Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 77. Sitzung / Seite 141

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Frau Bundesminister, ich frage Sie: Was hat sich im Zeitalter immer rascherer Veränderungen, auf die die Lehrerausbildung reagieren müßte, tatsächlich geändert? (Abg. Schaffenrath: Nichts!) Lehrerausbildung und Lehreralltag haben doch ganz wenig miteinander zu tun. Da haben wir Lehrer für AHS und BHS, die kaum pädagogisch, kaum psychologisch geschult sind. (Abg. Dr. Brinek: Das stimmt doch gar nicht!) Natürlich haben wir das nach wie vor. In der Lehreraus- und -fortbildung finden diese Umstände kaum Berücksichtigung  vor allem nicht auf universitärer Ebene, das wissen Sie genau, Frau Kollegin Brinek , obwohl sich die Aufgaben der Lehrer in der Zwischenzeit vervielfacht haben und sehr differenziert, sehr diffizil geworden sind. Viele Ansprüche werden an die Lehrer gestellt. Eltern und Gesellschaft schieben viele Bereiche an die Schule ab, aber wir sind nicht in der Lage, die Lehrer entsprechend darauf vorzubereiten, damit sie diesen Anforderungen auch gerecht werden können. (Ruf bei der ÖVP: Sie dürfen nicht von sich auf andere schließen!)

Meine Damen und Herren! Was ist denn zum Beispiel mit der Reform der Stundentafel? Sie haben hier das eine oder andere Beispiel genannt, Frau Bundesminister, aber das war keine umfassende Reform. Die Zusammensetzung insgesamt ist überholt. Wir haben ein beziehungsloses Nebeneinander von traditionsreichen Fächern, zudem mehrfache Wiederholungen des Lehrstoffes in Unter- und Oberstufe. Fächerübergreifender, vernetzender Unterricht zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen ist eher noch die Ausnahme.

Weil es diese umfassende Reform der Stundentafel nach wie vor nicht gibt und auch die bürokratischen Hürden für diesen von allen geforderten Unterricht noch nicht abgebaut wurden, weil der Lehrplan noch nicht wirklich reformiert wurde, deshalb muß die Schule in der Realität mit so vielen Problemen kämpfen und erzeugt dann eben bei allen Beteiligten diesen Frust.

Meine Damen und Herren! Ich bin aber überrascht, daß die Liberalen nicht auf derartige Inhalte eingegangen sind, wie sie sie noch am Wochenende gefordert und propagiert haben. Sie haben sich in Ihrer Dringlichen nicht mit dem Ethikunterricht auseinandergesetzt. Ich hätte schon gerne gehört, wer welche Inhalte unterrichten soll und wo derjenige ausgebildet werden soll. Was passiert mit dem Religionsunterricht? Das alles sind Fragen, die Sie hier hätten beantworten sollen. (Abg. Dr. Schmidt: Ich lade Sie gerne zu einer Veranstaltung von uns ein! Abg. Mag. Barmüller: Morgen!)

Präsident Dr. Heinz Fischer (das Glockenzeichen gebend): Ich bitte um den Schlußsatz!

Abgeordneter Mag. Karl Schweitzer (fortsetzend): Schließen möchte ich mit einem Zitat, das wir uns alle hinter die Ohren schreiben sollten (Abg. Schaffenrath: Der Herr Höchtl vor allem!) : Bildung heißt nicht, den Plafond zu senken, sondern das Niveau zu heben. Ich glaube, wenn wir in diesem Sinn agieren, dann werden wir einige Probleme bewältigen können. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

16.26

Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Öllinger. Er hat das Wort.

16.26

Abgeordneter Karl Öllinger (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Frau Ministerin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist natürlich schwierig, in 10 Minuten ein derart umfangreiches Thema auch nur in den wichtigsten Aspekten zu erörtern (Abg. Dr. Graf: Wer hat denn die Geschäftsordnung geändert? Ihr habt die Geschäftsordnung geändert!) , aber ich werde versuchen, einige zentrale Punkte herauszugreifen. (Abg. Scheibner: Jetzt seht ihr, wie das ist!)

Frau Ministerin! Ihre Antwort hat mich nicht überzeugt, ich beginne aber trotzdem mit einem Lob: Ich finde es erstaunlich und begrüßenswert von seiten der Opposition, daß Sie unter allen Ministern dieser Bundesregierung die einzige waren, die für ein sehr wichtiges Ressort, für einen sehr wichtigen Bereich gefordert hat: Da müssen mehr Mittel hinein! Das gestehe ich Ihnen zu. Ich finde Ihre Haltung in dieser Frage durchaus begrüßenswert auch von der Oppositionsseite her. (Abg. Dr. Schmidt: Die Frage ist nur, wofür!)


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