Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 77. Sitzung / Seite 130

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Zur Feststellung, daß die österreichischen Lehrer angeblich eine geringere Lehrverpflichtung haben: Wir müssen uns endlich einmal darüber klar werden, daß in vielen Statistiken Äpfel mit Birnen verglichen werden. In anderen Ländern wird in die Lehrverpflichtung nur die Stunde eingerechnet, die der Lehrer in der Klasse hält, während die Verwaltungsstunden vom Verwaltungspersonal gemacht werden. Dabei kommt natürlich eine ganz andere Verhältniszahl Lehrer Schüler heraus. Das heißt, die Lehrverpflichtung der österreichischen Lehrer liegt nicht an der Spitze der Lehrverpflichtungen Europas, aber in einem guten Durchschnitt. Genauso ist es mit der Einkommenssituation der österreichischen Lehrer. Sie liegt ebenfalls in einem Durchschnitt. Ich bitte Sie wirklich, zu beachten: Mehrdienstleistungen gehören nicht ins Durchschnittseinkommen eingerechnet. Und Mehrdienstleistungen werden auch im Lehrerbereich immer weniger werden.

Die unterschiedlichen Kosten zwischen Schülern in der AHS und in der BHS ergeben sich vor allem aus der Stundentafel und auch aus den Ausstattungsunterschieden durch Werkstätten und Laboreinrichtungen.

Die Überstunden wurden bereits abgebaut. Wir haben in diesem Jahr eine Milliarde weniger an Überstundenleistungen zu erwarten. Wir sind weiter dabei, die Überstunden soweit wie möglich mit jungen Lehrern und Lehrerinnen zu besetzen. Außerdem wird es noch weitere Maßnahmen geben, damit Überstunden abgebaut werden können.

Im Pflichtschulbereich, das heißt im Volksschulbereich und im Hauptschulbereich, fallen kaum mehr Überstunden an. Im Schnitt ist es eine Überstunde. Ich glaube, daß das keine hohe Zahl mehr ist.

Zu den zirka 6 000 arbeitsuchenden Junglehrerinnen und Junglehrern. Ich meine, daß wir mit einem Vorruhestandsmodell eine gute Basis schaffen könnten, damit Junglehrerinnen und Junglehrer eine Möglichkeit haben, in den Schuldienst einzutreten. Genauso verhält es sich mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, angefangen von der Teilzeitarbeit bis zum Abbau von Mehrdienstleistungen. Die Initiativen dazu sind angelaufen, und ich hoffe sehr, daß Sie dieses Modell eines Vorruhestandes mit einem Abschlag dann auch entsprechend unterstützen werden. (Beifall bei der ÖVP.)

Zur Frage 15: Die Mehrdienstleistungen werden bereits soweit wie möglich abgebaut, indem man dort, wo es möglich ist, junge Lehrerinnen und Lehrer anstellt.

Zur Repetentenzahl ist zu sagen, daß Österreich im europäischen Schnitt liegt, daß das Frühwarnsystem bereits Erfolge erzielt hat, daß wir es weiter beobachten und ausbauen werden und daß die Unterstützung und Hilfestellung von seiten der Lehrer und Lehrerinnen immer größer wird. Ich darf das zeigen: "Kein Nachhilfeboom durch Fünferfrühwarnung". Es ist bereits jetzt klar, daß ein Drittel weniger Fünfer in Oberösterreich gegeben wird nur allein aufgrund dieses Frühwarnsystems. Ich glaube, das ist doch ein schöner Erfolg. (Beifall bei der ÖVP.)

Dasselbe gilt auch für die Frage 17. Wir haben bereits in unseren Gesetzen festgehalten, daß Schüler und Schülerinnen mit Beschluß der Klassenlehrerkonferenz aufsteigen können, daß sie wegen eines Faches nicht ein ganzes Schuljahr wiederholen sollen und daß sie ihre Lücken im kommenden Schuljahr nachholen können.

Zur Frage, ob es vertretbar ist, daß durch Kürzung von Werteinheiten und Senkung der Unterrichtsstunden gespart wird. Ich wiederhole noch einmal: Die Senkung der Unterrichtsstunden ist eine pädagogische Maßnahme gewesen, weil die Schüler zu sehr belastet waren. Die Werteinheiten sind österreichweit verbindlich vereinbart, und jedes Land erhält nach transparenten Kriterien die Werteinheiten zugeteilt.

Zu den Nachhilfestunden. Dazu kann ich nur feststellen, daß bitte erstens einmal Eltern und Lehrer wirklich fragen sollten: Sitzt das Kind in der richtigen Schule? Wenn zu viele Nachhilfestunden anfallen, wenn es zu große Mühe macht, dann soll man auch den Mut haben, eine andere Schule zu wählen. Zweitens sieht man, daß durch unser Frühwarnsystem die Nachhilfestunden reduziert werden können.


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