (Beifall bei der ÖVP.)

Es ist dies eine Aufgabe der öffentlichen Hand, aber noch mehr eine der gesamten Gesellschaft. Dieses Problem kann nur dann bewältigt werden, wenn private Unternehmen, private Vereinigungen und die öffentliche Hand zusammenwirken. (Beifall bei der ÖVP.)

16.57

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Danke, Herr Bundesminister.

Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Gusenbauer. Bitte.

16.57

Abgeordneter Dr. Alfred Gusenbauer (SPÖ): Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren der Bundesregierung! Hohes Haus! Ich möchte an den Diskussionsbeitrag des Herrn Abgeordneten Mag. Peter anknüpfen, der sich, wie ich meine, sehr konstruktiv mit der Frage auseinandergesetzt hat, die uns heute bewegt.

Es geht in der gesamten Diskussion im wesentlichen um zwei Pole. In all den betriebswirtschaftlichen und wirtschaftstheoretischen Überlegungen wird Arbeit als eine Ware begriffen, die möglichst leicht nachfragbar und möglichst billig sein muß. Das ist die eine These.

Die zweite These ist, daß Arbeitnehmer aber natürlich Menschen sind, die Sicherheit haben wollen, die Schutz haben wollen und die für ihre Arbeit auch ein vernünftiges Gehalt erhalten wollen. Und zwischen diesen beiden legitimen Positionen, die es im Wirtschaftskreislauf gibt, müssen vernünftige Kompromisse geschlossen werden.

Wenn wir heute vor dem Hintergrund der Situation, daß es in Österreich eine für uns zu hohe Arbeitslosigkeit gibt, diskutieren, was wir unternehmen können, dann sollten wir uns vielleicht anschauen, wie der Kompromiß zwischen diesen beiden Polen in unterschiedlichen Industriegesellschaften gelöst wird. Wir werden ja in der Debatte des öfteren mit dem amerikanischen Beispiel, mit dem britischen Beispiel, mit dem niederländischen Beispiel und anderen konfrontiert. Wenn wir uns das ansehen, stellen wir folgendes fest:

Das amerikanische Modell hat in den vergangenen Jahren eine sehr gute Mixtur zwischen hohem Wachstum und gleichzeitig niedriger Inflation geschafft, und es hat ein dementsprechendes Beschäftigungswachstum gegeben. Das ist die Habenseite.

Die Negativseite der Bilanz ist, daß in den USA der Großteil der neuen Arbeitsplätze, die geschaffen wurden, nur die Hälfte des Einkommens erbringt, das jene Arbeitsplätze gebracht haben, die in der Wirtschaftsperiode davor verlorengegangen sind.


Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite