Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 77. Sitzung / Seite 150

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Ich wünsche mir, daß wir den Eigenwert der Schule stärker herausarbeiten. Ich denke, daß die von Bundesministerin Gehrer angedeuteten und ausgeführten Reformvorschläge sowohl im Sinne einer Bilanz als auch im Sinne einer Vorschau zeigen, daß wir auf dem richtigen Weg sind. Wir werden morgen die Bildungsdebatte fortsetzen. (Präsident Dr. Neisser übernimmt den Vorsitz.)

Im übrigen ist Dialog das, was nicht mit Behauptungen eingeleitet und ausgeführt werden kann. In diesem Sinne verweise ich  wer Lust hat, kann es nachlesen  einerseits auf eine sehr moderne Schultheorie, nämlich die, die Hegel vertritt, und zum anderen auf das Grundprinzip des Dialogs nach Platon. Wenn Sie Lust haben, lesen Sie dort noch weiter; ich muß leider schließen. Danke. (Bravoruf bei der ÖVP.  Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Dr. Niederwieser. Abg. Dr. Khol: Gut geredet!)

17.02

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Grollitsch. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 8 Minuten.  Bitte.

17.02

Abgeordneter Mag. Dr. Udo Grollitsch (Freiheitliche): Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Bundesministerin! Oder soll ich besser sagen: Frau Europameisterin? Sie amüsieren sich über die Kritik der Liberalen am Unterrichtsbudget. Ich kann dazu nur sagen: Gott erhalte Ihnen Ihren Humor in Anbetracht der künftigen Budgets auf diesem Sektor! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Ich meine, es wäre Ihnen angestanden, das Frühwarnsystem einer konstruktiven oppositionellen Meinung zu dieser Thematik aufzugreifen, statt sich in einer überschätzenden Selbstbeweihräucherung einzugraben. (Beifall bei den Freiheitlichen.  Abg. Rosemarie Bauer: Was soll das?! Abg. Dr. Khol: Das war eine internationale Untersuchung, die die Volksschulen an erste Stelle gereiht hat!)

Die Auswertung und die Ergebnisse dieser Studie werden nicht in Zweifel gestellt. Es ist aber mit Sicherheit anzunehmen, daß sich nicht in erster Linie die Frau Bundesministerin diesen Erfolg auf ihre Fahnen heften und ihrem System zuschreiben kann, zumal gerade am Sektor der Volksschule in dieser Regierungsperiode nichts oder sagen wir besser fast nichts geschah. (Abg. Dr. Khol: Erstens war Frau Gehrer Volksschullehrerin, und zweitens hat sie sich bei allen Lehrern bedankt! Bleiben Sie ein bißchen bei der Wahrheit!)

Ich gratuliere der Frau Bundesministerin zu ihrer Tätigkeit als Volksschullehrerin! Vielleicht hätte sie es dabei bewenden lassen sollen (Abg. Dr. Maitz: Arroganz ist kein Argument!) , zumindest im Zusammenhang mit jener von Ihnen jetzt als arrogant bezeichneten Zurückhaltung gegenüber den vorliegenden Anfragen. (Neuerliche Zwischenrufe bei der ÖVP.)

Herr Kollege Antoni hat von einem Reformstau gesprochen, Herr Dr. Khol, falls Ihnen das entgangen ist. Er hat insgesamt 12 Reformbemühungen, die anstehen, erwähnt, zum Beispiel: Schulverbände, lebensbegleitendes Lernen, Schuleingangsphase, et cetera. Er hat damit sicherlich Bereiche angesprochen, von denen man nicht sagen kann, sie seien erledigt.

Herr Dr. Khol! Sie sollten auch wissen, daß in wenigen Wochen über 50 000 Schüler das Klassenziel nicht erreicht haben werden. Sie werden zu Versagern gestempelt. Über 200 000 werden mit Hilfe eines blühenden Pfuschergewerbes, nämlich des Nachhhilfeunterrichtes, gerade noch in die nächste Klasse hinüber gebracht und haben oft durch Nachprüfungen weitere Belastungen zu tragen. (Abg. Dr. Khol: In Oberösterreich ein Drittel weniger! Haben Sie doch die Eleganz, das anzuerkennen!)

Ich habe das verstanden. Auch die Idee des Frühwarnsystems kann dann, wenn es greift, wie wir hier gehört haben, sicherlich auf der Habenseite notiert werden. Aber das Faktum, daß mehr als 50 000 österreichische Schüler das Klassenziel nicht erreichen werden, bleibt bestehen  und zwar auch dann, wenn Sie das als arrogant bezeichnen; die Zahlen werden es beweisen , und 100 000 Lehrer  und dafür verbürge ich mich!  werden nach dem letzten Zeugnis, das sie verteilt haben werden, fluchtartig ihre inzwischen ungeliebte Schule verlassen und die nächsten


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